Pharmazeutische Zeitung online

Pharmazie 6

11.06.2001
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PHARMAZIE
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INTERVIEW

ZL unter neuer Leitung

 

von Hartmut Morck und Ulrich Brunner, Meran

Seit Anfang Mai ist die Institutsleitung des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker von Professor Dr. Helga Möller in die Hände des Privatdozenten Dr. Hans-Peter Deigner übergegangen. Am Rande der Pharmacon-Fortbildungswoche in Meran sprach die Pharmazeutische Zeitung mit dem neuen Leiter über seine Ziele mit dem renommierten Institut der Deutschen Apotheker.

PZ: Herr Dr. Deigner, Sie haben ein Institut übernommen mit einer mehr als zwanzigjährigen Geschichte, das sich als Vorzeigeinstitut der Deutschen Apothekerschaft entwickelt und sich einen Namen in der Fachwelt gemacht hat. Es wurde damals gegründet, um dem Apotheker für die tägliche Praxis Hilfestellungen anzubieten. Die Aufgaben der Apotheken habe sich verändert. Wo wollen Sie als neuer ZL-Leiter Schwerpunkte setzen?

Deigner: Es ist die selbstverständliche Aufgabe des Institutes, weiterhin für die Apotheken zu arbeiten; das heißt, bisherige Tätigkeiten im bewährten Sinne weiter zu führen aber auch zukunftsweisend zu ergänzen. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen für die Arzneimittelkommission, Untersuchungen von Verdachtsproben, Reihenuntersuchungen mit aktuellen Methoden sowie weitere Dienstleistungen, welche in der Satzung fest gelegt sind. Auch die von meiner Vorgängerin, Frau Professor Möller, erfolgreich begonnenen Arbeiten werden weitergeführt. Das beinhaltet u.a. eine Unterstützung der Landesapothekerkammern bei der Umsetzung der jeweiligen QMS-Satzung. Das Institut strebt darüber hinaus die Akkreditierung als Zertifizierungsstelle zur Zertifizierung von Apotheken-beliefernden Herstellern an. Damit wollen wir dem Offizinapotheker ein Einschätzungskriterium für die Qualität von Zulieferbetrieben an die Hand geben. Diese Aktivitäten werden durch das im ZL eingeführte Qualitätsmanagementsystem unterstützt.

PZ: Heißt das, dass Lieferanten und Hersteller für sich ein ZL-Zertifikat beantragen können, was früher nur für die Produkte möglich war?

Deigner: Es wird ein ZL-Zertifikat an von uns geprüfte Hersteller und Lieferanten vergeben, diese Zertifizierung soll dem Apotheker Sicherheit bezüglich der Qualität geben.

PZ: Kann diese Aktivität als Reaktion auf einen erweiterten europäischen Markt angesehen werden, der schlechter kontrollierbar geworden ist und Fälschungen Tür und Tor öffnet?

Deigner: Das ist sicher mit ein Grund für unser Engagement. Ein weiterer Grund ist, dass es inzwischen viele Zertifizierungsstellen gibt, die der Apotheker allerdings schlecht einschätzen kann. Auch deshalb wollen wir als ZL-Zertifizierungsstelle auftreten, denn das ZL kennt jeder Apotheker und bringt ihm Vertrauen entgegen.

PZ: Ein Schwerpunkt des ZL in der Vergangenheit waren unter anderem die vergleichenden Untersuchungen zur Bioverfügbarkeit beziehungsweise Bioäquivalenz. Wollen Sie diese Aktivität weiter ausbauen?

Deigner: Reihenuntersuchungen wird es natürlich weiterhin geben. Allerdings stehen dabei Bioäquivalenzuntersuchungen wie sie früher durchgeführt wurden, nicht mehr im Vordergrund. Bioäquivalenzuntersuchungen auf der In-vitro-Ebene mit Hilfe des Biopharmazeutischen Klassifizierungssystem BCS werden wir hingegen weiterführen und ausbauen. Ergebnisse solcher Untersuchungen werden von den US-amerikanischen Behörden inzwischen anerkannt und sind nicht nur für den Offizinapotheker sondern auch für Arzneimittelhersteller von Interesse. Auch die Zulassungsbehörden in Europa und in Deutschland werden sich dieses Systems bedienen, so dass es sicher sinnvoll ist, wenn sich das ZL in diesem Bereich weiterhin engagiert. Darüber hinaus wäre es von Interesse, Bioäquivalenz in bezug auf Wirkäquivalenz auf molekularer Ebene zu beurteilen. Hier zeichnen sich technologische Entwicklungen ab die gerade auch für Phytopharmaka und für toxische Beimengungen interessant sein könnten. Wir überlegen gegenwärtig in wie weit wir uns auf diesem Gebiet im Interesse des Berufstandes engagieren können.

