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Apotheken organisieren Drogenuntersuchung

27.11.2000  00:00 Uhr

SUCHTPRÄVENTION

Apotheken organisieren Drogenuntersuchung

von Gertrude Mevissen, Eschborn

Das Geschäft mit illegalen Drogen boomt. Der "Kick per Ecstasy" ist inzwischen in weiten Teilen der Gesellschaft populär. Immer mehr Jugendliche greifen zu Haschisch und Designerdrogen, für einige wird der Einstieg zum Abstieg. Um sich in die Suchtprävention noch wirksamer einzubringen, startete vor sechs Jahren eine Initiative der Apothekerkammer Nordrhein und der Apotheke der Rheinischen Kliniken Viersen. Ziel war es, verdächtige Proben in allen Apotheken des Kammerbereichs entgegenzunehmen und in der Viersener Krankenhausapotheke mit modernster Technik analysieren zu lassen. Die Untersuchung erfolgt in anonymisierter Form. Das Ergebnis wird den Anfragenden, meist besorgten Eltern oder Freunden, innerhalb weniger Tage anonymisiert über ihre Apotheke mitgeteilt.

"Heute kommen die Proben aus dem ganzen Bundesgebiet", sagt Jürgen Sawatzki, leitender Krankenhausapotheker der Rheinischen Kliniken. Aus Angst vor Strafverfolgung würden viele Eltern den Gang zur Polizei scheuen. Rechtsmediziner ermittelten nur im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Sawatzki: "Apotheker bringen als Anlaufstelle zur Drogenuntersuchung sowohl das fachliche Know-how, als auch die rechtlichen Vorraussetzungen mit." Der Gesetzgeber gestatte Apothekern ausdrücklich die Analyse von Rauschgiftproben. Im Rahmen der Schweigepflicht seien Apotheker auch nicht dazu verpflichtet, die Ergebnisse der Untersuchung zur Anzeige zu bringen. Anonymität und Vertraulichkeit seien daher gewährleistet.

Neben Arznei- und Suchtstoffuntersuchungen für Kliniken analysiert das zehnköpfige Team derzeit zwischen drei und sechs Proben am Tag, Tendenz steigend. "Nach Presseberichten oder Kammermitteilungen steigt die Probenzahl immer deutlich an", berichtet Sawazki. Er und seine Kollegen untersuchen ein breites Spektrum an Substanzen, von klassischen Suchtstoffen wie Cocain, Cannabis und Heroin bis zu synthetischen Drogen und Anabolika. Als Proben werden ausschließlich feste und flüssige Substanzen in verschlossenen Gefäßen entgegengenommen. Körperflüssigkeiten, wie Blut, Urin, Sputum oder Spritzen und Fixerutensilien können nicht untersucht werden. Bereits wenige Milligramm oder Milliliter reichen für die Bestimmung per HPLC-DAD oder GCMS aus.

Aus der Apothekerkammer Westfalen-Lippe gingen im letzten Jahr zum Beispiel 141 verdächtige Proben ein. Bei 30 Prozent stellte sich der Verdacht als unbegründet heraus, während 98 Proben (70 Prozent) Rauschstoffe oder andere gefährliche Substanzen enthielten. Sawazki: "Für uns wäre es hilfreich, in exotischen Fällen, in denen es nicht um Rausch- oder Stärkungsmittel geht, von den Kollegen einen Hinweis zur Fragestellung zu erfahren."

Um nicht von Süchtigen missbraucht zu werden, gibt das Labor nur Angaben über die Identität weiter, der Reinheitsgehalt wird nicht genannt. "Für Kollegen führen wir auf Nachfrage auch Gehaltsbestimmungen durch. Dabei geht es häufig um angeblich unterdosierte Methadonrezepturen", erklärt der Pharmazeut. Das Ergebnis bestätigte bisher meistens die korrekte Arbeit der Apotheker.

Die Drogenanalyse kostet 40 DM. Bei positivem Befund werden den Apotheken der Untersuchungsbericht und die Chromatogramme zugeschickt. Bei Rückfragen oder weitergehenden Fragen stellen Sawazki und seine Kolleginnen und Kollegen weitere Informationen zur Verfügung. Ansprechpartner ist die Apotheke der Rheinischen Kliniken Viersen, Johannisstraße 70, 41749 Viersen, Telefon: 02162/963350. Top

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