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Verwaltung der Kassen ist teurer als gedacht

03.01.2000  00:00 Uhr

-Politik

Verwaltung der Kassen ist
teurer als gedacht

von Dieter Schütz, Berlin

Der gesamte Verwaltungsaufwand für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) lag 1997 weit höher als in den offiziellen Statistiken ausgewiesen. Er verschlingt im Jahr mindestens 26,1 Milliarden DM. Der Anteil der tatsächlichen Verwaltungskosten an den GKV-Ausgaben belief sich somit auf 10,7 Prozent.

Zu diesem Ergebnis kommen Professor Dr. Fritz Beske und Axel Olaf Kern vom Kieler Institut für Gesundheits-System-Forschung, die mit ihrer Studie einen aktuellen Beitrag zur Debatte über Verwaltungskosten in der GKV liefern. Insgesamt ziehen die beiden Wissenschaftler eine positive Bilanz: Die GKV in Deutschland scheint mit ihrem "Non-Profit-Modell" kostengünstiger verwaltet zu werden als die Managed-Care-Organisationen in den USA. Dort liegen die Verwaltungskosten bei 20 Prozent und mehr.

Das Ergebnis überrascht, weil Beske und Kern in ihrer Studie einen breiten Ansatz verfolgen: Sie untersuchen nicht nur die direkten Verwaltungskosten bei den gesetzlichen Krankenkassen, sondern berücksichtigen darüber hinaus auch die indirekten Verwaltungsausgaben, die bei Arbeitgebern, Apothekern, Ärzten, Krankenhäusern und Aufsichtsbehörden für die GKV anfallen. Das Bundesgesundheitsministerium gibt in seinen offiziellen Berichten dagegen nur die direkten Verwaltungskosten der Kassen an, die sich 1997 auf 13,3 Milliarden DM oder umgerechnet 5,4 Prozent der Ausgaben beliefen.

1997 lagen die durchschnittlichen Verwaltungskosten der Krankenkassen laut Studie bei 248 DM pro Mitglied. In der landwirtschaftlichen Krankenkasse waren sie mit 300 DM am höchsten, bei den Betriebskrankenkassen (BKK) mit 116 DM am niedrigsten. Die tatsächlichen Kosten bei den BKKen sind aber höher, weil nur die Hälfte der Betriebskrankenkassen ihre Personalkosten selbst tragen muss. Deshalb veranschlagt die Studie bei den BKK zusätzliche Verwaltungskosten als "Arbeitgebersubvention" in Höhe von 803,3 Millionen DM. Die direkten Verwaltungsausgaben in der GKV betrugen 1997 demnach 14,1 Milliarden DM oder umgerechnet 5,8 Prozent.

Bei Apotheken werden für die Erstellung der Rechnung an die Krankenkassen von den Abrechnungsstellen 0,3 Prozent des Nettoumsatzes berechnet. Zum Nettoumsatz zählen auch Zuzahlungen des Patienten und der Kassenrabatt in Höhe von fünf Prozent. Für 1997 geht die Studie bei Apotheken von Verwaltungskosten für die Abrechnungserstellung von insgesamt 114 Millionen DM aus.

Als Personalkosten, die für die GKV entstehen, wurden vier Apothekerstunden im Monat mit je 60 DM angesetzt. Bei 21.912 Apotheken im Jahr 1997 ergeben sich daraus Kosten von 63 Millionen DM. Für EDV wurden weitere 80 Millionen DM berechnet. Insgesamt beziffert die Studie die Verwaltungskosten für die GKV bei den Apotheken auf 257 Millionen DM.

Für die Ab- und Anmeldung von Mitarbeitern bei der Sozialversicherung fallen bei den Arbeitgebern pro Jahr für die Krankenversicherung insgesamt rund 5,5 Milliarden DM an indirekten Verwaltungskosten an. In den Krankenhäusern müssen Kostenzusagen eingeholt und Aufnahmemitteilungen an die Kassen erteilt werden. Der Verwaltungsaufwand in den Kliniken für die GKV wird auf 306 Millionen DM beziffert. Die Verwaltungskosten bei den niedergelassenen Vertragsärzten werden mit 2,412 Milliarden DM, bei den Vertragszahnärzten mit 2,4 Milliarden DM angegeben. Top

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