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Aidsimpfstoff enttäuscht in Phase-III-Studie

03.03.2003
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Aidsimpfstoff enttäuscht in Phase-III-Studie

PZ/dpa  Die erste klinische Phase-III-Studie mit einem Aidsimpfstoff hat enttäuschende Ergebnisse gebracht, wie die Herstellerfirma VaxGen aus dem kalifornischen Brisbane meldet. Die Vakzine schützte die Studienteilnehmer nicht vor einer Infektion mit dem humanen Immundefizienz Virus (HIV).

Angesichts der bedrohlichen Ausmaße der Aids-Epidemie und der immensen Geschwindigkeit, mit der sich das HI-Virus ausbreitet, wurden Ergebnisse einer klinischen Studie selten so gespannt erwartet wie im Falle des ersten Aidsimpfstoffs. Doch die als Aidsvax bekannte Vakzine der US-amerikanischen Firma VaxGen konnte die etwa 5400 Teilnehmer der Studie nicht vor einer Infektion mit HIV schützen.

Die getestete Substanz gehört zur ersten Generation von Impfstoffkandidaten (ausführlicher Hintergrundbericht zu HIV-Impfstoffen). Die Vakzine enthält das virale Protein gp120, das in der Lipid-Doppelschicht-Hülle des Virus eingelagert ist und ihm hilft, an seine Wirtszellen, die menschlichen Immunzellen, anzudocken. Das körperfremde gp120-Protein regt das Immunsystem der geimpften Personen zur Produktion von Antikörpern an, die sie bei einem späteren Kontakt mit dem HI-Virus gegen eine Infektion schützen sollen. VaxGen gewinnt das Hüllprotein aus gentechnisch veränderten Eierstock-Zellen von Hamstern. Da der Impfstoff nicht das komplette Virus, sondern nur ein rekombinantes Protein enthält, ist eine Infektion durch die Impfung ausgeschlossen.

Die doppelblinde placebokontrollierte Studie an 59 Zentren in Nord- und Mittelamerika sowie Europa umfasste 5400 HIV-negative Teilnehmer: etwa 5100 homosexuelle Männer und 300 Frauen. Zwei Drittel der Probanden wurden in einem Zeitraum von drei Jahren insgesamt siebenmal mit dem Vakzinekandidaten geimpft. Das restliche Drittel erhielt ebenso oft ein Placebo. Im Verlauf der Studie infizierten sich 5,7 Prozent der geimpften Teilnehmer mit dem HI-Virus. Der Anteil der Infektionen in der Placebo-Gruppe lag mit 5,8 Prozent nur unwesentlich höher.

Unter geimpften Afroamerikanern und Asiaten hatte die Infektionsrate allerdings um 67 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe abgenommen. Wegen der geringen Größe der Probandengruppe ist dieser Rückgang jedoch vermutlich nicht statistisch signifikant. Eine weitere Datenanalyse soll dies klären.

Nach Einschätzung von Experten wird der getestete Impfstoff auf Basis dieser Studienergebnisse nicht zugelassen. Das Resultat kommt laut der «New York Times» nicht überraschend. Die Mehrzahl der Aidsforscher hatte dem Impfstoff nur geringe Chancen eingeräumt, den seit Jahren erhofften Durchbruch zu bringen. Der Hauptgrund ist, dass das bivalente Vakzin bestenfalls nur vor zwei Stämmen des Virus HIV-1B und HIV-1E schützen kann – den in Europa und Nordamerika beziehungsweise in Thailand vorherrschenden Typen.

Als „enttäuschend“ bezeichnete auch Dr. Seth Berkley, Präsident der International Aids Vaccine Initiative (IAVI), die vorgelegten Daten. Doch: „Wir lassen uns nicht entmutigen. Die Suche nach einem Aidsimpfstoff wird und muss weitergehen.“ Weitere Kandidaten, die auf anderen Wirkmechanismen beruhen, befinden sich bereits in der klinischen Prüfung. „Diese müssen so schnell wie mögliche in weiterführende Studien eingebracht werden.“ Top

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