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Lärm tut nicht weh

23.04.2001
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Lärm tut nicht weh

von Lisa Braun, Berlin

Wenn es am Mittwoch leiser ist als sonst üblich, mag das daran liegen, dass der 25. April zum "Tag gegen den Lärm" erkoren wurde. Zwei gute Gründe nennt der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) dafür, auf das Problem Lautstärke hinzuweisen: Erstens Lärm macht krank, und zweitens ist Lärmschwerhörigkeit unheilbar.

Zum fünften Mal gibt es diesen Mahntag, aber erstmals beteiligt sich die HVBG in einer großangelegten Aktion. "Denn für die Lärmschwerhörigkeit ist die Summe aller Lärmpegel verantwortlich", meint Arbeitsmediziner Dr. Martin Liedtke. Während die beruflich verursachten Schädigungen leicht rückgängig seien, gebe es eine starke Zunahme der Gehörschädigungen durch Freizeitaktivitäten. Trotzdem: Lärmschwerhörigkeit gehört nach Angaben des HVBG noch immer zu den absoluten Spitzenreitern unter den Berufskrankheiten. "1995 waren es noch 8000 Fälle, mittlerweile liegen wir bei 6000 Fälle jährlich", so Liedtke.

Auf die Frage, warum diese Berufskrankheit überhaupt noch existiert, wo doch alle gehörbelastenden Arbeitsplätze mit Schutzmaßnahmen ausgestattet sind, weiß sein Kollege Dr. Nils-Karsten Waga eine kurze Antwort: "Lärm tut nicht weh". Die Zahl der Beschäftigten, die Lärm ausgesetzt sind, beziffern die Berufsgenossenschaften auf rund drei Millionen. Zu den von Schwerhörigkeit betroffenen Branchen gehören vor allem die Metallindustrie (36,9 Prozent) und die Bauindustrie (24 Prozent). Wer mit einem Lärmpegel von 90 Dezibel oder darüber arbeitet muss Gehörschutz tragen.

Damit das Thema auch über die gewerblichen Arbeitsplätze hinaus den Menschen zu Ohren kommt, bieten die Berufsgenossenschaften bundesweit in 52 Arbeitsmedizinischen Zentren, Außenstellen und Untersuchungsmobilen kostenlose Hörtests für alle an. Außerdem ist am Mittwoch in der Zeit von 14 bis 18 Uhr ein kostenloses Beratungstelefon geschaltet (07 00/24 77 37 73). "Die Medizin hat noch keinen Weg gefunden, das geschädigte Gehör zu regenerieren. Versuche an Vögeln, sie mit einem künstlichen Gehör auszustatten, sind bislang alle erfolglos", sagt Waga. Top

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