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Apotheker als Heilberuf unersetzbar

07.06.2004
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Pharmacon Meran 2004

Apotheker als Heilberuf unersetzbar

von Hartmut Morck, Meran

Trotz ökonomisch schwieriger Zeit konnte der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK,) Johannes M. Metzger, bei dem 42. Internationalen Fortbildungskurs für praktische und wissenschaftliche Pharmazie (Pharmacon Meran 2004) mit weit über 600 Teilnehmern mehr Teilnehmer als 2003 begrüßen. Die Zahl belege den Willen der deutschen Apotheker zur Fortbildung.

Metzger hatte eine klare Botschaft für seine Kolleginnen und Kollegen: Unser Heilberuf ist unersetzbar. Trotz der augenblicklichen Standortdebatte in Deutschland sieht der BAK- Präsident auf Grund der demographischen Entwicklung für die Heilberufe eine arbeitsreiche Zukunft. Die Finanzierung dieser Arbeit müsse allerdings in Frage gestellt werden, da immer weniger Arbeitnehmer die stetig wachsenden Ansprüche der immer älter werdenden Bevölkerung decken müssten.

Den Ausweg aus dieser Situation sieht Metzger in der Stärkung des Standortes, die Förderung der Binnennachfrage und damit einer Schaffung neuer Arbeitsplätze. Dazu gehöre auch eine Stärkung des Klein- und Mittelstandes, die den Kern der Wirtschaftsleistung eines Landes darstellten. Es geschehe aber genau das Gegenteil. So sehe die Bundesregierung zum Beispiel im Zusammenhang mit dem elektronischen Rezept eine Stärkung des europäischen Wirtschaftsraumes. Diese Ansicht hält Metzger für falsch: „Das elektronische Rezept dient der Arzneimittelversorgung in der Gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland.“ Er habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass nachdem bereits die Industrie mit Erfolg aus dem Land getrieben wurde, nun offensichtlich die Dienstleister verprellt werden sollen. Immerhin sorgten 21 300 Apotheken als typische Klein- und Mittelbetriebe für 140 000 wohnortnahe Arbeitsplätze.

Nach der Erlaubnis des Versandhandels wolle die Regierung nun offensichtlich die deutschen Rezepte aus dem Ausland beliefern lassen. Eine Vorstellung, die nach Meinung Metzgers ein französischer Wirtschaftsminister sicher nicht entwickeln würde. Es sei undenkbar, dass eine französische Regierung die Versorgung ihrer Bürger mit Arzneimitteln aus Deutschland fördern würde. Die Franzosen seien deshalb keine schlechteren Europäer, sie hätten nur ein gesundes Verhältnis zu dem, was ihrem Lande diene.

Der europäische Markt werde nur dann die Chancen aller verbessern, wenn faire Bedingungen für alle herrschen. Davon seien die Gesundheitsmärkte noch weit entfernt. Darin liege auch der Grund, dass die Kommission und das europäische Parlament keine Regelungsbefugnis für die Gesundheit hätten. Metzgers Fazit: „Solange die Verhältnisse nicht angeglichen sind, bedeute die einseitige Öffnung des deutschen Gesundheitsmarktes nicht weniger als Inländerdiskriminierung.“

Gefahr bergen auch die Neuregelungen der Dienstleistungs- und der Diplomanerkennungsrichtlinie durch Brüssel, so der BAK-Präsident. Bisher hätten seit 1985 sektorale Richtlinien die Mindestanforderungen für die Ausbildungsinhalte und –bedingungen von Apothekern gesichert und die automatische EU-weite Anerkennung der jeweiligen Diplome möglich gemacht. Die BAK möchte den Status quo beibehalten und wird bei der Formulierung der neuen Rahmenrichtlinie darauf drängen, dass im besonderen Teil die bisherigen sektoralen Regelungen aufgenommen werden. So soll verhindert werden, dass die Mindestanforderungen an die Ausbildung nicht unterlaufen werden. Bei der augenblicklichen Diskussion um die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen entsprechend der Bologna-Beschlüsse wünscht sich Metzger eine stärkere Berücksichtigung der Besonderheiten der freien Heilberufe.

Die Absicht der Bundregierung, eine Bildungsoffensive einzuleiten, hält der BAK-Präsident für den richtigen Weg. Nur wer sich die derzeitige Situation der deutschen Hochschulen anschaut, erblicke etwas anderes: Kürzungen, Stellen bleiben unbesetzt, Berufungen werden nicht ausgesprochen. Das gelte auch für das Fach Pharmazie, das gerade noch die bestehende Nachfrage des Arbeitsmarktes bedienen könne. Auf der anderen Seite stünden viele Fachrichtungen, die vollkommen am Bedarf vorbei ausbildeten, was einer „grandiosen Verschwendung“ nicht mehr vorhandener Mittel gleichkomme. Trotzdem würden pharmazeutische Institute geschlossen oder seien akut von der Schließung bedroht.

Die Stimmung an den Hochschulen sei schlecht, wodurch der dringend benötigte „turn around“ gefährdet sei. Deutschland brauche wieder Zuversicht, damit die „deutsche Zukunft, eine gute Zukunft im geeinten Europa“ werde. Top

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