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Friese kritisiert Schmidts "aktionistische Sparpläne"

24.09.2001
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Friese kritisiert Schmidts "aktionistische Sparpläne"

von Daniel Rücker, Eschborn

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will die Ausgaben für Arzneimittel deutlich senken. Zum Anfang des nächsten Jahres will sie die Aut-idem-Regelung zum Normalfall machen, den Apothekenrabatt für Krankenkassen erhöhen und die Industrie zu einem Preisabschlag verpflichten. Insgesamt sollen so bis zu 3 Milliarden DM eingespart werden. ABDA-Präsident Hans-Günter Friese bezeichnete das Programm in einer ersten Stellungnahme als "aktionistischen Schnellschuss".

Nach den Plänen der Ministerin sollen ab 2002 die Apotheker für die Auswahl von Arzneimitteln zuständig sein. Der Arzt verordnet dann nur noch einen Wirkstoff, in der Apotheke werde ein "kostengünstiges Arzneimittel abgegeben", heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministerium. So sollen "die Kompetenzen der Apotheker für eine weitere Verbesserung der Arzneimittelversorgung genutzt" werden.

Weitere Einsparungen will das Ministerium über eine gestaffelte Erhöhung der Rabatte für die Krankenkassen realisieren. Dabei werden umsatzstarke Apotheken stärker zur Kasse gebeten als umsatzschwache. Im Gespräch sind Rabatte zwischen 4 und 9 Prozent. Von der Industrie erwartet Schmidt als "Solidarbeitrag" einen Preisabschlag bei verordneten Arzneimitteln, für die es keinen Festbetrag gibt. Die Preise dieser Präparate sollen für zwei Jahre um 5 Prozent gesenkt werden.

Bereits am Runden Tisch war in der vergangenen Woche vereinbart worden, dass Innovationen künftig nach ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis beurteilt werden sollen. Diese Aufgabe will die Ministerin jetzt offensichtlich dem Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen übertragen. Ihm soll eine "Empfehlungskompetenz ... zur Wirtschaftlichkeit der Verordnungen" eingeräumt werden.

Reduzierung der Handelsmargen

Bei der ABDA stoßen die Pläne aus dem Ministerium auf heftige Kritik. Präsident Friese: "Die in diesem Aktionsprogramm vorgesehenen Maßnahmen würden die Apothekenhandelsmargen um mehr als eine Milliarde DM reduzieren. Mit erhöhten Importarzneimittelabgaben sowie der Arzneimittelauswahl wird den Apotheken gleichzeitig eine größere Arbeitsbelastung auferlegt. Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar." Wieder einmal sollten die Apotheker überproportional am Sparpaket beteiligt werden. Die ABDA will dies verhindern: "Wir werden diesem Paket unseren maximalen Widerstand entgegensetzen."

Zudem seien umsatzgestaffelte Zwangsrabatte der Apotheken für die Kassen ordnungspolitisch und kartellrechtlich heikel. "Aktionitis war noch nie ein guter Ratgeber", sagte Friese und bemängelte, dass die Sparpläne ohne die Apotheker entwickelt wurden. Er verwies auf die mehrfach erklärte Bereitschaft der Apotheker, mehr Verantwortung in der Arzneimittelversorgung zu übernehmen und dies mit einer Modifikation der Arzneimittelpreisverordnung zu begleiten.

Widerstand hat auch der pharmazeutische Großhandel angekündigt. "Die den Apotheken gewährten Rabatte sind Rationalisierungsrabatte," stellte der Vorsitzende des Bundesverbandes des pharmazeutischen Großhandels, Lothar Jenne, fest. Sie seien Resultat einer betriebswirtschaftlichen Führung der Apotheke. Deshalb dürften sie nicht zur Finanzierung der GKV-Defizite herangezogen werden. Dem Großhandel werde zudem durch die Rabattabschöpfung ein Wettbewerbsinstrument genommen. Top

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