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Nix national

04.03.2002
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VERSANDHANDEL

Nix national

von Thomas Bellartz, Berlin

Das Bundesgesundheitsministerium weicht immer weiter von dem bisher eingeschlagenen Weg in Fragen des Versandhandels mit Arzneimitteln ab. Der bisher geplante nationale Versandhandel wird mittlerweile deutlich hinterfragt.

Am 1. März tagte die Arbeitsgruppe 1 des Runden Tischs. Die dort vertretenen Verbände und Interessensgruppen bereiten den nächsten Runden Tisch im Gesundheitswesen vor, der am 22. April 2002 in der Nähe von Berlin tagt. Auf der Agenda stehen dann der Versandhandel und E-Commerce mit Arzneimitteln.

Während sämtliche Vertreter der Krankenkassen für eine Einführung des Versandhandels - wenn auch mit teilweise unterschiedlicher Motivation - argumentierten, überraschte das Ministerium mit einem Sinneswandel. Eine so genannte "nationale Lösung" wird nun auch von Ulla Schmidts Mitarbeitern als "problematisch" eingestuft. Bei der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Eschborn wertet man dies als Erfolg der langwierigen Überzeugungsarbeit.

Doch damit ist die Kuh längst nicht vom Eis. Denn bislang wurde das vom BMG entworfene Papier zum Versandhandel, das als Beschlussentwurf Mitte April dienen soll, noch nicht diskutiert. Dies wird erst am 14. März bei einem neuerlichen Treffen der Arbeitsgruppe der Fall sein.

Zuvor machte - neben der ABDA - auch der Bundesverband des Pharmazeutischen Großhandels (Phagro) unmissverständlich deutlich, dass es zum derzeitigen Distributionsweg keine sinnvolle Alternative gebe. So sei das Internet zwar ein "ausgezeichnetes Medium" für die allgemeine Information und Beratung über Arzneimittel. Aber die persönliche Beratung und Kontrolle in der Apotheke könne es nicht ersetzen. Während der nationale Versandhandel gemeinschaftsrechtlich ausgeschlossen sei, widerspreche ein grenzüberschreitender Versandhandel dem geltenden Zulassungssystem für Arzneimittel. Das komme einer Kapitulation des staatlichen Kontrollanspruchs gleich und senke die Haftungsansprüche der Patienten.

Der Phagro wies darauf hin, dass die Mischkalkulation die Basis für die Arzneimittelversorgung sein müsse. Der Versandhandel zerstöre die ökonomische Logik der Arzneimitteldistribution, das hocheffiziente Distributionssystem und beeinträchtige die Versorgungsqualität. Als Rosinenpicker würden die Versandhändler die Solidargemeinschaft ausnutzen und damit auch Einsparpotenziale auf dem Arzneimittelmarkt vernichten.

Rückendeckung erfahren ABDA und Phagro vom Bundesfachverband der Arzneimittelhersteller (BAH), der davor warnt, vorschnell den Versandhandel einführen zu wollen. Dies könne überhaupt erst diskutiert werden, wenn klar sei, welche Auswirkungen dies auf die Arzneimittelsicherheit, auf die flächendeckende Arzneimittelversorgung, das Sortiment in den Apotheken, deren wirtschaftliche Situation und die Preisgestaltung hätte. Erst nach Beantwortung all dieser Fragen könne politisch entschieden werden. Sollte der Versandhandel kommen, dann spricht sich der BAH für einheitliche Preise bei allen Anbietern aus. Unterschiedliche Preise zwischen beiden Systemen seien "gesundheitspolitisch bedenklich". Top

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