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Friese: Reform führt zu Systembruch

03.05.1999  00:00 Uhr

-PolitikGovi-Verlag

Friese: Reform führt zu Systembruch

von Gisela Stieve, Berlin

Die Gesundheitsstrukturreform führt zu einem Systembruch, wenn die Inhalte, wie sie im Arbeitspapier aus dem Hause Andrea Fischer stehen, umgesetzt werden. Davon ist ABDA-Präsident Hans-Günter Friese überzeugt. Beim 23. Informationsgespräch mit wirtschafts- und sozialpolitischen Journalisten in Berlin erklärte Friese, daß die ABDA zwar auch den Reformbedarf im Gesundheitswesen sehe, Analyse und Lösungsansätze unterscheiden sich aber von denen der Regierungskoalition.

Die Koalition negiert nach Frieses Worten das Einnahmeproblem im Gesundheitswesen. Damit verkenne sie, daß Produkt- und Prozeßinnovationen in der Versorgung sowie demographisch bedingte Veränderungen der Morbiditätsstruktur und das Aufkommen neuer Krankheitsbilder medizinischen Mehrbedarf mit sich bringen. Dieser müsse sich in der Anpassung der GKV-Finanzmittel widerspiegeln.

Die ABDA schlage für eine systemkonforme Weiterentwicklung eine heilberufliche Allianz der Ärzte und Apotheker für den Patienten vor. Das Prinzip ambulant vor stationär müsse vorangetrieben werden. Weitere zentrale Forderungen lauten: Die Pharmazeutische Betreuung muß ebenso im Sozialgesetzbuch V verankert werden wie die Grundlage für einen Modellversuch zur Einführung einer Telematikplattform im Gesundheitswesen, der zwischen Krankenkassen, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und ABDA zu organisieren sei.

Eine Positivliste hält die ABDA aus pharmakologischer Sicht nach wie vor für nicht geeignet, bietet aber ihre fachliche Mitarbeit an, falls daran festgehalten werden soll. Die Festsetzung des Arzneimittelbudgets nach dem Prinzip des Benchmarking sei ungeeignet, weil neben Umsetzungsproblemen die einzelnen kassenärztlichen Vereinigungen nur unter Berücksichtigung verschiedener Versorgungsstrukturen vergleichbar seien. Überflüssig auch, so Friese, "weil für die Änderung der Arznei- und Heilmittelbudgets der KVen in § 84 SGB V Anpassungsfaktoren vorgesehen sind".

Pharmazeutische Betreuung anschaulich demonstriert

"Halten Sie sich die Nase zu, und atmen Sie drei Minuten lang nur durch den Strohhalm ein und aus." Auf diese anschauliche Art vermittelte Dr. Martin Schulz, Leiter der Arzneimittelinformationsstelle der ABDA, den rund 50 Journalisten, welche Atemnot ein Asthmatiker hat. Wie wichtig die richtige medikamentöse Versorgung, die richtige Anwendung der Arzneimittel letztlich für die Verbesserung der Lebensqualität sind, haben die Ergebnisse einer Asthmastudie in Hamburg gezeigt. Schulz: "Der Bedarf an Pharmazeutischer Betreuung ist sehr groß, Patienten nehmen die Betreuung dankbar an, die Zusammenarbeit mit dem Arzt ist meist problemlos und das Vertrauen in den Apotheker wächst".

Wie die Verzahnung ambulanter und stationärer Versorgung pflegebedürftiger Patienten sinnvoll organisiert werden kann, erläuterten Götz Schütte, Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen und Mitglied im ABDA-Gesamtvorstand, und Hartmut Vaitikunas, Chefapotheker der Städtischen Kliniken Braunschweig.

Dr. Frank Diener, Leiter der Grundsatzabteilung im Geschäftsbereich Wirtschaft und Sozialpolitik der ABDA, stellte den Journalisten den Wirtschaftsbericht der Apotheken 1998 vor.Top

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