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Harmonisierung der Studienordnungen

05.07.2004  00:00 Uhr
Lesmüller-Vorlesung

Harmonisierung der Studienordnungen

von Hartmut Morck, Erlangen

Zum siebten Mal hatte die Dr. August und Dr. Anni Lesmüller-Stiftung zur Lesmüller-Vorlesung eingeladen. In diesem Jahr fand die Vorlesung am 1. Juli 2004 in Erlangen statt und hatte das Thema „Hochschulstandort Deutschland Pharmazie“. In einer von Christine Burtscheidt (Süddeutsche Zeitung) moderierten Podiumsdiskussion diskutierten Vertreter der Hochschule, der Fachgesellschaften, des Berufstandes und des Gesetzgebers die Auswirkungen des Bologna-Prozesses auf die Pharmazie und das Berufsbild des Apothekers.

Dr. Hermann Vogel, Vorsitzender des Stiftungsrates und Ehrenpräsident der Bayerischen Landesapothekerkammer, konnte einen vollen Hörsaal in Erlangen begrüßen. Vogel dankte der Oberstudiendirektorin a. D. Dr. Anni Lesmüller für die Errichtung der Stiftung im Jahre 1997, mit der das Vermächtnis ihres Mannes, des Apothekers Dr. August Lesmüller, erfüllt worden sei. Die Stiftung sei eine bedeutsame und zukunftsgerichtete Tat für die Pharmazie. Ihre Bedeutung steige gerade in Zeiten des Geldmangels an den Hochschule . Der Bologna-Prozess habe mit dem Ziel, einen europäischen Hochschulraum zu schaffen, einen revolutionären Ansatz. Jeder Berufsstand sei gut beraten, führzeitig und gründlich die Auswirkungen des Prozesses auf sich zu untersuchen. Die Lesmüller-Vorlesung 2004 sollte dazu beitragen.

Für Ministerialdirigent Dr. Birger Hendriks als Vertreter der Kultusministerkonferenz, der den Bologna-Prozess begleitet, ist das Programm der Erklärung die größte Universitätsreform nach Humboldt. Europa soll mit dieser Reform ein Europa der Kultur werden. Hochschulen sollen unter Erhalt einer Autonomie stärker vernetzt werden. Studenten und Hochschullehrer bekommen eine größere Mobilität und Flexibilität. Das lasse sich jedoch nur mit harmonisierten Studiengängen verwirklichen. Dem Bologna- Prozess liege die Entwicklung gestufter Studienformen zugrunde. Für Deutschland sind Bachelor- und Master-Studiengänge vorgesehen. Die Abschlüsse sollen gegenseitig anerkannt werden. Mindeststandards würden für eine ausreichende Qualitätssicherung sorgen. Für Hendriks ist die Pharmazie ein Solitärfach, das zu wenig mit anderen Fächern vernetzt, zu unflexibel, zu wenig international sei. Die Mobilität der Studenten schränke dies erheblich ein.

Die Professoren Peter Gmeiner, Erlangen, Theo Dingermann, Frankfurt, und DPhG-Präsidentin Ulrike Holzgrabe, Würzburg, können sich durchaus vorstellen, dass Bachelor- und Master-Studiengänge für das Fach Pharmazie eingeführt werden. Voraussetzung sei eine gute Planung, wobei die DPhG- Präsidentin vor einem Auseinanderdriften der Ausbildung warnte. Dieser Prozess dürfe nicht dazu führen, dass zu wenig Apotheker zur Approbation gebracht würden.

