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Pestwurz zur Migräneprohylaxe

28.06.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

Pestwurz zur Migräneprohylaxe

von Stephanie Czajka, Berlin

Einer Pilotstudie zufolge, hilft ein Extrakt aus den Wurzeln der Pestwurz (Petasites hybridus) gegen Migräne. Bisher sei Pestwurz zur Therapie der Migräne eingesetzt worden, die Stärken dieser Arzneipflanze lägen aber in der Prophylaxe, meinte Professor Dr. Werner Grossmann vom Städtischen Krankenhaus München-Harlaching auf einem Symposium der Migräne Liga e.V. in Berlin.

In einer doppelblinden Pilotstudie mit 60 Patienten hatten nach drei Monaten Anzahl und Dauer der Migräneattacken im Vergleich zu Placebo signifikant abgenommen. Die Schmerzen waren schwächer ausgeprägt. Die Patienten hatten zweimal täglich zwei Kapseln des Präparates Petadolex® eingenommen. Er gebe heute in den ersten zwei Wochen immer drei mal täglich zwei Kapseln, sagte Grossmann. Das Präparat wird wie eine Kur drei Monate lang verabreicht und dann langsam abgesetzt. Grossmann zufolge ist eine Wirkung über die Dauer der Einnahme hinaus zu beobachten. Bei Bedarf könne der Patient erneut mit der Prophylaxe beginnen. Nebenwirkungen hätte der Extrakt nicht, versicherte Grossamnn.

Eine Kapsel enthält 25 mg standardisierten Wurzelextrakt von Petasites hybridus. Die Pflanze wächst besonders an Bach- und Flußufern. Sie bildet riesige Blätter aus. Pestwurz blüht wie Huflattich im Frühjahr, bevor die Blätter sich entfalten. Hellrosa bis lila Blütenköpfchen stehen dichtgedrängt an einem mit Schuppenblättern bedeckten Stengel.

Die toxische Pyrrolizidinalkaloide, aufgrund derer die Pflanze als Arzneidroge in Verruf geraten ist, werden bei der Herstellung entfernt. Hauptinhaltsstoffe sind die Sesquiterpenalkohole Petasin und Isopetasin. Sie sind jedoch nicht allein für die Wirkung verantwortlich. Der Extrakt hemme die Leukotriensynthese und wirke spasmolytisch auf glatte Muskelzellen, meinte Grossmann. Er wies darauf hin, daß eine multizentrische Studie an über 100 Patienten fertig geplant sei und voraussichtlich im Winter begonnen werde. Die Studie soll mit dem Antrag auf Nachzulassung eingereicht werden. Top

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