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10.01.2000
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Forscher reaktivieren Apoptose-Gen

dpa-Artikel

US-Forscher sind zuversichtlich, das Apoptose-Gen p53 bei Versagen reaktivieren und seine Abwehrkraft wieder herstellen zu können. Mutationen können das Gen schachmatt setzen. Jede zweite Krebserkrankung hängt mit dem verlorenen Schutz von p53 zusammen. P53 spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Lungenkrebs, Darm-, Brust- und Hautkrebs.

Das einflussreiche Gen kann den Zelltod (Apoptose) einleiten, wenn ein Tumor zu entstehen droht. Durch bestimmte Mutationen verliert p53 aber die Fähigkeit, sich an das Steuerzentrum anderer Gene anzudocken und dort regulierend einzugreifen.

Im amerikanischen Wissenschaftsmagazin Science (Bd. 286, Nr. 5449, S. 2431) vom 24. Dezember 1999 berichten der Krebsbiologe Farzan Rastinejad und seine Kollegen von der Zentralen Forschung des Pharmaunternehmens Pfizer in Groton (Connecticut), dass sie einen Weg zur Wiederherstellung des blockierten Gens gefunden haben.

P53 verliert durch die meisten Mutationen seine klare, dreidimensionale Form, die ihm die Verbindung zu anderen Genen ermöglicht. Um diese Form wieder herzustellen, überprüften Rastinejad und Kollegen rund 100 000 Substanzen. Sie fanden tatsächlich 300, die den Eiweißstoff p53 korrekt falteten.

Erste Versuche mit einigen der Stoffe stimmen hoffnungsvoll. Sie kurbelten die Produktion richtig gefalteter p53-Proteine auf das Fünffache an und intensivierten die Aktivität des Gens um das Zehnfache. Im Tierexperiment reduzierten die reaktivierten p53-Gene das Wachstum verschiedener Tumoren um 50 bis zu 75 Prozent und verhinderten die Entstehung von Darmkrebs gänzlich.

Der p53-Spezialist Bert Vogelstein von der Johns Hopkins Universität in Baltimore (Maryland) würdigte die Arbeit seiner Kollegen als "Beweis für ein aufregendes Prinzip, das zu einer neuen Form der Krebstherapie zu werden verspricht".

Rastinejad selbst fügt hinzu, dass die Substanzen außer für Krebs noch für eine Reihe anderer Krankheiten Bedeutung gewinnen könnten. Bei der Alzheimer Krankheit, die zystischen Fibrose (Mukoviszidose) und der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJD) spielen ebenfalls falsch gefaltete Proteine eine wichtige Rolle. Top

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