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Schwabe sieht Phytos diskriminiert

19.05.2003
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Schwabe sieht Phytos diskriminiert

von Conny Becker, Berlin

Es scheint paradox, doch unter der rot-grünen Regierung fühlen sich gerade die Phytopharmakahersteller unwohl. Denn die meisten pflanzlichen Präparate fallen nicht unter die Verschreibungspflicht und könnten deshalb bald aus der Erstattungsfähigkeit herausfallen.

Laut Koalitionsvereinbarung sollten alternative Therapiemethoden gefördert werden, dennoch müssten jetzt Hersteller von Phytopharmaka um ihre Existenz fürchten, erklärte Professor Dr. Michael Habs aus Karlsruhe am Montag in Berlin. Der Geschäftsführer der Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel verwies auf die Gefahr eines Risiko- und Kostenanstiegs, wenn nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel aus dem Leistungskatalog der GKV fallen.

Anhand der Arzneimittelverordnungen von 2002 stellte er fest, dass 30 Prozent der auf Kassenrezepte entfallenen Arzneimittel nicht verschreibungspflichtig waren. Sie machten jedoch nur 12 Prozent der Ausgaben aus, da diese Präparate im Vergleich zu verschreibungspflichtigen Medikamenten im Durchschnitt um zwei Drittel günstiger seien. Der Anstieg der Arzneimittelausgaben um 6 Prozent bei gleicher Anzahl an Verordnungen beruhe darauf, dass 2 Prozent mehr verschreibungspflichtige, „innovative“ Arzneimittel verordnet wurden.

Als Anspielung auf die derzeitige Situation im Gesundheitswesen führte Habs die Medikation bei leichten bis mittelschweren Depressionen an. Würden anstelle eines Johanniskraut-Präparates der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer Sertralin verordnet, so stiegen die Tagestherapiekosten von 36 Cent auf 1,52 Euro. Die Substitution mit einem erstattungsfähigen Arzneimittel berge zudem einen Anstieg von Neben- und Wechselwirkungen. Denn insbesondere Phytopharmaka seien nebenwirkungsarm und gut verträglich.

Würde der Gesetzentwurf dennoch umgesetzt, müsste ein Sozialplan für das Unternehmen gemacht und große Bereiche, wie auch die Forschungsarbeit, stillgelegt werden. Im Gegensatz zu anderen mittelständischen Unternehmen sei Schwabe auf Grund eines hohen Auslandsanteil zwar weniger betroffen. Trotzdem schließt Habs ein juristisches Vorgehen der als streitbar geltenden Firma nicht aus. Da jedoch auch der Barmer-Vorsitzende Dr. Eckart Fiedler sich gegen den Gesetzesvorschlag wendet und weitere Krankenkassen Mehrkosten befürchten könnten, darf die Industrie noch hoffen. Top

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