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ASS nicht unter 16 Jahren

28.10.2002
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Großbritannien

ASS nicht unter 16 Jahren

von Christina Hohmann, Eschborn

Die britische Zulassungsbehörde MCA (Medicines Control Agency) plant, die Altersgrenze zur Einnahme aller Acetylsalicylsäure-haltigen Präparate von derzeit 12 auf 16 Jahre anzuheben. Eine endgültige Entscheidung soll Ende November fallen.

Die Regelung würde dann per Gesetz im März 2003 in Kraft treten, berichtet die britische Zeitung „The Guardian“. Allerdings sollen so bald wie möglich entsprechende Warnungen auf Arzneimittelverpackungen aufgedruckt und an den Kassen schriftliche Informationen ausgelegt werden. 1996 hatte die unabhängige Arzneimittel-Kontrollbehörde CSM (Committee on Safety of Medicines) Acetylsalicylsäure bereits die Zulassung für Kinder unter zwölf Jahren entzogen.

Grund für die geplante Anpassung ist das Reye-Syndrom, eine seit langem bekannte, seltene, nach fieberhaften Virusinfektionen auftretende Erkrankung von Gehirn und Leber bei Kindern und Jugendlichen, meldet die Bayer AG in einer Pressemitteilung. Das Syndrom äußert sich zunächst durch grippeähnliche Symptome, Fieber und Erbrechen, später kann es zu Schläfrigkeit, Bewusstseinsstörungen und Atemstillstand kommen. Die genaue Ursache ist bis heute unbekannt. Auch ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Einnahme von ASS und dem Reye-Syndrom ist bislang nicht nachgewiesen. So tritt die Erkrankung auch dann auf, wenn andere oder keinerlei Arzneimittel verabreicht wurden, meldet Bayer weiter.

Es gibt für die Altersgruppe zwischen 13 und 15 genügend andere geeignete Schmerzmittel, die Paracetamol oder Ibuprofen enthalten, erklärte CSM-Direktor Alasdair Breckenridge. Diese wurden nicht mit dem Reye-Syndrom in Zusammenhang gebracht. Daher ist es nicht nötig, Jugendliche unter 16 Jahren einem, wenn auch kleinen, Risiko auszusetzen. Seit 1986 sind17 Reye-Syndrom-Fälle in Zusammenhang mit ASS-haltigen Präparaten aufgetreten. Betroffen waren auch sieben Kinder unter zwölf Jahren. Der zuletzt bekannte Fall war ein 13-jähriges Mädchen, das in diesem Jahr verstarb. Breckenridge betonte in einer Presserklärung, es bestehe kein Grund zur Besorgnis oder gar Panik. Das Reye-Syndrom-Risiko sei sehr gering. Top

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