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Antirheumatika schlecht fürs Herz?

11.09.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Antirheumatika schlecht fürs Herz?

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Patienten, die nicht steroidale Antirheumatika einnehmen, erkranken deutlich häufiger an einer Herzinsuffizenz. Das folgern australische Wissenschaftler aus einer Fallkontrollstudie mit 365 Patienten.

Sowohl die erwünschten als auch die unerwünschten Effekte der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) resultieren aus der Hemmung der Prostaglandinsynthese. Obwohl Prostaglandine sowohl vasodilatorisch als auch vasokonstriktorisch wirken, steigt nach NSAR-Gabe in der Summe der systemische vaskuläre Widerstand und die Nieren empfindlicher Patienten werden weniger durchblutet. Bei einigen Patienten mit beeinträchtigter Ventrikelfunktion kann es zu einer Stauungsinsuffizienz des Herzens kommen. Einige experimentelle Studien belegen diesen negativen hämodynamischen Effekt der NSAR. Bislang fehlen allerdings klinische Daten.

Eine australische Fallkontrollstudie untersucht jetzt das Risiko einer Herzinsuffizienz bei Patienten, die NSAR einnahmen. Hierzu werteten die Wissenschaftler die Daten von insgesamt 365 Patienten aus, die wegen einer primären Herzinsuffizienz der Klasse III bis IV (nach NYHA) ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Als Kontrollgruppe dienten 658 Patienten, die ohne Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Ob und wieviel ASS oder andere NSAR die Patienten im Vorfeld eingenommen hatten, ermittelten die Forscher mit einer strukturierten Befragung.

Hatten die Patienten in der Woche zuvor NSAR (außer niedrig dosierter ASS) eingenommen, so mussten sie doppelt so häufig auf Grund ihres Herzinsuffizienzrisikos eingeliefert werden. Bei den Patienten, die trotz ihrer bestehenden Herzerkrankung bereits NSAR einnahmen, stieg das Risiko sogar auf das Zehnfache. Das Risiko stieg mit der NSAR-Dosierung sowie der Länge der Halbwertszeit des Arzneistoffes. Bei ihrer Auswertung berücksichtigten die Wissenschaftler das Alter der Patienten, mögliche Begleiterkrankungen sowie die Einnahme anderer Arzneistoffe.

Die vorliegenden Ergebnisse könnten zu einer Neubewertung der Schwere der potentiellen Nebenwirkungen der NSAR führen: Die Wirkungen auf das Herz könnten schlimmere Folgen haben als die gastrointestinalen Nebenwirkungen. Die Autoren raten dazu, NSAR bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen nur mit Vorsicht einzusetzen.

Quelle: Page, J., Henry, D. Arch. Intern. Med. 160 (2000) 777 - 784..Top

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