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Facelifting bei Kassenärzten

03.01.2005  00:00 Uhr

Facelifting bei Kassenärzten

von Thomas Bellartz, Berlin

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat sich nach einer grundlegenden inneren Reform nun auch personell neu aufgestellt. Der bisherige Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Köhler wurde kurz vor Weihnachten zum neuen Ersten Vorsitzenden gewählt.

Köhler folgt damit ab Februar dem bisherigen KBV-Vorsitzenden Dr. Manfred Richter-Reichhelm im Amt. 59 der nur noch 60 Mitglieder der neu gewählten Vertreterversammlung stimmten für Köhler. Zweiter Vorsitzender und damit Seite an Seite mit Köhler innerhalb der neuen KBV-Doppelspitze ist Dr. Ulrich Weigeldt, der die hausärztliche Seite vertreten soll. Weigeldt ist Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes und maßgeblich am Integrationsvertrag beteiligt.

Bis Anfang Februar werden die neu gewählten Vorsitzenden ihre Ämter kommissarisch ausüben und dann hauptamtlich tätig sein. Dies ist eine der lange vorbereiteten, zentralen Weichenstellungen der KBV, die sich deutlich professioneller aufstellen wollte. Bislang waren die KBV-Vorsitzenden, zuletzt Richter-Reichhelm mit seinem Stellvertreter Leonhard Hansen, ehrenamtlich tätig. Weigeldt wird sein Amt als Hausärzte-Vorsitzender aufgeben. Köhler, der Medizin und Betriebswirtschaft studierte, ist bereits seit zehn Jahren in verantwortlichen Positionen für die KBV tätig.

Im Vorfeld der Vertreterversammlung war es zu erheblichen Spannungen um Köhler gekommen. Der bisherige Hauptgeschäftsführer und Nachfolger von Dr. Rainer Hess, wollte angeblich in die Dienste der AOK wechseln. Richter-Reichhelm und Hansen wussten dies zu verhindern.

In seinem Rechenschaftsbericht zog Richter-Reichhelm ein positives Fazit seiner Tätigkeit. Er machte deutlich, dass es keine Schande sei, öffentlich als „Blockierer" gebrandmarkt zu werden, wenn dies gleichzeitig bedeute, sich für die Interessen der Ärztinnen und Ärzte einzusetzen. Ähnlich wie derzeit in anderen Berufsgruppen des Gesundheitswesens rückte auch bei der KBV eine ausführliche Debatte um die Qualität der Versorgung und die Leistung der Mediziner in den Mittelpunkt. Richter-Reichhelm: „Qualität ist eine nie endende Aufgabe."

Am Rande der Vertreterversammlung gab es kritische Stimmen zur Wahl Weigeldts. Hintergrund waren die nach Ansicht einiger Verbandsvorsitzenden unabgestimmte Vorgehensweise der Hausärzte bei der Gestaltung neuer Verträge. Richter-Reichhelm hatte den Hausarztchef zwar nicht direkt angesprochen, aber davor gewarnt, dass sich die Regierung der „inneren Zerrissenheit" bediene, wo sie könne. Top

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