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Die Diskussion geht weiter

24.09.2001
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PREISSPANNEN

Die Diskussion geht weiter

von Daniel Rücker, Hamburg

Vertreter der Krankenkassen könnten mit einer Änderung der Arzneimittelpreisverordnung offenbar gut leben. Bei einer Euroforum-Veranstaltung signalisierte auch der Vorsitzende des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK), Wolfgang Schmeinck, seine Sympathie für eine solche Regelung.

In der Diskussion ist sind geringere Preisspannen für teure Arzneimitteln gekürzt und eine Kompensation für die Apotheker über höhere Spannen im niedrigpreisigen Bereich. Aus Sicht des BKK-Vorsitzenden hätte die so genannte Drehung zwei Vorteile. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) würde entlastet, weil der Preis von teuren Arzneimitteln, die in der Regel verordnet werden, sinkt. Dabei stört es die Kassen nicht, dass gleichzeitig OTC-Präparate teurer würden.

Der zweite positive Effekt sei das Ende der Rosinenpickerei durch Versandhändler, so Schmeinck. Diese nutzen die absolut hohen Vertriebsspannen teurer Produkte aus. Der BKK-Chef sieht darin kein Geschäftsmodell, dass der Arzneimittelversorgung in Deutschland dient, obwohl er grundsätzlich die Einführung des Versandhandels nicht ablehnt. "Ein Versandhandel, der nur deshalb existiert, weil er die Mischkalkulation in der Arzneimittelpreisverordnung ausnutzt, ist überflüssig." Schmeinck betonte aber auch, dass eine Drehung nur sinnvoll sei, wenn die pharmazeutische Industrie nicht über Preiserhöhungen den alten Apothekenabgabepreis wieder herstelle.

Der Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, Karl-Rudolf Mattenklotz, befürwortet dieses Konzept ebenfalls. Dies würde nicht nur den Versandhändlern das Leben erschweren, sondern auch andere Verwerfungen im System beseitigen. Nach seinen Informationen gibt es im Kammerbereich Nordrhein einige Apotheken, in denen außergewöhnlich viele hochpreisige Rezepte eingelöst werden. Hier liege der Verdacht unerlaubter Rezeptzuweisungen nah. Leidtragende seien die Apotheken, die nur noch Rezepte mit unprofitablen preiswerten Arzneimitteln beliefern können. Immerhin 60 Prozent der Arzneimittel können nach Aussage von Mattenklotz nicht kostendeckend von den Apotheken distribuiert werden.
Die forschende Industrie unterstützt diese Forderung nach einer Weiterentwicklung der Preisverordnung ebenfalls. Erich Dambacher, Aventis, bezeichnete sie als dringend notwendig. Allerdings sieht er ein Problem, wenn die Krankenkassen auf eine baldige Festbetragsanpassung bestehen. Der Hintergrund: Festbeträge legen den Höchstbetrag für die Erstattung der Krankenkassen fest. Sie beziehen sich also auf den Apothekenverkaufspreis. Laut Gesetz sind Anpassungen nur einmal im Jahr möglich. Wenn die Preisspannen erst nach einer Absenkung geändert würden, könnten die Festbeträge erst in zwölf Monaten an das neue Preisniveau angepasst werden.

Schmeinck lies keinen Zweifel daran, dass ihm die baldige Absenkung der Festbeträge wichtiger sei, als eine schnelle Änderung der Arzneimittelpreisverordnung. Da hierbei die Ergebnisneutralität über mehrere Jahre sichergestellt werden müsse, sei ein Schnellschuss ohnehin falsch
Langfristig unterstützt der Kassenfunktionär auch die Forderung der Apotheker nach einer Aut-idem-Erlaubnis. "Es wäre gut, wenn die Apotheker endlich einmal das tun dürften, wozu sie ausgebildet wurden," sagte Schmeinck. Die Sorgen der Ärzte teilt er nicht. "Es gibt kein Indiz, dass Ärzte dies besser können all Apotheker." Allerdings müsste dann die Arzneimittelpreisverordnung stärker mit Festzuschlägen arbeiten. "Aut-idem bringt nichts, wenn die Apotheker dazu gezwungen wären gegen ihre eigenen ökonomischen Interessen zu beraten." Top

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