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Schaich-Walch

Reform trifft Apotheker hart

04.08.2003
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Schaich-Walch: Reform trifft Apotheker hart

von Daniel Rücker, Frankfurt am Main

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Gudrun Schaich-Walch, hat Vorwürfe zurückgewiesen, die Gesundheitsreform werde vor allem die Patienten belasten. Auch die Leistungserbringer würden hart getroffen, sagte sie auf einer Veranstaltung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen in Frankfurt am Main.

Bei der Ausgestaltung der Eckpunkte hätten Regierung und Opposition Patienten und Leistungserbringer gleichermaßen zur Verantwortung gezogen, sagte Schaich-Walch. Bei der Bewertung der anstehenden Gesundheitsreform müssten auch die Belastungen durch das Beitragssatzsicherungsgesetz einbezogen werden. Schaich-Walch räumte ein, dass von den Leistungserbringern die Apotheker wohl mit am härtesten getroffen würden. Wie der pharmazeutische Großhandel hätten sie im Gegensatz zu den Ärzten mit dem Beitragssatzsicherungsgesetz nicht nur eine Nullrunde, sondern sogar deutliche Verluste zu verkraften.

Die SPD-Fraktions-Vize weiß auch, dass die in den Eckpunkten geplante Liberalisierung des Arzneimittelmarktes die Apotheken massiv treffen wird. Den Ertragsverlust wollte sie allerdings nicht quantifizieren. Es sei heute noch nicht absehbar, um welchen Prozentsatz die Arzneimittelkosten sinken werden, wenn Versandhandel und Apothekenketten erlaubt würden.

Ärzte sparen mit Kritik

Offensichtlich nicht unzufrieden mit den Reform-Eckpunkten ist der stellvertretende KV-Vorsitzende Dr. Horst Rebscher-Seitz. Im Vergleich zum Entwurf für das Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz (GMG) konnte er in dem Konsenspapier von Regierung und Opposition deutliche Verbesserungen erkennen. In den Eckpunkten sei eine Reihe der Forderungen aus der Ärzteschaft berücksichtigt worden, stellte er fest. So bleibe die flächendeckende haus- und fachärztliche Versorgung erhalten. Und auch die KVen haben weiterhin ihre Existenzberechtigung. Den Sicherstellungsauftrag teilen sie sich in Zukunft mit den Krankenkassen. Der geforderten Umstrukturierung der KVen werde man sich in Hessen stellen. Vor einem fairen Wettbewerb um die beste Versorgung hätten die Ärzten in Hessen keine Angst. Qualitätswettbewerb sei für sie eine Selbstverständlichkeit.

Bei so viel Harmonie rückte der eigentliche Anlass der Veranstaltung in den Hintergrund. Im April, als Hessens Ärzten noch das GMG drohte, hatten sie in den Wartezimmern von ihren Patienten eine Unterschrift für eine sinnvolle Gesundheitsreform erbeten. 150.000 Patientinnen und Patienten erfüllten den Wunsch. Rebscher-Seitz zeigte sich über die Zahl erfreut, betonte aber auch, dass die Botschaft der Wartezimmerkampagne von der Zeit überholt worden sei. In den Eckpunkten fänden sich zahlreiche Forderungen der Ärzteschaft wieder. Die Unterschriften seien deshalb als Mahnung zu betrachten.

Ganz ungeschoren kam Schaich-Walch dann doch nicht davon. Wie die Apotheker fürchten sich auch die niedergelassenen Ärzte vor einer stärkeren Beteiligung der Krankenhäuser an der ambulanten Versorgung. Hier entstehe ein ungleicher Wettbewerb, kritisierte Rebscher Seitz. Skeptisch sieht er auch die geplante Einführung einer Patientenquittung und die Praxisgebühr. Top

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