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Rebscher: Im System steckt genug Geld

21.04.1997
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Rebscher: Im System steckt genug Geld

  Versorgungsmodelle gehen immer zu Lasten Dritter. Dies müsse aber kein gesellschaftlicher Nachteil für den Versicherten sein, sondern könne sogar einen Versorgungsvorteil für ihn bedeuten. Schließlich stecke "genug Geld in diesem System. Aber nicht für die Einkommenserwartungen einzelner Leistungserbringer", meinte der VDAK-Vorsitzende Herbert Rebscher jetzt auf dem 4. Kongreß Gesundheit und Medien in Düsseldorf. Wettbewerb der Krankenkassen könne sich nur dann auf den Versicherten negativ auswirken, wenn dieser aus ökonomischen Gründen eine Risikoselektion befürchten muß.

Völlig ungenügend sind für Franz Knieps, Leiter der verbandspolitischen Planung des AOK-Bundesverbandes, die derzeitigen Strategien für den Umbau des Systems der sozialen Sicherung. "Ich weigere mich, von einer Reform oder Liberalisierung zu sprechen", so Knieps. Das einzig Positive, was er den GKV-Neuordnungsgesetzen abgewinnen kann, sind die Strukturverträge. Nur stellt sich für ihn bereits jetzt die Frage, wie Modelle in die Regelversorgung überführt werden können.

Das GKV-Gerüst kann nach Knieps’ Darstellung nur über eine Flexibilisierung der Vertragsbeziehungen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern, eine Präzisierung des GKV-Leistungskatalogs, eine Sicherung der Finanzierungsgrundlagen und optimierte Organisationsstrukturen erhalten werden. "Vom Staat brauchen wir nichts zu erwarten", so Knieps. Es bleibe bei der Vorfahrt für die Selbstverwaltung. Aber nicht im Seehoferschen Sinn, wonach der Minister auf der Verkehrsinsel steht, alle Ampeln auf Grün schaltet und denen, die einen Unfall bauen, den Führerschein abnimmt.

Zu hohe Distributionskosten bei Arzneimitteln mahnte der Leiter der Abteilung für medizinisch-wissenschaftliche Grundsatzfragen der Barmer Ersatzkasse, Dr. Gerd Glaeske an. Es gebe zu viele Apotheken, die aufgrund schwer zu legitimierender Monopole existierten. Diese müßten ebenso zur Disposition gestellt werden wie die zahllosen Verordnungen mit zweifelhaftem Nutzen und die unterschiedlichen Preis- und Einkaufsgestaltungsmöglichkeiten in der ambulanten und stationären Versorgung. Konzepte für die Zukunft seien Positivlisten, Therapieempfehlungen sowie Qualitätszirkel und andere Feedback-Strategien. Glaeske warnte davor, die Strukturverträge nach § 73 a auf die bestehende "insuffiziente Basis" aufzusetzen. Vielmehr müsse zunächst die Distributionsebene der Arzneimittel durchforstet und deren Wirtschaftlichkeitsreserven genutzt werden, meinte der Kassenvertreter.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, Düsseldorf    

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