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Neue Ausbildung für Apotheker ab 2001

31.07.2000  00:00 Uhr

-PolitikGovi-Verlag

APPROBATIONSORDNUNG

Neue Ausbildung für
Apotheker ab 2001

von Christiane Eckert-Lill, Eschborn

Auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am 14. Juli 2000 hat der Bundesrat der Zweiten Verordnung zur Änderung der Approbationsordnung für Apotheker zugestimmt. Sie wird am 1. Oktober 2001 in Kraft treten. Damit findet eine bereits im Vorfeld der 1989 in Kraft getretenen, derzeit gültigen Ausbildungsordnung begonnene Diskussion über die zukünftige Ausbildung des Apothekers ein vorläufiges Ende.

Die nunmehr vorgesehenen Änderungen der Apothekerausbildung basieren auf den Vorschlägen einer vom Bundesministerium einberufenen Arbeitsgruppe, der Vertreter der Länder, des Instituts für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP), der Hochschullehrer, der Studenten und der Berufsorganisationen angehörten. Durch die Einbindung aller Beteiligten bereits in der Erarbeitungsphase der neuen Ausbildungsordnung sollte sichergestellt sein, dass sie von allen mit getragen wird.

Wichtige Eckpunkte

An der einheitlichen Approbation wird auch in Zukunft festgehalten, das heißt die Ausbildung soll den Apotheker befähigen, seinen Beruf in allen ihm offenstehenden Tätigkeitsfeldern auszuüben. Dies ist nicht nur für den Berufsanfänger von Vorteil, sondern lässt auch im weiteren Berufsleben flexibel auf ein sich wandelndes Umfeld reagieren. Konsequenz der einheitlichen Approbation ist eine nach wie vor breit angelegte pharmazeutische Ausbildung. Angesichts des Wandels des Berufsbildes des Apothekers mussten allerdings die Schwerpunkte der Ausbildung angepasst werden. In Hinblick auf den staatlichen Versorgungsauftrag des Apothekers wurde besonderes Augenmerk auf die Information und Beratung gelegt. Selbstverständlich berücksichtigen die Änderungen der Ausbildungsordnung die EU-rechtlichen Vorgaben sowie die "Berichte und Empfehlungen über den universitären Teil der pharmazeutischen Ausbildung" des Beratenden Ausschusses für die Pharmazeutische Ausbildung der EU.

Neue Schwerpunkte

Wie in allen Wissenschaften haben auch die Erkenntnisse in der Pharmazie in den letzten Jahren enorm zugenommen. Dem muss auch das Pharmaziestudium Rechnung tragen. Da der zeitliche Umfang der Ausbildung, das heißt acht Semester Studium an der Universität und daran anschließend ein Jahr Praktikum, nicht erweitert werden konnte, mussten die Ausbildungsinhalte umfassend überarbeitet werden: Nicht mehr unbedingt erforderliche oder gar veraltete Themen sind zu Gunsten neuer Inhalte gestrichen worden. Nach wie vor müssen im ersten Ausbildungsabschnitt die naturwissenschaftlichen Grundlagen gelegt werden. Insgesamt ist eine Konzentration auf das spezifisch pharmazeutische Profil vorgesehen. So soll vom ersten Fachsemester an – wo immer möglich – ein Bezug zum Arzneimittel hergestellt werden.

Im Hauptstudium wird die Analytik von Arzneistoffen und Metaboliten aus biologischem Material an Bedeutung gewinnen. Dementsprechend muss eine intensive Ausbildung in instrumenteller Analytik gewährleistet werden. In de pharmazeutischen Biologie wird der wachsenden Bedeutung biogener Arzneimittel und biotechnischer Herstellungsverfahren Rechnung getragen. Die Ausbildung in Molekularbiologie, Bio- und Gentechnologie sowie Immunologie wird intensiviert werden. In der pharmazeutischen Technologie werden zukünftig verstärkt Aspekte der Biopharmazie und arzneiformenbezogenen Pharmakokinetik vermittelt werden.

