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Internet ist keine Alternative zur Apotheke

13.09.1999
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-PolitikGovi-Verlag

59. KONGRESS

Internet ist keine Alternative zur Apotheke

von Hartmut Morck, Barcelona

Auch in diesem Jahr stand der Weltkongress der Pharmazie vom 5. bis 10. September 1999, veranstaltet von der Fédération Internationale Pharmaceutique (FIP) in Barcelona, unter dem Generalthema der Fortentwicklung und Festigung des Berufsbilds des Pharmazeuten. Aus mehr als 80 Ländern nahmen über 3000 Apothekerinnen und Apotheker aus Wissenschaft, Industrie, Verwaltung, der öffentlichen und Krankenhausapotheke an diesem Kongress teil. Ein Schwerpunktthema war das Internet, das überwiegend Gefahren für die Weiterentwicklung der Berufsstandes birgt.

Bereits in den Grußworten von Joan Duran, Präsident der Vereinigung der Apotheker in Barcelona, und D. Pedro Capilla, Präsident der spanischen Gesellschaft der Apotheker, wurde deutlich, dass in der Gesundheitspolitik weniger die Qualität der Versorgung im Mittelpunkt steht, sondern in erster Linie nach den logistischen Kosten der Arzneimittelversorgung gefragt wird. Das hindere den sinnvollen Einsatz der Arzneimittel, so Duran, und nach Meinung von Capilla führe diese Diskussion zu einer Bagatellisierung des Arzneimittels, die durch den ungehinderten Zugang über das Internet noch gefördert werde. Dabei werde die Notwendigkeit der Apotheke gerade in der jetzigen Zeit der modernen Kommunikationsgesellschaft, die zu einer Verarmung des Einzelnen führe, besonders deutlich. Der enge Kontakt in der Apotheke zum Patienten werde auch für die Wirksamkeit des Arzneimittels in der heutigen Zeit immer wichtiger.

FIP-Präsident Peter Kielgast nahm sich des Themas Internet bereits in seiner Eröffnungsansprache an. Er warnte allerdings davor, dieses Thema nach dem alten orientalischen Sprichwort "Nicht sprechen, nichts sehen, nichts hören" national und international zu behandeln. Es sei vielmehr notwendig das Sprichwort umzuwandeln im Sinne "Den Teufel sehen, dem Teufel zuhören und über den Teufel sprechen". Dabei sollten die Apotheker mehr als jetzt die Verbindung zu den Verbrauchern suchen.

Gerade im Zeitalter des Cyberspace sei es wichtig, die Qualität zu sichern, und "wir Apotheker haben die Kompetenz dafür". Diese Kompetenz sollten die Pharmazeuten weltweit dafür nutzen, dem Verbraucher zu helfen, das heißt, ihn nicht von dem neuen Phänomen abzuhalten, sondern ihm den Gebrauch des neuen Mediums sicherer zu machen und die Apotheke als starke Alternative anzubieten. Kielgast fasste seine Analyse der gegenwärtigen weltweite Situation der Pharmazie in einem Satz zusammen: "Die Herausforderungen im neuen Jahrhundert sind größer, als diejenigen, mit denen unsere Vorfahren bei dem letzten Jahrhundertwechsel konfrontiert waren".

Die FIP werde ein Treffpunkt sein, um diese Ziele zu erreichen und die Probleme, die sich auf dem Weg dorthin ergeben, zu lösen. Die FIP wird dabei Brücken zwischen den einzelnen Bereichen des Berufsstandes schlagen, damit jeder von jedem lernen kann. Die technischen Entwicklungen werden es dabei möglich machen, das Ziel einer "Weltuniversität für Pharmazeuten" über die FIP zu erreichen. "Das ist meine Vision für den pharmazeutischen Berufsstand an der Schwelle zum neuen Jahrtausend".

Internet braucht eine Kontrolle

Wie wichtig die Kontrolle des Internets, was Gesundheitsinformationen angeht, ist, zeigten Studien, die in Japan durchgeführt und in Barcelona beim FIP-Kongress vorgestellt wurden. Danach suchten 40 Prozent der Internetnutzer nach medizinischen und Arzneimittelinformationen. Allerdings boten in einer Studie nur wenige Web-Seiten vollständige und korrekte Informationen für den Verbraucher an. Drei von 34 geprüften Web-Seiten enthielten falsche Informationen. In einer zweiten Studie wurde mehr als die Hälfte der Arzneimittelinformationen als nicht korrekt beurteilt, zwei Drittel davon wurde sogar als gefährlich eingestuft.

Aus diesen Ergebnissen muss die Frage nach einer Kontrollinstanz von Internetinformationen, einem Gatekeeper, mit einem klaren Ja beantwortet werden. Es sollte diskutiert werden, ob Gesundheitsinformationen unter die Kontrolle von Universitäten oder der Behörden, wie zum Beispiel der FDA in den USA, gestellt werden sollen. Auch freiwillige Organisationen, die finanziell unabhängig sein müssen – in Deutschland zum Beispiel der TÜV -, könnten nach Meinung der Autoren der Studien als Gatekeeper auftreten. Die Frage, was macht der Gatekeeper und wie wird seine Arbeit sichtbar, sei leicht zu beantworten: Evaluierte Web-Seiten werden als solche gekennzeichnet und ständig einem Update unterzogen, was durch eine Datumangabe sichtbar gemacht werden kann. Es erscheint den Autoren notwendig, dieses Ziel, die Gesundheitsinformationen im Internet unter die Kontrolle eines Gatekeepers zu stellen, möglichst schnell zu erreichen, damit die Qualität der Information garantiert ist und Schaden vom Verbraucher angewendet werden kann.Top

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