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Mehr als 100 Fragen

24.01.2005  00:00 Uhr
Pharmacon Davos 2005

Mehr als 100 Fragen

von Hartmut Morck, Davos

Auch in diesem Jahr stellte sich die ABDA-Spitze den Fragen der Pharmacon-Teilnehmer. Doch bevor Heinz-Günter Wolf, Magdalene Linz und Hermann S. Keller die mehr als 100 Fragen beantworteten, erläuterte die ABDA-Geschäftsführung den trilateralen Vertrag zwischen Barmer Ersatzkasse, Apothekern und Hausärzten.

Wie Dr. Christiane Eckert-Lill und Dr. Sebastian Schmitz ausführten, regelt der Integrationsvertrag erstmals die Beziehung zwischen Ärzten und Apothekern auf der Basis des Sozialgesetzbuches V. Die Einschreibung des Patienten erfolgt beim Hausarzt. Mit dem Einschreiberezept geht er dann zur Hausapotheke seiner Wahl. Der Hausapotheker ist nun verpflichtet, eine Patientendatei für ihn anzulegen, die neben den persönlichen Daten auch eine Medikationsdatei enthält. Ziel dieser Dokumentation ist es, Interaktionen, Nebenwirkungen und Fehldosierungen zu finden und diese anschließend mit dem Arzt zu besprechen. Im Gegensatz zu bisherigen Vereinbarungen regele der Integrationsvertrag nicht nur Technisches, sondern er definiere die Qualität der Versorgung des Patienten, erläuterte Schmitz.

Die Referenten sehen in diesem Vertrag eine institutionelle Sicherung der Apotheke, der ortnahen Versorgung und ein Instrument der Kundenbindung. Das individuelle Angebot und die Leistungstransparenz machten den Unterschied zum Versandhandel aus. Christiane Eckert-Lill betonte, dass der Erfolg des Vertrages wesentlich von der Beratungsqualität der Apotheke abhänge. Sie lud ein, im Sinne der Qualitätsoffensive beim Pseudo-Customer-Konzept mitzumachen.

Historischer Paradigmenwechsel

Natürlich wurden in den von den Publikumsanwälten Dr. Ulrich Krötsch und Dr. Herbert Roos gesammelten Fragen auch Bedenken zu dem Vertrag geäußert. ABDA-Präsident Wolf stellte aber als großen Vorteil des zeitlich nicht begrenzten Vertrages heraus, dass erstmals die Pharmazie Einzug in einen Kassenvertrag gehalten habe. Das sei ein historischer Paradigmenwechsel. Der Apotheker sei vom Hersteller zum „Kümmerer“ geworden.

Natürlich wurde auch die Frage aufgeworfen, was mit den Patienten geschehe, die willkürlich den Arzt oder die Apotheke wechseln. Die Antwort war klar, sie werden ausgeschlossen. Einige sehen in dem Vertrag Dirigismus. Dem steht allerdings die Freiwilligkeit entgegen. Nachdem sich schon mehr 10 000 Hausärzte für das Konzept angemeldet haben, rechnen die Verantwortlichen mit rund 1,4 Millionen Patienten. Man war sich darüber einig, dass eine effektive Betreuung nur bei chronisch Kranken, also Stammkunden, möglich sei. Der Erfolg sei nur dann garantiert, wenn es nicht bei der Einschreibung bleibe, sondern es auch zu der Betreuung komme.

Arzneimittel-Importe waren auch in diesem Jahr ein Thema, zumal sie häufig nicht ausreichend verfügbar sind. Der Rat des Podiums: Auf dem Rezept die Nichtverfügbarkeit dokumentieren und das Original abgeben. Man habe mit den Kassen vereinbart, dass dann nicht mehr retaxiert werden wird. Außerdem könnten Boni verrechnet werden.

