Pharmazeutische Zeitung online

Therapien erneut in Frage gestellt

02.05.2005  00:00 Uhr

PHARMAZIE

Morbus Alzheimer

Therapien erneut in Frage gestellt

von Dagmar Knopf, Limburg

Zwei häufig angewandte Therapien für Morbus Alzheimer scheinen nicht so effektiv wie gedacht. Vitamin E verlangsamt nicht das Fortschreiten einer »kognitiven Beeinträchtigung« und der Nutzen von Donepezil beschränkt sich auf das erste Behandlungsjahr.

Neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer geht oft ein verschwommener Zustand zwischen Gedächtnisverlust und Demenz voraus, der als »leichte kognitive Beeinträchtigung« (mild cognitive impairment, MCI) bezeichnet wird.

Laut einer nordamerikanischen Studie könnten Patienten mit MCI kurzfristig von einer Therapie mit Donepezil profitieren, während Vitamin E wohl als nachgewiesenermaßen wirkungslos eingestuft werden kann. An der randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie nahmen 769 MCI-Patienten in 69 medizinischen Zentren in den USA und Kanada teil. Die Studiendauer betrug drei Jahre. Die Probanden erhielten entweder täglich 10 mg Donepezil, 2000 IU Vitamin E oder Placebo.

Detaillierte psychologische Tests brachten die Ernüchterung: Nach 12 Monaten hatten 38 Patienten aus der Placebogruppe Alzheimer entwickelt. Aber bei denjenigen, die Vitamin E genommen hatten, sah es nicht viel besser aus. Hier hatten 33 Patienten Alzheimersymptome entwickelt. Nur unter der Therapie mit Donepezil zeigte sich innerhalb des ersten Jahres ein Effekt. Lediglich 16 Patienten waren an Alzheimer erkrankt. Am Ende der dreijährigen Studie war allerdings von diesem positiven Effekt ebenfalls nichts mehr zu sehen. Die Zahl der Alzheimerpatienten unterschied sich in allen drei Gruppen nicht signifikant.

Einzig Patienten mit einer speziellen Genvariante, dem Apolipoprotein E4, profitierten von Donepezil. Personen mit diesem genetischen Merkmal haben ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Bei ihnen sank das Alzheimerrisiko im Vergleich zu Placebo um ein Drittel. Hier hielt der Nutzen über 12 Monate an und zeigte sich sogar noch am Studienende, allerdings nur minimal und nicht mehr signifikant. Von einer Vitamin E Gabe profitieren die Genträger jedoch nicht. Möglicherweise sind die viel versprechenden Effekte von Vitamin E aus Zellkulturversuchen nicht auf den Menschen übertragbar und hatten zu viel Hoffnung geschürt. Top

© 2005 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa