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Verschwendung eindämmen

17.05.2004
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Verschwendung eindämmen

von Patrick Hollstein, Berlin

Auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung diskutierten Politiker, Ärzte, Apotheker, Hersteller und Patienten über Verschwendung und Missbrauch im Gesundheitswesen.

Die Vergeudung von Ressourcen im Gesundheitswesen sei ein hochaktuelles Problem, sagte Martin Dörmann, Sprecher des Gesprächskreises „Verbraucherpolitik“ der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion. Insgesamt würden etwa 25 Prozent aller Mittel der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) unnötig ausgegeben; unter anderem landeten jährlich mehr als 4000 Tonnen Arzneimittel auf den Müll.

Negative Anreize vermeiden

Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (BMGS), sowie der Kölner Gesundheitsökonom Professor Dr. Dr. Karl W. Lauterbach warben für die Potenziale des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) zur Steigerung der Effizienz und Transparenz. Mit Patientenquittung, elektronischer Gesundheitskarte und der Verpflichtung zur elektronischen Abrechnung stehe man am Anfang einer neuartigen Vergütung, die keine negativen Anreize schaffe, sagte Schröder.

Peter Schmidt, Gesundheitspolitischer Referent der Arbeitsgruppe Gesundheit und Soziale Sicherung der SPD-Bundestagsfraktion, will für die Leistungserbringer sogar betriebswirtschaftliche Anreize schaffen, sich makroökonomisch sinnvoll zu verhalten. Doch auch die Patienten müssen seiner Meinung nach zu mehr Verantwortungsbewusstsein angehalten werden. Da der Preis nicht regulierend wirkt, orientiert sich laut Schmidt die Nachfrage ausschließlich am Angebot, was zu Anspruchsdenken und mangelndem Problembewusstsein bei den Patienten geführt habe. Die im GMG verankerte Stärkung der Souveränität soll Patienten motivieren, sich therapiegerechter zu verhalten und dadurch Kosten zu senken.

Thomas Isenberg vom Verbraucherzentrale-Bundesverband sieht demgegenüber keinerlei Verschwendung von Ressourcen durch Patienten. Selbst die als Kostenfaktor diskutierte Non-Compliance ist seiner Meinung nach im Verhalten der Leistungserbringer begründet, zum Beispiel bei mangelhafter Aufklärung der Patienten. Vor dem Hintergrund selbst zu finanzierender Leistungen mahnte Isenberg einen Missbrauch des Patientenvertrauens durch Ärzte an. In der Zukunft will er die Verbraucher verstärkt vor unseriöser und angsteinflößender Werbung schützen.

Apotheker sollen Risiken minimieren

ABDA-Geschäftsführer Dr. Frank Diener erläuterte die Vorteile der neuen Preisverordnung für Arzneimittel. Sie trage zu mehr Glaubwürdigkeit und Akzeptanz der Apotheken bei und sichere die Finanzierbarkeit innovativer Präparate.

Darüber hinaus machte Diener sich für eine weitergehende Beteiligung der Apotheken an der Minimierung von Risiken und Kosten der Arzneimittelversorgung stark. Durch Fehler im Umgang mit den jährlich etwa 900 Millionen verordneten Arzneimittelpackungen sowie den etwa 800 Millionen Packungen der Selbstmedikation entstehe eine Vielzahl von riskanten Situationen, die sich durch eine intensive Betreuung der Patienten in der Arztpraxis und in der Offizin minimieren ließen. Mit Medikationsprofilen und Arzneimittel-Checks könnten Apotheker die Folgekosten von Medikationsfehlern erheblich vermindern. In diesem Zusammenhang hob er die Bedeutung des Hausapothekenmodells hervor.

AOK auf Schnäppchenjagd

Wenig Verständnis für die entsprechenden Vertragsmodelle zeigte Norbert Schleert, Leiter der Abteilung Arznei- und Heilmittel beim AOK-Bundesverband. Ihn tangiert die Qualität der Versorgung weniger als der Preis. Für seine Kasse seien Modelle weitaus interessanter, bei denen die Versicherten Rabatte auf OTC-Arzneimittel erhalten. Hier sei der Wettbewerb bislang zu verhalten, kritisierte Schleert. Als Kassenvertreter rate er den Kunden, aktiv bei Versandapotheken entsprechende Preisnachlässe zu erfragen. Arzneimittellieferverträge der AOK richteten sich an einem entsprechenden Preiswettbewerb aus und dürften nicht als Kundenbindungsinstrument für die Apotheken dienen, das mit dem AOK-Logo versehen sei, sagte Schleert, wobei sich der Zusammenhang des Statements zum Hausapothekenmodell nicht wirklich erschließt. Top

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