In dieselbe Richtung argumentierte auch Johannes M. Metzger, Präsident der Bundesapothekerkammer. Aus seiner Sicht kann das Staatsexamen nicht ersetzt werden, da der Staat die Pflicht habe, in bestimmten Berufen, dazu gehörten auch die Apotheker, Vorgaben zu machen. Er habe Sorge, dass mit dem Bachelor-Abschluss ein „Schmalspur-Apotheker“ geschaffen und damit Konkurrenz zur PTA aufgebaut würde. Wettbewerb führe nach Metzgers Meinung nicht unbedingt zu einer höheren Qualität. Im Sinne von Gesellschaft und Patienten müsse dies im Fach Pharmazie aber angestrebt werden.. Metzger kann sich vorstellen, einen Teil der Ausbildung in die Verantwortung der Hochschule zu geben: „Es müssen nicht unbedingt drei Staatsexamina sei. Vielleicht reicht auch eines.“ Metzger spricht sich für den Erhalt der Approbationsfähigkeit für alle Pharmaziestudenten aus. Zurzeit produziere man eher zu wenig Apotheker als zu viel. Da müsse die Hochschule auch ihre Verantwortung erkennen. Gmeiner konstatierte, Hochschulautonomie bedeute nicht, dass sich die Universitäten ihrer Verantwortung nicht bewusst seien. Qualitätsbewusstsein, bedeute auch, die Approbation auf Zeit zu vergeben, zum Beispiel auf fünf Jahre. Die Verlängerung solle davon abhängen, ob sich der Apotheker weiter- oder fortgebildet hat.

Professor Dr. Gerd Folkers von der ETH Zürich berichtete, dass seine Universität im Oktober der Bachelor- und Master-Ausbildung beginnen werde. Er betonte, dass der Bachelor- Abschluss nicht berufsqualifizierend sei und der Apotheker mit der Lizenz für eine Apotheke seinen Master machen und außerdem eine Art Staatsprüfung ablegen müsse. Die Bologna-Kriterien sind nach seiner Meinung nicht linear übertragbar. Hendriks stimmte Folkers zu, dass der Apotheker den Master-Abschluss brauche. Folkers ging auch auf die Bedeutung der Hochschul-Autonomie ein. Sie bedeute für ihn, erkannte Fehler umgehend zu korrigieren. Er sieht den neuen Gestaltungsprozess in der zweistufigen Ausbildung positiv. Er öffne das Fach Pharmazie für andere Disziplinen, was gesetzlich fixierte Approbationsordnungen nicht erlauben.

Dr. Gerd Schorn, Ministerialrat im Bundesgesundheitsministerium und dort zuständig für die Ausbildung der Apotheker, begrüßt zwar den Bologna- Prozess. Bevor man aber Bachelor- und Master-Studiengänge einführe, sollte man das augenblickliche System, was immerhin in einer EU-Richtlinie festgeschrieben sei und für Harmonisierung und für gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse sorge, analysieren, um Defizite sichtbar zu machen. Diese ließen sich auch im vorhandenen System ausgleichen. Für Schorn stellt sich auch die Frage, ob ein Harmonisierung über die EU hinaus sinnvoll sei. Nach Meinung Schorns ist Bologna nicht das, was für Apotheker gebraucht wird.

Die Diskussion zeigte allerdings, dass in der EU die Studieninhalte noch nicht vollständig aufeinander abgestimmt seien, was die Voraussetzung für einen funktionierenden Studentenaustausch sei. Vertreter der Studentenschaft äußerten den Verdach, die Unterstützung der Industrie für den Bachelor-Abschluss sei im Wunsch nach billigeren Arbeitskräften begründet.

Am Ende der fast dreistündigen Diskussion waren sich die Diskutanten einig, dass die Bachelor-/Master-Studiengänge auch für das Fach Pharmazie kommen werden. Die Umsetzung sei allerdings schwierig, deshalb sei die frühe Diskussion zu begrüßen. Auch die Approbationsordnung habe ihre Schwächen, deshalb müsse die pharmazeutische Ausbildung erneuert werden. Vorteile beider Systeme könnten kombiniert werden, mehr Durchlässigkeit und mehr Flexibilität geschaffen werden. Dabei müsse aber der Qualitätsanspruch erhalten bleiben. Top

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