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Viagra aus dem Internet

23.02.2004
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Viagra aus dem Internet

von Mona Tawab und Manfred Schubert-Zsilavecz, Eschborn

Im Auftrag des Magazins „Focus“ untersuchte das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker Viagra und Nachahmerpräparate aus dem Internet. Das Ergebnis der Gehaltsanalyse stimmt bedenklich.

„Billiger, per Mausklick und ohne Rezept“, so werden die Potenzmittel Viagra®, Levitra® und Cialis® im Internet beworben. Wie es mit der Wirksamkeit dieser billigen Potenzpillen tatsächlich steht, wollte das Magazin Focus überprüfen und bestellte das Originalpräparat von Pfizer und vier Nachahmerprodukte per Internet.

In einem unauffälligen Briefumschlag kam per Luftpost aus Indien: Caverta (rote Viagra-Generika-Pillen des größten indischen Pharmakonzerns Ranbexy) und Zenegra (blaue Pillen von Alkem). Runde blaue Generic-Tabletten trafen aus dem Karibikstaat Belize ein und die russische Originalpackung kam über die Niederlande. In allen Präparaten wurde der Wirkstoff als Sildenafilcitrat entsprechend 100 mg Sildenafil deklariert.

Alle Tabletten waren optisch einwandfrei beschaffen und zeigten weder Beschädigungen noch Verfärbungen oder Flecke auf den Tablettenoberflächen. Aus jeweils einer der zur Verfügung stehenden Tabletten wurde der Wirkstoff Sildenafil extrahiert und in den resultierenden Probelösungen zunächst mit Hilfe einer dünnschichtchromatographischen Methode bezüglich Identität und Gehalt (semiquantitativ) untersucht. Die DC-Untersuchung ergab, dass Sildenafil in allen Proben vorhanden war. Dabei konnte in vier Proben ein der Deklaration entsprechender Gehalt bestimmt werden, während ein Produkt einen geringeren Gehalt aufzuweisen schien.

Daher wurde anschließend mit Hilfe eines empfindlicheren HPLC-Verfahrens der Gehalt des Wirkstoffes Sildenafilcitrat exakt bestimmt. Die Quantifizierung erfolgte dabei über die Peakfläche des Sildenafils gegenüber der Fläche einer Referenzstandardlösung mit einer deklarierten Konzentration. Die HPLC-Analysen bestätigten die Ergebnisse der DC-Bestimmungen (Kasten). Danach entsprechen den Arzneimittelprüfrichtlinien das Pfizer-Original-Präparat, das Pfizer-Original-Viagra mit russischer Aufschrift sowie Caverta und Zenegra aus Indien. Das Generikum aus Belize dagegen weist einen deutlichen Mindergehalt auf und ist daher zu beanstanden.

 

  • 96,2 mg Sildenafil/Tablette im Pfizer-Original-Präparat (entsprechend 96 Prozent der Deklaration)
  • 99,9 mg Sildenafil/Tablette Pfizer-Original-Viagra mit russischer Aufschrift (entsprechend 100 Prozent der Deklaration)
  • 97,7 mg Sildenafil/ Tablette in der Generika-Viagra-Probe aus Indien (entsprechend 98 Prozent der Deklaration)
  • 99,2 mg Sildenafil/ Tablette in der Generika-Viagra-Probe aus Indien (entsprechend 99 Prozent der Deklaration)
  • 60,3 mg Sildenafil/ Tablette in der Generika-Viagra-Probe aus Belize (entsprechend 60 Prozent der Deklaration)

 

„Das ist ein Skandal ohnegleichen“ entrüstet sich der wissenschaftliche Leiter des ZL, Professor Dr. Schubert-Zsilavecz. Unterdosierte Präparate könnten bei mangelnder Wirksamkeit den Patienten leicht dazu verleiten, die Dosis zu erhöhen. Erhält dieser Patient in einer späteren Bestellung korrekt dosierte Arzneimittel, so könne die Dosiserhöhung verheerende gesundheitliche Folgen haben. Sicherlich seien diese Gehaltsanalysen statistisch nicht repräsentativ, doch wiesen sie auf erhebliche Qualitätsmängel hin, die bei Bestellungen von Arzneimitteln aus unklaren Quellen über das Internet auftreten können. Top

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