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Die neue Rolle des Sozialverbands VdK

21.02.2005
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Senioren

Die neue Rolle des Sozialverbands VdK

von Siegfried Löffler, München

Der Sozialverband VdK zählt in Deutschland 1,4 Millionen Mitglieder. Er hat eine Marktlücke bei der effektiven Betreuung von sozial Schwachen entdeckt. Ein wichtiges Klientel sind die Rentner.

Die Lücke soll von Bayern aus geschlossen werden. Während eines zweitägigen Diskussionsforums zum Thema »Reformangriff auf das Sozialmodell Deutschland« präsentierte sich der VdK als »Lobby der Reformopfer«. Da dazu auch die Rentner gehören, will der Sozialverband selbstverständlich auch als »Lobby der Rentner« verstanden werden.

Aus der Sicht des VdK wird sich der an Mitgliederschwund leidende DGB »allmählich als Sozialverband« verabschieden. Beim VdK ist die gegenläufige Tendenz zu beobachten. Wie Landesgeschäftsführer Albrecht Engel feststellte, ist der VdK Bayern mit 490.000 Mitgliedern »die größte Selbsthilfeorganisation für Sozialversicherte, ältere Arbeitnehmer und Patienten, für Rentner, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderung«. Dafür spreche unter anderem ein Mitgliederzuwachs von 45.000 im letzten Jahr. Seit 1995 hat der Verband insgesamt 160.000 neue Mitglieder gewonnen. Nach Engels Überzeugung gibt es für diesen anhaltenden Zustrom eine einfache Begründung: »Diese Bürger betrachten uns als eines der letzten Bollwerke gegen die wachsende Anti-Sozialstaats-Koalition in Deutschland und wollen unseren sozialpolitischen Einfluss stärken.«

Ursprünglich war der VdK als »Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands« primär Interessenvertretung von Millionen Kriegsversehrten, Witwen und Waisen bei der Durchsetzung von Ansprüchen aus der Kriegsopfer- und Soldatenversorgung. Dem zwangsläufigen Mitgliederschwund durch den Alterungsprozess begegnete der VdK schon vor zwei Jahrzehnten mit einer Ausdehnung seiner Beratung auf die Kranken-, Pflege-, Unfall- und Rentenversicherung, das Schwerbehindertenrecht, die Soziale Grundsicherung und Arbeitsförderung. So hat der VdK Bayern im vergangenen Jahr 60.000 Anträge auf Sozialleistungen gestellt, 28.000 Widersprüche gegen Behördenbescheide eingelegt und insgesamt 12.500 Mitgliedern vor Sozial- und Verwaltungsgerichten Rechtschutz gewährt. Dabei gelang es, Nachzahlungen in Höhe von 12 Millionen Euro zu erstreiten.

Der Sozialverband unterstützt die berufliche Rehabilitation, fördert Behindertenwerkstätten, ist Träger eines Geriatriezentrums und einiger VdK-Kurhotels. Er stellt Kontakte zu Selbsthilfegruppen her und nimmt sich der Sorgen von Eltern behinderter Kinder an. Durch den Ausbau der Jugendarbeit gelang auch eine Verjüngung; zahlreiche ehemalige Jugendvertreter sind jetzt als VdK-Ortsvorsitzende tätig. Inzwischen gibt es im Freistaat 69 Kreis- und 2200 Ortsverbände. In 75 Geschäftsstellen erfolgt die flächendeckende Betreuung Rat suchender Mitglieder durch hauptamtlich tätige Experten.

In wenigen Wochen soll Ex-Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer die vakante Position des bayerischen Landesvorsitzenden übernehmen. Davon wollen beide Seiten profitieren: Seehofer verspricht sich vom »zweiten Standbein« als Verbandslobbyist eine gute Gelegenheit zur besseren Einflussnahme auf die weitere Gestaltung der Gesundheitspolitik, der VdK bundesweite Aufmerksamkeit als immer stärker werdende »Lobby der Reformopfer«.

Der VdK Bayern hat innerhalb der Bundesorganisation zwar nicht die absolute Mehrheit; mit einem Anteil von über 35 Prozent an der Gesamtmitgliederzahl lassen die selbstbewussten Bayern aber die anderen Landesverbände weit hinter sich zurück. In München ist man deshalb davon überzeugt, dass Seehofer seine bayerische Haus macht im nächsten Jahr nutzen kann, Nachfolger des 78-jährigen Sozialdemokraten Walter Hirrlinger als Bundesvorsitzender zu werden. Hirrlinger, vor drei Jahrzehnten Arbeits- und Sozialminister in Baden-Württemberg, will vorher noch die Fusion des VdK mit dem stärker auf Norddeutschland konzentrierten Sozialverband Deutschland (SoVD) vollenden und damit die Mitgliederzahl auf über zwei Millionen erhöhen.

Gegenüber seiner Parteifreundin Ulla Schmidt hat sich Hirrlinger als hartnäckiger Interessenvertreter für die »Reformopfer« gezeigt. Das erwartet der VdK Bayern auch von Seehofer ­ nicht nur bei der Gestaltung der künftigen Gesundheitspolitik, sondern auch bei den Regelungen für die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung, auf die der VdK als »Lobby der Rentner« auch weiterhin Einfluss nehmen möchte. Top

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