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Die große Lösung

06.12.2004
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Integrierte Versorgung

Die große Lösung

von Daniel Rücker, Eschborn

Apotheker, Hausärzte und Barmer Ersatzkasse haben den Vertrag zur hausarzt- und hausapotheker-zentrierten Versorgung unterschrieben. Der erste Vertrag zur Integrierten Versorgung, an dem auch Apotheker beteiligt sind soll ab 2005 die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern verbessern.

Nach monatelangen schwierigen Verhandlungen paraphierten die Vertreter von Hausärzteverband, Deutschem Apothekerverband und Barmer Ersatzkasse am 3. Dezember im ostwestfälischen Bad Hermannsborn mit dem „Vertrag zur Integrierten Versorgung durch Hausärzte und Hausapotheken“ ein Konzept, das erstmals die Abläufe in der Kommunikation und Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern regelt (siehe PZ 44/2004). Gegen den zum Teil heftigen Widerstand einiger Kassenärztlicher Vereinigungen und Krankenkassen hatten der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, Barmer-Vorstandsmitglied Klaus Richter und ABDA-Vizepräsident Heinz-Günter Wolf die Details der Vereinbarung ausgehandelt.

Richter misst der Vereinbarung erhebliche Bedeutung zu: „Das ist ein historischer Moment. Am 1. Januar 2004 erfährt der Alleinvertretungsanspruch der Kassenärztlichen Vereinigungen erstmals eine Änderung.“ Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung hatte die Vertragsverhandlungen des Hausärzteverbandes von Anfang an mit erheblicher Skepsis verfolgt.

Den Druck der Kollegen musste vor allem Hausärztechef Weigeldt aushalten: „Der Vertrag war ein hartes Stück Arbeit.“ Einer besseren Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern sieht er zuversichtlich entgegen. „Ich freue mich, dass die Apotheker mit im Boot sind.“

Für die Apotheker ist der Vertrag ohne Frage ein großer Erfolg. Vor wenigen Monaten stritten die Experten noch darum, ob Apotheker allgemein und die Verbände im speziellen überhaupt einen Platz in der Integrierten Versorgung finden könnten. Jetzt ist der DAV bei einem der ersten Verträge überhaupt mit im Boot. Wolf: „Die anderen reden über Integration, wir machen sie.“ Der ABDA-Vizepräsident betonte die Tragweite der Vereinbarung: „Dass ist kein kleiner Modellversuch in irgendeiner Ecke Deutschlands. Wir haben gemeinsam die große Lösung gesucht.“

Aus formalen Gründen sind Hausärzteverband und Deutscher Apothekerverband nicht direkt beteiligt, sondern über zwei Tochterunternehmen. Aus diesem Grund unterschrieben den Vertrag das Vorstandsmitglied der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft (HÄVG), Eberhard Mehl, und der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Deutscher Apotheker (MGDA), Gregor Ulrich.

Fast 200 Millionen Euro

Hausärzten und Apothekern geht es vor allem um die Definition der Schnittstellen zwischen den Heilberuflern und damit um eine Verbesserung der Versorgung. Die Barmer hat neben den qualitativen Anforderungen natürlich auch die Kosten im Blick.

Die Chancen für Einsparungen stehen denn auch tatsächlich nicht schlecht. So kann die Kasse nun mit Pharma-Herstellern Rabatte nach § 130a SGB V vereinbaren, die von Ärzten und Apothekern umgesetzt werden. Ein weiteres Ziel der Vereinbarung ist die Reduzierung von Krankenhauseinweisungen. Hier ist das Einsparpotenzial erheblich. Nach Angaben des AOK-Bundesverbandes kostete im Jahr 2002 jeder Patient im Krankenhaus 3475 Euro. Wenn die intensive Zusammenarbeit von Hausärzten und Apothekern nur jeweils einem Patienten in jeder der 55.000 Hausarztpraxen die Krankenhauseinweisung erspart, würde die Barmer pro Jahr mehr als 191 Millionen Euro einsparen. Top

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