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Krankenkassen erzielten Milliarden-Überschuss

06.03.2000
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-Politik

Krankenkassen erzielten Milliarden-Überschuss

von Dieter Schütz, Berlin

Die gesetzlichen Krankenkassen schreiben schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr haben sie einen Überschuss von knapp einer Milliarde DM erwirtschaftet. Sorgenkind von Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer bleibt jedoch der Arzneimittelbereich: Die Ausgaben für Medikamente sind im Vergleich zum Vorjahr um 8,4 Prozent oder umgerechnet rund drei Milliarden DM gestiegen.

Fischer bezeichnete den Anstieg bei den Arzneimittelkosten als die "mit Abstand problematischste Entwicklung unter allen Ausgabenbereichen". Im Westen belief sich der Zuwachs auf 8,4 Prozent, in Ostdeutschland auf 8,2 Prozent. Das ab Mitte September umgesetzte gemeinsame Aktionsprogramm von Krankenkassen, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Ministerium habe die Fehlentwicklung der ersten drei Quartale nicht mehr entscheidend korrigieren können, räumte Fischer ein.

Die Leistungsausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung sind je Mitglied im Bundesdurchschnitt um rund 2,2 Prozent, die beitragspflichtigen Einnahmen um 1,65 Prozent gestiegen. Fischer geht davon aus, dass der Zuwachs der Leistungsausgaben ohne die Expansion bei den Arzneimitteln deutlich unter der Grundlohnentwicklung geblieben wäre. Als besonders positiv wertet die Ministerin, dass die Ausgabensteigerung im Krankenhaus bundesweit nur 0,1 Prozent betrug. Bei den Heilmittelausgaben gab es bundesweit einen leichten Rückgang um 0,4 Prozent. Bei der vertragsärztlichen Versorgung lag der Anstieg mit einem Plus von 1,2 Prozent im Rahmen der Grundlohnentwicklung.

Den Zuwachs bei den Verwaltungsausgaben in Höhe von 4,9 Prozent führt Fischer vor allem auf die Entwicklung bei den Betriebskrankenkassen (BKK) zurück. In der Vergangenheit haben viele Trägerunternehmen die Personalausgaben ihrer BKK übernommen. Jetzt machten die Arbeitgeber von der Möglichkeit Gebrauch, diese Verwaltungskosten auf die Kasse zu übertragen. Allerdings war auch bei den Ortskrankenkassen und bei den Angestellten-Ersatzkassen der Anstieg der Verwaltungskosten mit bundesweit 3,3 beziehungsweise 3,2 Prozent je Mitglied überdurchschnittlich hoch.

Positiv schlagen sich in der Jahresbilanz der Krankenversicherung vor allem die unerwartet hohen Einnahmen durch Beiträge aus 630-DM-Jobs nieder. Durch ausschließlich geringfügige Beschäftigungsverhältnisse flossen 1999 rund 1,6 Milliarden DM in die Kassen der GKV. Die Beitragssätze blieben mit durchschnittlich bundesweit 13,57 Prozent zum 1. Januar 2000 weitgehend stabil.

"Deutliche Verwerfungen" macht Fischer bei der Risikostruktur der Krankenkassen aus. Die geöffneten Betriebskrankenkassen gewannen bei niedrigen Beitragssätzen extrem viele jüngere Mitglieder hinzu. Bei einer Reihe dieser Kassen liegt der Rentneranteil nach Angaben der Ministerin bei unter drei Prozent. Durch eine Organisationsreform der Krankenversicherung müssten diese Verzerrungen bereinigt werden. Top

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