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Erreger unterschätzt

10.12.2001
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PHARMAZIE

PHARMACON DAVOS

Erreger unterschätzt

 

von Walter Schunack, Berlin

Pest, Cholera, Lepra oder auch Typhus - über Jahrhunderte hinweg galten die Infektionskrankheiten als Geißeln der Menschheit. Erst die Entwicklung der Sulfonamide durch Gerhard Domagk sowie die Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming ebneten den Weg hin zu Antibiotika, mit denen eine wirksame Bekämpfung der Infektionskrankheiten möglich wurde.

Entgegen der damit verbundenen Erwartung, Infektionskrankheiten auf Dauer besiegen zu können, sind sie nach wie vor eine Bedrohung für die Gesundheit und das Leben der Menschen. Krankheitsbilder, ausgelöst durch fast schon in Vergessenheit geratene Erreger, sind inzwischen wieder in Krankenhäusern und Arztpraxen zu finden. Apotheker und Ärzte sind heute gezwungen, sich intensiv mit den neuen "Trends" der Infektiologie zu beschäftigen. Weit mehr noch und schneller als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts können heute Erreger als "Reisende" die Erde sehr rasch umrunden und zum globalen Ereignis werden. So lange zudem Tuberkulose, Diphtherie, Typhus und andere Infektionskrankheiten in den Ländern der dritten Welt nicht wirksam bekämpft werden, sind sie auch für uns eine nicht zu unterschätzende Bedrohung.

Problematisch ist auch die Resistenzentwicklung. Gerade in den Industrienationen entziehen sich Erreger, nicht selten auch tödlich verlaufender Infektionskrankheiten, immer häufiger dem Angriff bislang wirksamer Antibiotika. Um die Resistenzentwicklung bei Antibiotika wieder in den Griff zu bekommen, rät die Weltgesundheitsorganisation WHO dringend zu einer globalen Strategie. Die von Infektionskrankheiten ausgehende Gefahr kann besser gebannt werden, wenn das Problem der Resistenzentwicklung im Gesundheitswesen und in der Bevölkerung weltweit Beachtung findet und mit Antibiotika verantwortlich umgegangen wird. Der wichtige Beitrag, der von Apothekern in dieser Hinsicht erwartet wird, ist die umfassende Information und Beratung des Patienten zur richtigen und konsequenten Anwendung des verordneten Antibiotikums.

Dass Infektionserreger nicht nur eine natürliche Verbreitung haben, sondern diese auch gesteuert werden kann, wurde uns durch die Versendung von Milzbranderregern während der letzten Wochen bewusst gemacht. Mikroorganismen als Biowaffen - mit dieser Bedrohung bisher unbekannten Ausmaßes wächst die Verunsicherung in der Bevölkerung, und Angst macht sich breit. Hier ist die kompetente und sachliche Aufklärung auch durch den Apotheker gefragt.

Während Milzbrand seine Präsenz in den Medien derzeit fast täglich verbuchen kann, treten andere Erkrankungen in den Hintergrund. Zu diesen zählen BSE, die durch den globalen Handel ständig präsent ist, oder auch die Immunschwächeerkrankung Aids, die trotz zahlreicher neuer Therapieschemata nach wie vor als unheilbar gilt. Nach Angaben des Aids-Hilfswerks der Vereinten Nationen ist die Zahl der HIV-Infizierten gegenüber dem Vorjahr weltweit um 4 Millionen Menschen gestiegen. Daher muss sich unser Augenmerk auf die intensivere Aufklärung der Bevölkerung über präventive Maßnahmen informieren.

Die Therapie von Infektionskrankheiten ist somit nach wie vor ein wichtiges Thema für uns Apotheker. Wenn Sie sich über die aktuellen Entwicklungen informieren möchten, dann sollten Sie den PHARMACON Davos vom 20. bis 26. Januar 2002 nicht versäumen. Dazu möchte ich Sie im Namen des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer ganz herzlich einladen.

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