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Nur wenige echte Innovationen

08.10.2001
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PHARMAZIE
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PHARMACON MALLORCA

Nur wenige echte Innovationen

Auch in diesem Jahr gaben Professor Dr. Hans-Dieter Höltje vom Pharmazeutisch-Chemischen Institut der Universität Düsseldorf und Dr. Hartmut Morck, Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung, einen kritischen Überblick über die neuen Arzneistoffe. Die Referenten besprachen zwölf der inzwischen 22 Wirkstoffe, die 2001 in Deutschland neu auf den Markt gekommen sind.

Als sinnvolle Weiterentwicklung wertete das Duo das Antihistaminikum Desloratadin (Aerius®). Denn nun stehe der wesentlich wirksamere Metabolit des bisher angebotenen Loratadins zur Verfügung. Ähnlich stuften sie auch Levocetirizin (Xusal®) ein. Die Substanz sei nachweislich das wirksamere Enantiomer des Racemats Cetirizin.

Beim Lopinavir, das als neuer HIV-Protease-Inhibitor in Kombination mit Ritonavir (Kaletra®) angeboten wird, waren sich die Referenten einig, dass neue Protease-Inhibitoren gebraucht werden, da immer häufiger Mutationen auftreten die dann zu Resistenzen führen. Dieser Situation könne man nur mit neuen Stoffen begegnen. Hingewiesen wurde auch darauf, dass Ritonavir in dieser Kombination keine eigene pharmakologische Wirkung zeigt, sondern über die Hemmung der CYP 3A nur zu einer wesentlichen Erhöhung der Lopinavir-Plasmakonzentration führt.

Artemether und Lumefantrin, eine Kombination, die als Riamet® zur Malariatherapi in den Handel gekommen ist, bringt eigentlich nichts neues - Artemether ist dem Artemisinin ähnlich, und Lumefantrin leitet sich von Halofantrin ab. Beide Substanzen hemmen auf verschiedenen Wegen die Umsetzung von Häm zum Hämozoin. Dadurch gehen die Blutschizonten bei einer akuten Malariainfektion zugrunde. Als Prophylaktikum sollte die Kombination nicht eingesetzt werden, um keine Resistenzen zu provozieren, zumal das neue Präparat bei Chloroquinresistenz wirksam ist.

Galantamin (Reminyl®), ein Schneeglöckchenalkaloid zur Behandlung einer Alzheimer-Demenz, charakterisierten die Referenten als Acetylcholinesterase-Hemmer. Die Substanz stabilisiert wie Donezepil und Rivastigmin die kognitiven Fähigkeiten über einige Monate. Von Heilung kann allerdings keine Rede sein. Klinische Studien belegen, dass die Degeneration der Hirnzellen auch unter der Therapie mit Acetylcholinesterase-Hemmern fortschreitet.

Nateglinid (Starlix®) ist ein neues peroral applizierbares Antidiabetikum, das in Kombination mit Metformin bei Typ-2-Diabetikern eingesetzt wird. Vorteilhaft gegenüber den Sulfonylharnstoffen ist die schnelle Anflutung und die kurze Halbwertszeit, die dem Patienten eine flexiblere Therapie ermöglicht und damit etwas mehr Lebensqualität bringt.

Als echte Innovation bezeichneten die Referenten Rasburicase (Fasturtec®), die rekombinante, gentechnologisch hergestellte Uratoxidase, die zu Therapie und Prophylaxe einer akuter Hyperurikämie nach einer Hochdosis-Chemotherapie bei aggressiven Krebserkrankungen und drohendem Nierenversagen eingesetzt wird. Bisher stand dafür nur Allopurinol zur Verfügung. Die Uratoxidase, die im menschlichen Körper nicht vorkommt, kann die im Wässrigen schwer lösliche Harnsäure zu Allantoin umzusetzen, das gut nierengängig ist. Uratoxidase wirkt wesentlich schneller als Allopurinol.

Almotriptan (Almogran®), ein neues Migränemittel, wurde von den Referenten trotz der besten Bioverfügbarkeit nach peroraler Applikation im Vergleich zu den anderen Triptanen nicht als echte Innovation eingestuft. Der Wirkstoff bringe in der Klinik keine echten Vorteile.

Auch Apomorphin (Ixense® und Uprima®), das als Dopamin-Agonist bei erektiler Dysfunktion helfen soll, stuften die beiden Referenten nicht als Innovation ein. Capecitabin (Xeloda®), die peroral applizierbare Vorstufe des 5-Fluorouracils zur Therapie des metastasierenden Kolonkarzinoms, bekam dagegen eine positive Bewertung, weil es die Lebensqualität der Tumorpatienten steigert.

Abschließend stellten Höltje und Morck den neuen monoklonalen Antikörper Alemtuzumab (MabCampath®) vor. Mit der Substanz kann die chronisch lymphatische Leukämie bekämpft werden. Der Antikörper richtet sich gegen CD52-Oberflächenproteine, die mit hoher Dichte auf malignen und gesunden Leukozyten, aber auch auf Makrophagen und Monozyten anzutreffen sind.

Herceptin führt zwar zur Tumorremission (in Studien bei 33 Prozent der Patientinnen), aber man handelt sich auch eine Immunsuppression ein, die die Betroffenen infektionsanfällig macht. Als Gegenmaßnahme wird daher eine antibiotische Therapie vorgeschlagen.

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