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Statine zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis

05.07.2004  00:00 Uhr

Statine zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Ergebnisse einer britischen Studie weisen darauf hin, dass sich der anti-inflammatorische Effekt von HMG-CoA-Reduktasehemmern auch zur Besserung der Symptome der rheumatoiden Arthritis einsetzen lässt.

Die rheumatoide Arthritis ist gekennzeichnet durch eine entzündliche Synovitis, Zerstörungen der Gelenke sowie eine beschleunigte Atherogenese. Patienten mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, gleichzeitig an einer arteriosklerotisch bedingten Gefäßerkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken. HMG-CoA-Reduktasehemmer (Statine) bewirken eine klinisch signifikante Risikoreduktion für vaskuläre Erkrankungen bei Patienten ohne entzündliche Erkrankungen. Es wird vermutet, dass sie auch immunmodulatorische Effekte besitzen. Die Autoren der Studie untersuchten daher, ob Statine in der Lage sind – bei gleichzeitiger Reduktion vaskulärer Risiken – auch inflammatorische Faktoren der rheumatoiden Arthritis zu reduzieren.

Hierzu erhielten insgesamt 116 Patienten in einer randomisierten Doppelblindstudie entweder täglich 40 mg Atorvastatin oder Placebo. Dabei wurde die jeweilige Basistherapie mit Methotrexat, Leflunomid, D-Penicillamin, Sulfasalazin, eine Goldtherapie, Azathioprin, Cyclophosphamid, Hydroxychloroquin oder Cyclosporin beibehalten. Die Studiendauer betrug sechs Monate. In dieser Zeit wurden die Arthritissymptome wie Schwellungen der Gelenke und Schmerzen sowie der Schweregrad der Erkrankung mittels eines Rheumascores (DAS28) bestimmt. Zusätzlich wurden vaskuläre Risikofaktoren bestimmt.

Bei den mit Atorvastatin behandelten Patienten zeigte sich nach sechs Monaten eine geringe, jedoch statistisch signifikante Verbesserung der Arthritissymptome und Krankheitsaktivität im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Auch die CRP-Werte und die Blutsenkung waren unter der Statin-Therapie signifikant verbessert (p < 0,001 beziehungsweise p = 0,005). In der Anzahl unerwünschter Wirkungen ergab sich in beiden Gruppen kein Unterschied.

Fazit: Trotz der geringen Patientenzahl und der kurzen Therapiedauer liefert die Studie Hinweise für positive Effekte von Atorvastatin und vermutlich auch anderer Statine auf die entzündlichen Symptome einer rheumatoiden Arthritis. Die Patienten profitieren auch im Hinblick auf eine Vermeidung kardiovaskulärer Erkrankungen. In einem Kommentar der gleichen Ausgabe wird vor einer vorschnellen Empfehlung der Statine bei der rheumatoiden Arthritis gewarnt, da Langzeitstudien zur Wirksamkeit ausstehen.

Quellen:
McCarey, D. W. et al. Trial of Atorvastatin in Rheumatoid Arthritis (TARA): double-blind, randomised placebo-controlled trial. Lancet 363 (2004) 2015 - 2021.
Klareskog, L., Hamsten, A. Lancet 363 (2004): 2011 - 2012.
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