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Politik2

03.03.1997  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Kirchen warnen vor Entsolidarisierung


Die evangelischen und katholischen Bischöfe haben davor gewarnt, durch Reformen im Gesundheitswesen einer Entsolidarisierung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Vorschub zu leisten und Einkommensschwache in unvertretbarer Weise zu benachteiligen.

Würden allzu rigide Kostenbegrenzungen verwirklicht, "werden die gesamtgesellschaftlichen Folgekosten wesentlich höher sein als die kurzfristig erzielten Spareffekte, und der gesetzlich verankerte Vorrang von Prävention, Rehabilitation und ambulanter vor stationärer Hilfe würde gefährdet", heißt es im gemeinsamen Wort der beiden großen Konfessionen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland.

Die Oberhirten der deutschen Christen mahnen gegenüber dem Gesetzgeber aber auch an, Kostendämpfungsmaßnahmen im Gesundheitswesen ausgewogen auf die Leistungserbringer zu verteilen. Sparbeschlüsse des Gesetzgebers dürften zudem nicht die Vielfalt der Leistungserbringer und der Einrichtungsträger gefährden.

Trotz aller Sparzwänge müsse auch in Zukunft eine vollwertige medizinische Versorgung für jeden sowie ein freier, von der Einkommenssituation unabhängiger Zugang aller zur Gesundbeitsfürsorge gewährleistet sein. Die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens und die Versorgung auf einem hohen medizinischen und pflegerischen Niveau dürften nicht preisgegeben werden. Solidarität und Gerechtigkeit im System seien zu wahren.

Ausgabenbegrenzungen im Gesundheitswesen dürften nicht dazu führen, Medizin und Pflege auf "technische Vollzüge" zu reduzieren, menschliche Zuwendung und Patientennähe seien unentbehrliche Kennzeichen einer humanen Gesundheitsversorgung. Bereits das geltende Recht der gesetzlichen Krankenversicherung sehe Eigenbeteiligung und Zuzahlungen vor. Damit seien zwar zusätzliche Beitragssatzerhöhungen abgewendet worden, doch habe diese Entwicklung die Patienten belastet.

Lesen Sie dazu bitte auch das Editorial dieser Ausgabe.

PZ-Artikel von Hans-Bernhard Henkel, Bonn

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