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Diesen Modellen gehört die Zukunft

03.01.2005  00:00 Uhr
Hausapotheke

Diesen Modellen gehört die Zukunft

von Thomas Bellartz, Berlin

Eigentlich war in Berlin zwei Tage vor Weihnachten die Luft raus. Doch am 22. Dezember kam auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) noch einmal in die Bundespressekonferenz, um den Hausapotheken- und Hausärztevertrag der Barmer Ersatzkasse (BEK) zu loben.

Gemeinsam mit der Ministerin erläuterten die Spitzen der Hausärzteschaft, der BEK und des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), warum man sich auf den Vertrag verständigt hat und welche Vorteile er für die Vertragsparteien, aber insbesondere für die Patientinnen und Patienten bietet.

Die Ministerin selbst ließ jedenfalls keine Zweifel aufkommen: „Diesen Modellen gehört die Zukunft in der Gesundheitsversorgung." Es sei gut, dass es solche Angebote gebe. Schmidt legt Wert darauf, dass jeder Euro effizient ausgegeben wird. Besonderes Augenmerk werde man auch auf die Qualität der Versorgung und der erbrachten Leistungen legen. Es gehe längst nicht mehr um die Frage, ob Hausarztmodelle sinnvoll seien oder nicht: „Da gibt es keine Diskussion mehr." Man befinde sich auf dem Weg, Verkrustungen im Gesundheitswesen aufzubrechen. Schmidt forderte alle Beteiligten auf "die Signalanlagen auf Grün zu stellen". Die Kritik des Ärzteverbandes NAV-Virchow-Bund am Vertrag wies Schmidt scharf zurück. Dessen Vorstand habe nicht die Zeichen der Zeit erkannt.

DAV-Vorsitzender Hermann S. Keller betonte, dieser Vertrag sei für die Apothekerschaft „historisch". Nach dem Vertrag zur Barmer-Service-Apotheke im Vorjahr gehe man nun wieder neue Wege, gemeinsam mit der BEK und den Hausärzten. Dies sei „ein neuer Schritt in einer neuen Versorgungslandschaft". Die Kostenfrage und der Wettbewerb seien relevante Themen, denen sich die Apotheker stellten.

Für eine optimale Versorgung der Patienten sei eine Kooperation von Arzt und Apotheker enorm wichtig. Der DAV-Chef bekräftigte dies mit einem konkreten Beispiel. Keller: „Kritiker mögen einwenden, dass die Patienten mit dem Hausapothekenmodell einen Teil ihrer freien Apothekenwahl aufgeben. Das stimmt. Dafür erhalten sie aber ein Höchstmaß an Arzneimittelsicherheit." Er ist sicher, dass das Modell zu einer besseren Betreuung der Patienten führen werde. „An uns Apotheken soll es nicht liegen", so Keller weiter. Man sei bereit „und gut gerüstet für die wohnort- und praxisnahe integrierte Versorgung".

BEK-Vorstandschef Dr. Eckardt Fiedler lobte das Engagement von Ärzten und Apothekern. Die BEK wolle alle Chancen des GMG nutzen und die Monopole der Kassenärztlichen Vereinigungen brechen. Fiedler erinnerte an viele Arzneimittelwechselwirkungen, die nun schneller erkannt würden. So könnten beispielsweise zahlreiche Krankenhauseinweisungen verhindert werden, die Prävention werde ausgebaut und die Versicherten langfristig auf der Beitragsseite entlastet. Der Hausarzt müsse für diese Aufgabe allerdings gerüstet sein. Darauf wolle man achten. Fiedler sagte, der Hausapotheker sei verstärkt „der Schutzengel der Versicherten" in Arzneimittelfragen. Der Patient, der sich freiwillig in die Pogramme einschreiben kann, gebe zwar ein „Stück Freizügigkeit" auf, profitiere aber vielfältig von der Zusammenarbeit der Leistungserbringer.

BEK-Vorstandsmitglied Klaus H. Richter wies darauf hin, dass man bereits aktuelle Verhandlungen mit Generika-Herstellern führe mit dem Ziel, sich auf Rabatte zu verständigen. Der Patient könne bis zu 30 Euro jährlich bei der Praxisgebühr sparen, eine Familie bis zu 60 Euro, wenn das Programm genutzt werde. Das sei eine indirekte Beitragssatzsenkung.

Hausärztechef Ulrich Weigeldt war „stolz" nach langen Verhandlungen nun einen gemeinsam Vertrag mit Barmer und Apothekern zu Stande gebracht zu haben. Der frisch gewählte KBV-Vorsitzende sagte: „Wir halten diesen Vertrag für einen Meilenstein." Überflüssige Untersuchungen würden vermeidbar. Die Schnittstelle zwischen Arzt und Apotheker werde erstmals in einem Vertrag definiert. Friktionen und Störpotenziale würden damit ausgeschaltet. Der Vertrag hat zwei Monate Vorlaufzeit und soll demnach ab März bundesweit mit Leben gefüllt werden. Top

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