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Nicht die schnelle Mark

01.03.2004
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Barmer Service Apotheke

Nicht die schnelle Mark

von Daniel Rücker, Stuttgart

In Baden-Württemberg startet die Barmer Service Apotheke. Barmer-Chef Harald Müller und LAV-Präsident Fritz Becker stellten am vergangenen Montag das Angebot der Öffentlichkeit vor.

Auch in Baden-Württemberg basiert die Vereinbarung zur Barmer Service Apotheke auf dem Rahmenvertrag, den der Deutsche Apothekerverband im vergangenen Herbst mit der Barmer Ersatzkasse geschlossen hat. In der ersten Stufe der Umsetzung bieten die teilnehmenden Apotheken den bei ihnen eingeschriebenen Versicherten fünf Angebote: Medikationsprofil, Check-up-Service, Pharmazeutisches Management für Asthma und COPD-Patienten sowie Boni auf Nicht-Arzneimittel und Arzneimittellieferdienst. Verbandspräsident Becker ist davon überzeugt, dass der Vertrag mit der Barmer zu zwei nachhaltigen Verbesserungen führt: „Er erhöht sowohl die Versorgungsqualität als auch die Wirtschaftlichkeit.“

Becker zeigte sich mit dem Interesse der Apotheken am Konzept überaus zufrieden. Von den rund 2800 Apotheken in Baden-Württemberg seien bereits rund 500 zertifiziert, weitere 1000 hätten sich zudem für die Schulungen angemeldet. Becker erwartet, dass sich bis zum Jahresende rund 80 Prozent der Apotheken im Land beteiligen werden.

Der LAV-Präsident sieht in dem Hausapotheken-Modell den Startschuss zu einer besseren Zusammenarbeit von Apothekern und Barmer. Zu oft betrachteten sich Kassen und Leistungserbringer noch als Kontrahenten, dabei hätten sie mit der optimalen Versorgung der Patienten doch dasselbe Ziel. Gerade in der Prävention sieht er Ansatzpunkte für eine intensive Zusammenarbeit.

Bessere Versorgung

Über die Kooperation mit den Apotheken will die Barmer die Versorgung ihrer Versicherten verbessern. Wenn der Apotheker die Arzneimitteltherapie pharmazeutisch begleite, werde diese effektiver und sicherer, sagte der Landesgeschäftsführer der Barmer Baden-Württemberg, Harald Müller. Weniger im Vordergrund stehen aus seiner Sicht ökonomische Aspekte: „Wir setzen nicht auf die schnelle Mark.“ Sollte die Barmer Service Apotheke zur Kostensenkung beitragen sei dies eher ein erfreulicher Zusatznutzen.

Die von manchen anderen Krankenkassenvertretern verbreitete Euphorie für Internet-Apotheken teilt Müller nicht: „Wer akut erkrankt, kann nicht zwei Tage warten, bis seine Medikamente per Versand eintreffen. Und für viele ältere und chronisch Kranke Versicherte ist der Umgang mit dem Internet immer noch ein Buch mit sieben Siegeln.“ Er sei überzeugt, dass die öffentliche Apotheke durch die Kooperation mit der Barmer ihre Position im Wettbewerb verbessern könne.

Wie Becker sieht auch Müller die Barmer Service Apotheke nur als ersten Schritt der Zusammenarbeit. Bei Prävention und Gesundheitsaufklärung seien gemeinsame Aktionen sinnvoll. Auch bei der Betreuung chronisch Kranker in Disease-Management-Programmen sei eine Mitarbeit der Apotheken sinnvoll.

Zuerst muss sich aber noch erweisen, wie die Barmer Service Apotheke bei den Patienten ankommt. Die direkte Ansprache von Asthmatikern und COPD-Patienten läuft erst seit Beginn des Monats. Müller rechnet jedoch mit einer guten Resonanz. Auch ein Artikel in der Barmer-Mitgliederzeitschrift Ende vergangenen Jahres hätte bei den Versicherten großes Interesse ausgelöst. Top

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