PZ: Wird sich das ZL künftig auch im Bereich des Drug-Monitorings mit der Entwicklung entsprechender Untersuchungsmöglichkeiten engagieren? Hier wäre eine Möglichkeit für den Apotheker, sich im Rahmen der pharmazeutischen Betreuung zum Wohl des Patienten und zur Förderung der Compliance zu profilieren.

Deigner: Das kann in der Tat ein interessantes Betätigungsfeld für das Zentrallabor werden, zumal in der Zukunft revolutionäre Möglichkeiten bestehen werden die Therapie individuell an den Patienten zu adaptieren und weiter zu begleiten. Das ZL beabsichtigt gemeinsam mit Industrieunternehmen Produkte zu entwickeln, die zur Anwendung in der Apotheke bestimmt sind.

PZ: Eine etwas heiklere Frage sollte auch gestellt werden. Das ZL ist häufig in die Kritik geraten, sich von den Bedürfnissen der öffentlichen Apotheke zu weit entfernt zu haben. Wo sehen Sie die Möglichkeiten, dass das ZL sich wieder mehr der öffentlichen Apotheke öffnet, um diese Kritik zu entschärfen?

Deigner: Bestehende aber insbesondere auch neu einzurichtende Tätigkeitsfelder die ich teilweise bereits kurz skizziert habe, sollen natürlich in erster Linie den öffentlichen Apotheken zu gute kommen. Ich beabsichtige weiterhin das analytische Methodenspektrum welches das ZL vorhält zu erweitern um Dienstleistungen anzubieten, welche für öffentliche Apotheken auch unter wirtschaftlichen Aspekten von Interesse sind. Darüber hinaus sollen nach Abstimmung mit Vorstand und Mitgliederversammlung verstärkt Fragestellungen aus der Klinischen Pharmazie bearbeitet und auch das Fortbildungs- und Schulungsangebot des ZL erweitert werden.

PZ: Herr Dr. Deigner, eine Frage zum Schluss: Warum haben Sie die Herausforderung angenommen, künftig das ZL zu leiten?

Deigner: Es ist in der Tat eine Herausforderung, aber auch eine sehr interessante, weil sehr vielseitige Aufgabe. Das ZL ist ein Dienstleister mit sowohl wirtschaftlichen als auch wissenschaftlichen Aspekten. Ich bin der Überzeugung, dass das ZL als Institut der Apothekerschaft eine Einrichtung ist, welche schnell und flexibel auf die Wünsche des Berufstandes eingehen kann und soll. In dieser Form ist das von keinem Fremdunternehmen oder Auftragnehmer zu gewährleisten. Daher wird das Zentrallabor nach wie vor benötigt und ist eine äußerst sinnvolle Einrichtung der Apothekerschaft. Diesen Aufgaben wollen wir, die sehr engagierten Mitarbeiter und ich, uns in der Zukunft stellen.

 

Zur Person

Dr. Hans-Peter Deigner ist Apotheker und Fachapotheker für Pharmazeutische Analytik und wurde nach seinem Studium an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit über Arzneistoffmetabolismus bei Professor Dr. Richard Neidlein in Pharmazeutischer Chemie promoviert. Nach einem Aufenthalt an der Harvard Medical School in Boston, USA, am Department of Biological Chemistry and Molecular Pharmacology, bearbeitete er erneut am Pharmazeutisch-Chemischen Institut in Heidelberg zunächst als Arbeitsgruppenleiter, später als Oberassistent biochemische, chemische und zellbiologische Fragestellungen zur Atherogenese. Im Jahr 1998 erfolgte die Habilitation im Fach Pharmazeutische Chemie, im Jahr 1999 erhielt Deigner für seine wissenschaftlichen Aktivitäten den W. E. Hauss-Preis der Deutschen Gesellschaft für Arterioskleroseforschung. Bis zu seinem Wechsel an das Zentrallaboratorium war Deigner zuletzt als Leiter der Abteilung Experimentelle Anästhesie am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität in Jena tätig. Zum 1. Mai dieses Jahres übernahm Privatdozent Dr. Hans-Peter Deigner die Leitung des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker in Eschborn.

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