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Scharfe Kritik an Kirschner

26.03.2001
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VERSANDHANDEL

Scharfe Kritik an Kirschner

PZ/ABDA

"Die ständige Wiederholung bekannter Thesen führt nicht zu neuen Erkenntnissen." So reagierte Hans Günter Friese, Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, auf einen kürzlich bekannt gewordenen Vorschlag des Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, Klaus Kirschner (SPD). Der will den in Deutschland verbotenen Versandhandel von Medikamenten freigeben.

Abgesehen von allen Risiken, die mit dem Versand von Arzneimitteln unweigerlich verbunden wären, sei bislang überhaupt noch kein Beweis darüber geführt, dass der Versand von Medikamenten tatsächlich bei einer Vollversorgung Kosten einspare. Im Gegenteil: "In allen Ländern, in denen Versandhandel zugelassen ist, ist die Versorgung mit Arzneimitteln teurer als bei uns", stellte Friese fest.

Wenn Kirschner annehme, die Arzneimittelversorgung bei einer Freigabe des Versandes weiterhin national kontrollieren zu können, irre er, betonte Friese. Die Fernabsatz- und die E-Commerce-Richtlinie der Europäischen Union gestatten den nationalen Gesetzgebern, eigenes Recht bei der Arzneimittelversorgung zu setzen. Würde der Versand aber einmal zugelassen, könnten alle EU-Apotheken daran teilnehmen. Dann gilt unweigerlich das Ursprungslandprinzip mit gesetzlichen Bestimmungen, die sich der Zuständigkeit des deutschen Gesetzgebers entziehen. "Ich möchte mir gar nicht ausmalen, welchen Verlust an Arzneimittelsicherheit wir hinnehmen müssen, wenn die Erweiterung der EU von 15 auf 28 Mitgliedsstaaten Realität wird", meinte Friese.

In der Konsequenz bedeute der Vorstoß Kirschners nichts anderes, als dass der deutsche Gesetzgeber die Verantwortung für eine sichere Arzneimittelversorgung der deutschen Versicherten an das Ausland abgäbe. "Das ist nicht hinnehmbar.

"Im übrigen wies Friese darauf hin, dass die Krankenkassen für die Benutzung des Vertriebsweges öffentliche Apotheke mit 7,34 Milliarden DM heute nicht mehr als 1992 aufwenden müssen. Für den Großabnehmer Krankenkassen belief sich der Apothekenanteil pro abgegebener Packung auf 9,03 DM. "Ich kenne kein anderes System, das eine Vollversorgung der Versicherten so günstig und dabei so sicher darstellen kann", meinte Friese.

Bezogen auf aktuelle Angebote von Internetversendern lasse sich zudem feststellen, dass sie trotz der Einschränkung ihres Angebotes auf hochpreisige Arzneimittel nicht unbedingt günstiger sind als die Apotheken. Nehme man die Importarzneimittel, die auch in Apotheken bereits einen Marktanteil von rund 1 Milliarde DM hielten, sowie die teilweise deutlich preisgünstigeren Generika hinzu, führe dies dazu, dass vergleichbare Produkte in den Apotheken oft günstiger seien als bei den Internetversendern. "Und dies mit dem hohen Maß an Arzneimittelsicherheit, das der deutsche Gesetzgeber will und auf das der Patient ein Recht hat", so Friese. Top

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