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Nein zur Positivliste

25.06.2001  00:00 Uhr

BPI-HAUPTVERSAMMLUNG

Nein zur Positivliste

von Siegfried Löffler, Berlin

Der BPI bleibt bei seinem Nein zur Positivliste. Er hält auch nichts von der Erarbeitung einer Vorschlagsliste zur Positivliste, die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Verbandes in Berlin als Einstieg in eine Qualitätsdebatte mit der pharmazeutischen Industrie angeboten worden war.

Während der Hauptversammlung forderte der BPI die Ministerin auf, "die Veröffentlichung einer Vorschlagsliste zu unterbinden und generell die Arbeiten an einer Positivliste einzustellen". Die Positivliste werde eine "unverantwortliche Beschränkung medikamentöser Therapien bewirken und keinerlei Wirtschaftlichkeitseffekte erzielen".

BPI-Ehrenvorsitzender Professor Dr. Hans Rüdiger Vogel, der 19 Jahre lang die Geschicke des Verbandes leitete, findet seine steten Warnungen vor diesem ungeeigneten Kostendämpfungsinstrument bestätigt. Während einer Podiumsdiskussion sagte Ex-Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) voraus, dass die von der rot-grünen Bundesregierung neu geplante Positivliste ("wandelnde Beruhigungspille") in spätestens zwei Jahren "geschreddert wird".

Auch im "Jahr eins nach Vogel" hat sich am Schwerpunktkatalog des BPI nichts geändert: Ablehnung von Positivliste und Festbeträgen, Forderung einer prozentualen Zuzahlung (15 Prozent mit Obergrenze und Härtefallregelung) anstelle der bisherigen untauglichen Modelle. Das Budgetablösungsgesetz wird vom BPI begrüßt, Hauptgeschäftsführer Dr. Hans Sendler hält es aber für falsch, "neue Kartelle zu bilden". Im Blick auf eine Ausdehnung der Funktion der Krankenhausapotheken ("das stellt die bisherige Preispolitik in Frage") warnte Sendler vor der Gefahr von Verträgen "zu Lasten Dritter, sowohl der Apotheker als auch der pharmazeutischen Industrie". Übereinstimmung mit der ABDA gibt es auch bei der Forderung nach Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel von 16 auf 7 Prozent.

Komplimente und Betrübnis

Der BPI fühlt sich durch eine repräsentative Bevölkerungsbefragung in seiner Ansicht bestätigt, dass eine Positivliste zu einer unzureichenden Behandlung der Patienten führen und den Trend zur Zwei-Klassen-Medizin verstärken würde. 78 Prozent der Befragten sind dieser Meinung. Während über 96 Prozent wollen, dass der Arzt in eigener Verantwortung entscheidet, welches Arzneimittel am besten geeignet ist, sprechen 84 Prozent einem zentralen staatlichen Expertengremium beziehungsweise Institut die Fähigkeit ab, eine Arzneimittelliste zu erstellen. Bei aller Genugtuung über die Komplimente für die Qualität der deutschen Arzneimittel betrübt es die BPI-Verantwortlichen, dass nur 19,3 Prozent der Bevölkerung eine positive Meinung über diesen Industriezweig haben. In den 70er Jahren waren das noch zwei Drittel, zehn Jahre später immerhin noch gut die Hälfte. Mehr als 60 Prozent halten die Medikamente für zu teuer und glauben, dass Arzneimittel die wesentlichen Kostentreiber im Gesundheitswesen darstellen. Aus der Sicht von BPI-Chef Dr. Bernd Wegener hat "die Propaganda der Krankenkassen viel Unheil angerichtet" und dazu beigetragen, dass die Pharmaindustrie zum "Prügelknaben der Nation" wurde.

Der BPI will das Imageproblem nicht verdrängen. In der Absicht, dem wachsenden Informationsbedürfnis der Bevölkerung künftig besser gerecht zu werden, fühlt er sich aber dadurch behindert, dass das deutsche Heilmittelwerbegesetz der Pharmaindustrie eine umfassende Information von Ärzten und Patienten verbietet. Der BPI setzt sich deshalb "im Sinne der mündigen Patienten" für eine Reform des Heilmittelwerbegesetzes ein.

Die jüngste ABDA-Forderung nach Aufhebung des Aut-idem-Verbots findet beim BPI keine Unterstützung. BPI-Vorsitzender Dr. Wegener: "Wir halten gar nichts davon!" Nach seiner Ansicht muss es bei der Dreiteilung der Funktionen bleiben: Die Pharmahersteller seien für Herstellung, Qualität und Information über die Arzneimittel, die Ärzte für die konkrete Verschreibung und begleitende Kommunikation, die Apotheker für die flächendeckende Versorgung und Beratung der Bevölkerung verantwortlich. Gegenüber der PZ verwies Wegener auf "eine Reihe von Umgehungstatbeständen im Sinne einer Verletzung des Aut-idem-Verbots durch einige Apotheker" und stellte fest: "Die Entscheidung der Ärzte kann nicht durch die Apotheker ersetzt werden, da im Falle von durch die Arzneimittelverordnung entstehenden iatrogenen Wirkungen Arzt und Hersteller haften." Top

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