Kernstück der überarbeiteten Ausbildungsordnung ist die Intensivierung der humanbiologisch-medizinischen Grundlagenfächer, der Pharmakologie sowie die Einführung der Klinischen Pharmazie in das Studium. Neben dem Seminar Klinische Pharmazie gehören zu diesem Paket Vorlesungen und gegebenenfalls Übungen in Pharmakotherapie, Krankheitslehre sowie Arzneimittelepidemiologie und –ökonomie. Insgesamt wird diese Fächergruppe einen zeitlichen Umfang von etwa 20 Prozent – gegenüber bisher etwa 12 Prozent – erhalten (siehe Tabelle 1). Diese Ausweitung geht im wesentlichen zu Lasten der pharmazeutisch-chemischen Lehrveranstaltungen, die allerdings mit etwa 40 Prozent nach wie vor den größten Teil des Studiums ausmachen. Die Fächergruppe Biologie/Biochemie wird zeitlich leicht erweitert, die Pharmazeutische Technologie bleibt hinsichtlich ihres Gesamtumfangs in etwa gleich.

Tabelle 1: Zeitliche Gewichtung der Fächergruppen des Pharmaziestudiums

FächergruppeApprobationsordnung 2001 (in Prozent) 1)Approbationsordnung 1989 (in Prozent) 2) I. Chemie und Pharmazeutische/
Medizinische Chemie 39,6 45,2 II. Biologie, Biochemie 20,0 20,8 III. Physik, Mathematik, Pharmazeutische Technologie 19,5 19,6 IV. Medizin, Pharmakologie 19,1 12,4 V. Recht, Geschichte, Sonstiges 1,8 1,6 1) bezogen auf die um die Stunden des Wahlpflichtfachbereiches (112 Stunden) reduzierte Gesamtstundenzahl von 3150

2) bezogen auf die Gesamtstundenzahl von 3250

Die inhaltlichen Änderungen der universitären Ausbildung spiegeln sich auch in den Prüfungsfächern des Ersten und Zweiten Abschnitts der Pharmazeutischen Prüfung wider. Da bereits während der ersten vier Semester medizinische Grundlagenfächer gelehrt werden, wird folgerichtig das Prüfungsfach "Grundlagen der pharmazeutischen Biologie" umbenannt und erweitert in "Grundlagen der pharmazeutischen Biologie und der Humanbiologie". Das Prüfungsfach "Physik und Grundlagen der physikalischen Chemie" wird umbenannt und erweitert in "Grundlagen der Physik, der physikalischen Chemie und der Arzneiformenlehre".

Der zukünftige Stellenwert der Klinischen Pharmazie in der Ausbildung wird durch die Schaffung eines gleichnamigen, eigenständigen Prüfungsfaches verdeutlicht. Da die Klinische Pharmazie an den Universitäten erst eine im Aufbau befindliche Disziplin ist, gibt es für dieses Prüfungsfach Übergangsregelungen. Bis zum Jahr 2010 kann auch ein anderes Mitglied der Prüfungskommission des Zweiten Prüfungsabschnittes das Fach Klinische Pharmazie prüfen.

Flexibles Curriculum

Mit ein Kritikpunkt an der Ausbildung war das verhältnismäßig starre Curriculum, das nicht nur die einzelnen anzubietenden Lehrveranstaltungen, sondern darüber hinaus bei den Praktika genaue Stundenzahlen vorschrieb. Anpassungen an aktuelle Entwicklungen waren damit nur bedingt möglich. Dies wird zukünftig anders sein: Anstelle der einzelnen Lehrveranstaltungen sind Themenblöcke vorgegeben, deren Ausgestaltung den pharmazeutischen Instituten im Rahmen von Mindestvorgaben freigestellt ist. Gleichwohl hat die Arbeitsgruppe des Bundesministeriums für Gesundheit einen Modellstudiengang entwickelt, der den pharmazeutischen Instituten als Leitlinie für die Ausgestaltung eines zeitgemäßen Pharmaziestudiums dienen soll. Die in den Tabellen 1 und 2 gemachten Angaben beziehen sich auf die Vorschläge zu Art und Umfang der Lehrveranstaltungen dieses Modellstudiengangs.

