Pharmazeutische Zeitung online

Kanzerogene Stoffe in Drogen und Lebensmitteln

18.09.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-VerlagPHARMACON WESTERLAND

Kanzerogene Stoffe in Drogen
und Lebensmitteln

von Daniel Rücker, Westerland

Die Ernährung gilt heute als wichtigster Faktor für die Entstehung von Krebs. Erst dahinter folgen Rauchen und Infektionen. Lebensmitteln deshalb mangelhafte Qualität zu unterstellen wäre jedoch falsch, denn ihre toxikologische Belastung durch kanzerogene Chemikalien, ist heute vergleichsweise niedrig. Wenn die Produkte nach angemessenen Qualitätsstandards produziert und richtig gelagert würden, dann besäßen sie kein krebsinduzierendes Potenzial, sagte Professor Dr. Gerhard Eisenbrand vom Institut für Lebensmittelchemie der Universität Kaiserslautern.

So enthalten heute nach GMP-produzierte Produkte nur noch Spuren an Nitrosaminen. Nach Eisenbrands Erkenntnissen nimmt ein Deutscher pro Tag rund 0,2 µg der gefährlichen Substanzen auf. Dies liegt um den Faktor 200 bis 300 unter dem Wert von 10µg/kg KG. Diese Menge gilt als unterer Grenzwert für einen nachweisbare kanzerogene Wirkung.

Wie Eisenbrand erläuterte werden kanzerogene Substanzen erst durch die Metabolisierung im Körper gefährlich. Maßgeblich beteiligt an der Umwandlung von wenig reaktiven Prokanzerogenen in elektrophile ultimative Kanzerogene seien zumeist Isoformen der Cytochrom P (CYP) 450-Enzyme. So entwickeln Nitrosamine ihre gesundheitsschädlichen Eigenschaften nach der Metabolisierung durch CYP 450 2E1.

Entwarnung gab Eisenbarnd auch für verschiedene Arzneimittel, die im Verdacht stehen, durch Metabolisierung in kanzerogene Substanzen umgewandelt zu werden. So werde zwar Metamizol im Körper nitrosiliert, einen messbaren Einfluss auf das Krebsrisiko habe der Arzneistoff aber nicht. Und auch bei Bromhexin sei kein negativer Effekt festzustellen.

Wesentlich mehr Kopfzerbrechen als Lebensmittel bereiten dem Lebensmittelchemiker heute Arzneidrogen oder Kräutermischungen, die sich unter dem Begriff Traditionelle chinesische Medizin (TCM) in Europa großer Beliebtheit erfreuen. Immer häufiger kommen auch in Deutschland fernöstliche Produkte auf den Markt, deren Zusammensetzung nicht bekannt ist und häufig auch noch starken Schwnakungen unterworfen ist. Im Allgemeinen würden solche Produkte in ihren Herkunftsländern nur schlecht kontrolliert. Häufig entfalle sogar die Identitätsprüfung.

Wie fatal die Nachlässigkeit der Hersteller für die europäischen Verbraucher sein kann, zeigt ein Fall aus Belgien. Dort kam zu Beginn der neunziger Jahre eine Pflanzen-Mischung aus China in den Handel, die bei mehr als hundert Menschen eine Nephropahie verursachte. Wie sich bei der Untersuchung herausstellte, enthielt das Medikament eine hohe Konzentration an Aristolochiasäure, die ein starkes kanzerogenes Potenzial hat.

Der Grund für diese Verunreinigung war eine schlichte Verwechslung, die chinesische Mischung enthielt statt Stephania tetrandra die gefährliche Droge Aristolochia fangchi. Die Hersteller hatten die beide Pflanzen verwechselt, weil sie auf chinesisch ähnliche Namen haben.

Eisenbrand rief eindringlich dazu auf, TCM-Produkte stärker zu kontrollieren und deren Anhänger besser über die potenziellen Gefahren aufzuklären. Ansonsten könne seien weitere Zwischenfälle wie der in Belgien nicht ausgeschlossen. Top

© 2000 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa