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20.09.1999
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Schutz für gestresste Zellen

PZ-Artikel

Oxidativer Stress begünstigt Arteriosklerose, KHK und diabetische Gefäßkomplikationen. Antioxidative Vitamine schützen den Körper vor den Auswirkungen der Sauerstoffradikale. Am besten belegt ist der klinische Effekt von Vitamin E.

Ein Teil der Sauerstoffradikale entsteht als unliebsames Nebenprodukt der Atmungskette. Außerdem bilden Immunzellen beim Kampf gegen eingedrungene Fremdorganismen die aggressive Substanz. Zu den hausgemachten Radikalen kommen solche hinzu, die durch exogene Faktoren erzeugt werden, etwa durch Zigarettenrauch, UV-Strahlung und verschiedene Chemikalien.

Wie Professor Dr. Henning Schröder, Halle, ausführt, schädigen die Radikale den Körper auf mehreren Wegen: Der Angriff auf die Membranen führt zur Lyse der attackierten Zellen; Antioxidantien fördern die Bildung von oxidiertem LDL und lassen so arteriosklerotische Plaques wachsen. Im Zellkern können sie das Erbgut schädigen und Krebs auslösen.

Im Vordergrund bei der Prävention dieser Effekte stehen die antioxidativen Vitamine C und E, die den Organismus an unterschiedlichen Stellen schützen. So unterbricht Vitamin E die Lipidperoxidation und verhindert dadurch Schäden an den Plasmamembranen, erläuterte Schröder.

Neben seiner antioxidativen Wirkung habe Vitamin E noch weitere Stärken. Es hemme die Proteinkinase C und stoppe dadurch die Proliferation von Gefäßendothelzellen, erläuterte Schröder. Dies gelte jedoch nur für das natürliche RRR-a-Tocopherol, b-Tocopherol sei hier wirkungslos. Wie der Wissenschaftler weiter berichtet, mehren sich in letzter Zeit die Indizien, dass Antioxidantien auch in die Genexpression eingreifen können und so einen Schutz vor Krebserkrankungen bieten.

Neue Studien deuten darauf hin, dass die Familie der antioxidativen Substanzen ein weiteres Mitglied bekommt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Vitamin, sondern um eine Substanz aus der Gründerzeit. Wie der Hallenser Pharmazeut berichtete, wirkt die Acetylsalicylsäure als indirektes Antioxidans. Sie fördert die Bildung des Eisen-speichernden Peptides Ferritin. Eisen katalysiert die Bildung von Sauerstoffradikalen. Das vom Ferritin aufgenommene Eisen wird katalytisch inaktiv. Die von ASS induzierte Ferritin-Bildung blockiert somit die Bildung von Radikalen. Ein weiterer pharmazeutischer Oldtimer, die Gruppe der NO-Donoren, hat offensichtlich dieselbe Wirkung.

Schröder erwartet, dass die Kombination von ASS und Vitamin E besonders effektiv ist. "Es ist immer gut, wenn zwei Substanzen denselben Prozess an unterschiedlichen Stellen blockieren." Bei ASS und Vitamin E sei dies der Fall. ASS fördert die Ferritinbildung, Vitamin E fängt die Radikale ab. In-vitro-Untersuchungen stützen die Vermutung. Die Kombination der beiden Substanzen schützt Zellen effektiver vor oxidativem Stress als die Monosubstanzen.

Soweit die Theorie. Für einen validen Beweis, dass Antioxdantien auch in der Praxis helfen, fehlen nach Schröders Einschätzungen in vielen Fällen noch die klinischen Daten. Am besten sehe es für Vitamin E aus. Die Nurses Health Study und die Health-Professionals Follow-up-Study belegen eine Reduktion des kardiovaskulären Risikos um 40 Prozent bei täglicher Einnahme von 100 bis 400 I. E. Vitamin E. Darüber hinaus habe die Substanz in der CHAOS-Studie das Risiko eines nichttödlichen Herzinfarktes um 77 Prozent gesenkt.

Zur kardiovaskulären Prävention rät Schröder die Kombination von Vitamin E (300 I. E. täglich) und C (250 mg). In Zukunft müsse die Effektivität der Kombination beider Vitamine klinisch untersucht und belegt werden. Da beide Vitamine in dieser Dosierung keine Nebenwirkungen haben, müsse mit der Einnahme aber nicht bis zum positiven Ergebnis der Studie gewartet werden.

Doch sollten die Vitamine nicht eingenommen werden, um einen ungesunden Lebensstil zu kompensieren. "Antioxidantien ersetzen nicht die gesunde Ernährung," sagte Schröder. Weniger rotes Fleisch, mehr Obst und kein Nikotin sollten Maxime für diejenigen sein, die sich mit zusätzlichen Vitaminen schützen.

Trotz weniger klinischer Daten empfiehlt Schröder auch den Einsatz von Vitamin C zur Infektabwehr. Das Vitamin finde sich in den für die unspezifische Immunabwehr zuständigen Phagozyten in hoher Konzentration. Phagozyten bekämpfen Eindringlinge durch die Produktion von Sauerstoffradikalen. Allerdings handelt es sich hierbei um ein Selbstmordkommando, bei dem die Immunzellen selbst zu Grunde gehen. Vitamin C verhindere wahrscheinlich diese oxidative Selbstzerstörung, so Schröder. Die längere Lebensdauer der Phagozyten steigere die Schlagkraft des Immunsystems. Vitamin C reduziere allerdings nur die Schwere eines Infektes, sagte Schröder, die Häufigkeit bleibe unbeeinflusst.

Wesentlich schlechter sieht es bei Betacaroten aus. In der viel diskutierten CARET-Studie schützte das Vitamin Raucher nicht vor Lungenkrebs. Vielmehr schien es sogar die Entstehung von Tumoren zu begünstigen. In jedem Fall erwies sich der Einfluss des Lebensstils als wichtiger. Top

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