Tabelle 2: Zeitlicher Umfang der Lehrveranstaltungsarten

VeranstaltungsartApprobationsordnung 2001 (in Prozent) 1)Approbationsordnung 1989 (in Prozent) Vorlesungen 34,8 34,3 Seminare 20,6 2) 3,6 Praktika 44,6 3) 62,4 1) Die als Vorlesungen mit Übungen oder Seminaren ausgewiesenen Lehrveranstaltungen wurden je zur Hälfte den Vorlesungen und Praktika beziehungsweise Seminaren zugeschlagen. Das Wahlpflichtfach wurde je zur Hälfte als Praktikum oder Seminar gewertet.

2) einschließlich der praktikumsbegleitenden Seminare (jeweils 20 Prozent des zeitlichen Umfangs der Praktika)

3) gekürzt um die praktikumsbegleitenden Seminare

Vorrang für Seminare

Aufgrund der Fülle des zu vermittelnden Lehrstoffes wird der Anteil der theoretischen Ausbildung gegenüber der praktischen ausgeweitet werden (Tabelle 2). Insbesondere werden verstärkt Seminare angeboten werden, die eine aktive Auseinandersetzung mit dem Lehrstoff erlauben. Darüber hinaus werden alle Praktika zukünftig von Seminaren begleitet, denen 20 Prozent der Zeit der jeweiligen Lehrveranstaltung reserviert ist.

Wahlpflichtveranstaltungen

Die Ausbildung soll den Apotheker auch zukünftig befähigen, seinen Beruf in den verschiedenen pharmazeutischen Tätigkeitsbereichen auszuüben. Dementsprechend breit ist sie auch ausgerichtet. Gleichwohl ist es heute erforderlich, bereits während der Ausbildung gewisse Schwerpunkte auf das angestrebte Berufsziel setzen zu können. Mit der Einführung eines 112 Stunden umfassenden Wahlpflichtfaches wird dies möglich sein. Die pharmazeutischen Institute können dabei nicht nur Veranstaltungen zu den pharmazeutischen Kerndisziplinen, sondern auch zu anderen Bereichen anbieten, sofern diese einen Bezug zur Pharmazie haben.

Praktische Ausbildung

In der vorlesungsfreien Zeit während des ersten Ausbildungsabschnittes ist wie gehabt eine insgesamt achtwöchige Famulatur abzuleisten. An die universitäre Ausbildung schließt sich auch in Zukunft ein einjähriges Praktikum an, von dem mindestens sechs Monate in einer öffentlichen Apotheke abgeleistet werden müssen. Die verbleibenden sechs Monate können entweder in der öffentlichen, der Krankenhausapotheke, der pharmazeutischen Industrie, der Universität, anderen wissenschaftlichen Einrichtungen oder Arzneimitteluntersuchungsstellen einschließlich solchen der Bundeswehr absolviert werden. Wer sich in diesem Fall für die Krankenhausapotheke entscheidet, kann drei Monate auch auf der Station eines Krankenhauses ableisten. Dies eröffnet den Pharmaziepraktikanten die Möglichkeit, die im Studium erworbenen Kenntnisse in Klinischer Pharmazie in der Praxis anzuwenden.

Fazit

Mit der geänderten Approbationsordnung wurden die wesentlichen Forderungen der Apothekerschaft an eine moderne, dem Apotheker auch zukünftig seine Berufschancen erhaltenden Ausbildung erfüllt: Dies gilt für die verstärkte theoretische Ausbildung, insbesondere jedoch für die Intensivierung der medizinisch-pharmakologischen Grundlagenfächer und die Einführung der Klinischen Pharmazie. Es gilt nun, diese Ausbildung mit Leben zu füllen.Top

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