Zweifelhaftes Geschäftsgebaren

Natürlich stand auch das Thema Versandhandel auf dem Fragenkatalog, insbesondere vor dem Hintergrund der Aktivitäten des Versandhändlers „Zur Rose“ in Halle, über dessen Werbemethode sich die betroffenen Hallenser Apotheker beschwerten und Gegenmaßnahmen forderten. Auf dem Podium wurde die Rechtmäßigkeit der Genehmigung bezweifelt. Konkret könne man allerdings nicht werden, weil die Einsicht in die Verträge von der Aufsichtsbehörde verweigert werde. Rabattangebote für verschreibungspflichtige Arzneimittel, die von dem durch schweizerische Ärzte gegründeten Versandhandel gemacht würden, verstoßen auf jeden Fall gegen das Gesetz. Auch Zuweisungen durch Ärzte seien nicht rechtmäßig. Verträge einzelner Kassen mit „Zur Rose“ seien allerdings nach dem GMG legal. Wolf kommentiert: „Durch die Zulassung des Versandhandels im GMG ist in der Tat die Luft für die Apotheken dünner geworden.“

Diskutiert wurden auch die Bemühungen interessierter Kreise, die Apothekenpflicht für OTC-Arzneimittel aufzuheben. Die BAK-Präsidentin Linz vertrat die Meinung, dass die Apotheker nur dann das Monopol für die apothekenpflichtigen Arzneimittel behalten werden, wenn sie belegen können, dass es der Arzneimittelsicherheit diene. Auch die Freigabe des Fremdbesitzes und der damit verbundene Verlust der Freiberuflichkeit könne nur verhindert werden, wenn die Apotheker beweisen, dass sie besser sind als Ketten und die Freiberuflichkeit ein Garant für Arzneimittelsicherheit und Qualität ist.

Preisdumping widerspricht laut Linz der Qualitätsorientierung. Deshalb empfahl sie den Kollegen eine verantwortungsbewusste Preisgestaltung. Wolf ergänzte, wenn die Politik Preiswettbewerb wolle, dann sollte er dort stattfinden, wo die Preise gemacht würden, nämlich bei den Herstellern. Deshalb begrüße er Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern, nach §130 a SGB V.

Verhandlungen mit den Kassen

Natürlich war auch der Vergütungsausgleich nach §130 SGB V Inhalt einer Frage. Kellers Antwort: Den aus dem GMG abzuleitenden Anspruch auf Rabattkürzung werde der DAV mit den Krankenkassen nach Vorliegen der endgültigen Zahlen verantwortungsvoll verhandeln. Keller: „Wir werden mit einem Paket in die Verhandlungen gehen. Darin wird auch die Aut-idem-Regelung sein.

Die Forderung nach einer professionelleren Öffentlichkeitsarbeit fehlte auch in diesem Jahr nicht. DAV-Vorsitzender Keller betonte, dass mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht großflächig in den führenden Zeitschriften und im Fernsehen für den Berufsstand geworben werden könne. Die Mittel müssten so eingesetzt werden, dass eine flächendeckende Präsenz gewährleistet sei.

Er betonte, dass die tägliche Arbeit in der Apotheke ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit sei. Es nütze wenig, wenn die Apotheke in den Medien zwar positiv dargestellt werde, in der nächsten Apotheke aber schlecht beraten würde. Linz ergänzte: „Wir sehen in der Beratung Verbesserungsbedarf und werden alles tun, dass die Beratung besser wird. Wenn Qualität flächendeckend nachgewiesen und dokumentiert werden kann, dann brauchen wir uns vor schlechten Ergebnissen nicht mehr zu fürchten.“

Den Abschluss der Diskussion bildeten Einzelfragen, wie nach den Preisen für Hilfsmittel und Rezepturen, nach dem Beginn des Elektronischen Rezeptes, das 2006 regional begrenzt ausprobiert werden soll und wahrscheinlich erst in einigen Jahren allen Versicherten zur Verfügung stehen wird, sowie nach der Wiederverwendung von Altarzneimitteln. Hier war die Meinung am Podium, dass politisch die Frage „Vermeidung von Arzneimittelmüll“ angegangen werden muss mit der Initiative „bedarfsgerechte Versorgung durch die Apotheke“.

Auch das Thema der Vertretung der Angestellten in der Bundesorganisation wurde angesprochen. Die BAK-Präsidentin widersprach vehement der Behauptung , dass die Angestellten nicht ausreichend vertreten seien. Top

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