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Wirtschaftliche Lage 1996 nicht befriedigend

21.04.1997
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-Politik

  Govi-Verlag

Wirtschaftliche Lage 1996 nicht befriedigend

  Der Branchenbericht zur wirtschaftlichen Lage der Apotheken in Deutschland für das Jahr 1996 fällt nicht befriedigend aus. Obwohl der Gesamtumsatz der Apotheken um rund 4,5 Prozent auf 45 Milliarden DM angestiegen ist, kann eine Umsatzrendite von 0,9 Prozent lediglich als ausreichend bezeichnet werden. Die Entwicklung, die jeweils im Frühjahr von der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände vorgestellt wird, ist im folgenden nach Mengen, Preisen, Umsätzen und betriebswirtschaftlichen Ergebnissen aufgeschlüsselt.

Auffallen mag in diesem Jahr, daß im Wirtschaftsbericht der Apotheken keine Unterscheidung mehr nach alten und neuen Bundesländern getroffen wurde. Im Jahr sieben nach der deutschen Einheit will die ABDA ausdrücklich Abstand von einer Ost-West-Schubladen-Denke nehmen. Selbst wenn es vereinzelt noch geringfügige Unterschiede zwischen den Apotheken in den Ost- und Westländern gibt, soll dies nicht gesondert hervorgehoben werden. Schließlich ist es im Apothekenwesen relativ früh gelungen, eine Harmonisierung zwischen den Systemen herbeizuführen.

Die Zahlen des vergangenen Jahres sind insbesondere vor dem Hintergrund der ständigen Diskussionen um die angeblich teure Vertriebsstruktur der Arzneimittel zu sehen. Es wird immer wieder behauptet, daß sich der Preis des Arzneimittels, das auf Rezept abgegeben wird, von der Auslieferung ab Fabriktor bis in die Hand des Patienten verdoppele. Diese Behauptungen sind nicht richtig. Die Berechnungen, nicht nur aus dem Hause der ABDA, besagen, daß die Wertschöpfung der Apotheken von 1978 bis 1996 von 28,4 auf 21,9 Prozent zurückgegangen ist. Die Wertschöpfung der Industrie stieg dagegen von 51,4 auf 56,3 Prozent. Durch die Wertschöpfung der Apotheke werden auch Dienstleistungen im Sinne einer Mischkalkulation abgegolten, die nicht oder nur unzureichend honoriert werden (Notdienst, Prüfung von Fertigarzneimitteln, Herstellung von individuellen Arzneimitteln, Beratung). Dabei wird die Mehrwertsteuer von 15 Prozent, die zusätzlich erhoben wird, gern verschwiegen.

Letztlich wird der Apotheker aber seine Existenzberechtigung und seine Existenzsicherung weniger in der finanziellen Wertschöpfung als in seiner pharmazeutischen Kompetenz suchen müssen, also in Beratung und pharmazeutischer Betreuung, in der Unterstützung des Patienten bei der Erfassung und Lösung von individuellen Arzneimittelproblemen zur Verbesserung der Compliance, in der Vermeidung von Arzneimittelrisiken und der Optimierung der Arzneimitteltherapie.

Artikel von der PZ-Redaktion    

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