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Pharmazie 6

02.07.2001
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PHARMAZIE
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Pflanzliches gegen Reizmagen

 

von Elke Wolf, Frankfurt am Main

Zwar sind beim Reizmagen keine organischen Ursachen nachzuweisen, dennoch bringt er den Betroffenen erheblichen Leidensdruck. Eine gute Möglichkeit, gegen die dyspeptischen Beschwerden mit leichten Krämpfen in Magen und Darm, Blähungen und Völlegefühl anzugehen, bietet eine fixe Kombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl (Enteroplant®), hieß es auf einer Pressekonferenz von Spitzner.

Der Einsatz dieser Kombination bei Reizmagen-Beschwerden beruht in erster Linie auf den spasmolytischen und antimikrobiellen Eigenschaften der beiden ätherischen Öle. Während mit Pfefferminzöl bereits eine Reihe gezielter pharmakologischer Studien lief, gibt es zu Kümmelöl bislang nur spärliche Daten. Dagegen liegen zahlreiche empirische Erfahrungen für beide Komponenten.

"Die krampflösenden Effekte des Pfefferminzöls, genauer gesagt des Hauptinhaltsstoffes Menthol, basieren auf einem calciumantagonistischen Effekt", erklärte Dr. Traugott Ullrich, medizinisch-wissenschaftlicher Leiter bei Spitzner. Die Magenmuskulatur kontrahiert sich, da es an der Muskelzellmembran zu einer Senkung des elektrischen Potenzials kommt. Als Folge strömt Calcium in die Muskelzelle. Die intrazellulär erhöhte Konzentration an Calcium aktiviert das Ineinandergleiten der Muskelfibrillen und induziert damit die Kontraktion. Menthol hemmt den Calcium-Influx, und die Muskulatur entspannt sich.

Zwar wurde auch für Kümmelöl experimentell eine spasmolytische Wirkung nachgewiesen, die aber auf einem anderen bislang nicht bekannten Wirkmechanismus beruht. Außerdem deuten Ex-vivo-Untersuchungen am Meerschweinchen-Ileum darauf hin, dass Kümmelöl die Motorik der Magen-Darm-Muskulatur moduliert und wieder neu koordiniert. Ullrich: "Die fixe Kombination bringt die Muskulatur von Magen und Darm wieder in den richtigen Takt. Man könnte von einem medikamentösen "Magenschrittmacher" sprechen." Als magensaftresistente Darreichung sollte Enteroplant 30 Minuten vor den Mahlzeiten eingenommen werden, damit das Menthol möglichst nicht die Magenschleimhaut reizt.

Auf dem klinischen Prüfstein

Die Konsensusempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen sieht Phytopharmaka explizit zur Therapie der funktionellen Dyspepsie vor. Dafür sind valide Studien die Grundlage, sagte Professor Dr. Burkard May von der Universitätsklinik Bochum. So führte die Kombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl in einem Kollektiv mit 45 Reizmagen-Patienten nach vier Wochen zu einer deutlichen Besserung der starken und mittleren Beschwerden bei 60 Prozent der Teilnehmer, gegenüber 20 Prozent unter Placebo.

In einer weiteren Untersuchung bekamen 96 Patienten, die unter funktioneller Dyspepsie litten, zweimal täglich über vier Wochen das Phytopharmakon. Dies brachte gegenüber Placebo sowohl was die Gesamtbeschwerden als auch die Schmerzintensität angeht ein signifikant besseres Ergebnis (20 beziehungsweise 40 Prozent versus 5 beziehungsweise 12 Prozent). Die Effekte waren unabhängig vom Helicobacter-Status.

Eine doppelblinde kontrollierte Studie mit 118 Patienten bescheinigt dem verschreibungs- und erstattungsfähigen Phytopharmakon Gleichwertigkeit zum Cisaprid. Cisaprid war lange Zeit der Goldstandard in der Therapie, bis es letztes Jahr wegen der unerwünschten Herz-Rhythmus-Störungen in die Schlagzeilen geriet. Sowohl bezüglich des Dyspepsie-Scores als auch der Schmerzintensität und -häufigkeit waren beide Präparate während und nach vierwöchiger Behandlung gleich wirksam.

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