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Pharmazie 6

16.07.2001  00:00 Uhr

PHARMAZIE
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HIV-THERAPIE BEI SCHWANGEREN

Folgen unbekannt

 

von Stephanie Czajka, Berlin

Unter welchen Spätschäden Kinder zu leiden haben, deren Mütter in der Schwangerschaft mit antiretroviralen Medikamenten behandelt wurden, ist zur Zeit noch nicht absehbar. Das ist das Fazit eines Symposiums auf dem 8. Deutschen Aids-Kongress in Berlin. "Wir brauchen Studien zur Sicherung der Medikamente die wir bei den Kindern einsetzen", sagte Dr. Ilse Grosch-Wörner von der Charité in Berlin.

Weniger als ein Prozent der Kinder von HIV-infizierten Müttern, stecken sich im Mutterleib mit HIV an (vertikale Transmission). Diese Rate gilt für Industrieländer, wenn Wehen vermieden, mit Kaiserschnitt entbunden, vom Stillen abgeraten und antiretroviral therapiert wird. Wird überhaupt nicht interveniert, liegt die Rate in Industrieländern bei 16 bis 20 und in Entwicklungsländern bei 30 bis 40 Prozent.

Erfordern Viruslast und CD4-Zellzahl eine Therapie, wird die Mutter durchgehend mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Bräuchte sie selbst keine Therapie, weil die Zahl der Viren niedrig und die der CD4-Zellen hoch ist, erhält sie ab der 32. Schwangerschaftswoche zur Prophylaxe Zidovudin. Anders in Entwicklungsländern, dort wird - wenn überhaupt - als letzter Notnagel meist nur Nevirapin als Notfallmedikament kurz vor der Geburt gegeben.

Nebenwirkungen der Therapie bleiben nicht aus. Wie Grosch-Wörner berichtete zeigten Studien aus der Schweiz und Frankreich, dass bei Müttern und Kindern Anämien, Lactaterhöhungen und Leberfunktionsstörungen auftraten. Frühgeburten sind häufig, ob allerdings durch die antiretroviraler Therapie (ART) verursacht, wurde diskutiert. In der französischen Studie wurden an 24 von mehr als 2000 Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft antiretroviral behandelt worden waren, Mitochondriopathien beobachtet. Bei Kindern ohne ART trat diese Störung nicht auf. Mitochondriopathien werden als Ursache für schwere neurologische Störungen diskutiert. Fehlbildungen hingegen traten bei Kindern von HIV-infizierten Müttern nicht signifikant häufiger auf. Das ist zumindest das Ergebnis einer retrospektiven Studie der Medizinischen Hochschule Hannover mit mehr als 200 schwangeren Frauen, die Dr. Bettina Hollwitz in Berlin vorstellte. Ob die Kinder später an Krebs erkranken, sei noch nicht absehbar, sagte Hollwitz. "Wir wissen nach wie vor nicht, was wir den Kindern letztlich antun."

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