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Zwischen Wissenschaft und Praxis

21.05.2001
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PHARMACON MERAN

Zwischen Wissenschaft und Praxis

von Ulrich Brunner, Brigitte M. Gensthaler und Hartmut Morck, Meran

Praxis und Wissenschaft ergänzen sich gerade in der Pharmazie hervorragend. Das erlebten etwa 650 Apothekerinnen und Apotheker bei der 39. Fortbildungswoche der Bundesapothekerkammer (BAK) in Meran. Ihr Kommen sei ein Zeichen, dass die Heilberufler ihren Auftrag, die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen, sehr ernst nehmen, betonte BAK-Präsident Johannes M. Metzger bei der Kongresseröffnung am 20. Mai.

Mit einem klaren "Ja" beantwortete Metzger die Frage, ob der Patient den Apotheker braucht, wenn es um Beratung und Information über seine Arzneimittel geht. Zugleich erteilte er dem Versandhandel eine deutliche Absage. Die Qualität der Arzneimittelversorgung müsse durch eine stärkere Einbeziehung der Apotheker gesichert und gesteigert werden, unterstrich der Präsident die Grundsatzpositionen der ABDA, die bei der letzten BAK-Mitgliederversammlung in Celle einstimmig angenommen wurden.

Schwerpunktthema des 39. Pharmacon vom 20 bis 25. Mai in der Südtiroler Kurmetropole sind die Erkrankungen des Urogenitaltraktes und deren Behandlung. Das Spektrum der praxisorientierten wissenschaftlichen Vorträge reicht von der gutartigen Prostatahyperplasie und dem Prostatakarzinom bis zu Harninkontinenz und erektiler Dysfunktionen. Neben den chemisch definierten Arzneistoffen wurde auch der Stellenwert der Phytopharmaka beleuchtet. Wie jedes Jahr standen viele weitere Themen auf dem Programm; unter anderem ging es um die Therapie der Multiplen Sklerose, Struktur-Wirkungs-Beziehungen, neue Antidiabetika und den Vergleich von ACE-Hemmern und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten. Die Forschung an und mit embryonalen Stammzellen diskutierten zwei Forscher aus wissenschaftlicher und theologischer Sicht. Ein Klassiker beim Pharmacon ist die Bewertung der neuen Arzneistoffe des vergangenen Jahres.

Mehrere Seminare runden die Meraner Fortbildungswoche ab: Was sollte der Apotheker bei der Beratung des inkontinenten Patienten wissen? Welche fundierte Informationen zu einzelnen Kongressthemen findet man im Internet? Ein Seminar widmete sich der Umsetzung der Leitlinien zur Qualitätssicherung in der Selbstmedikation. Ferner konnten sich die Teilnehmer in einem Workshop mit dem CAVE-Modul der ABDA-Datenbank vertraut machen.

Lebenslanges Lernen ist in vielen Branchen nötig, betonte der Präsident der Apothekerkammer der Provinz Bozen, Dr. Max Liebl, und dies müssten die Apotheker umsetzen. Ein Trend zur Banalisierung des Arzneimittels sei offenkundig: Der Patient solle zum Konsumenten, das Arzneimittel zu einer Ware mutieren, die "wie Katzenfutter" beliebig verkauft werden kann. "Ein Arzneimittel ohne Beratung ist nutzlos, ja gefährlich", setzte Liebl dagegen. Die Südtiroler Kollegen haben gerade die Diskussion um Continual Education begonnen und streben eine zertifizierte Pflichtfortbildung an. Noch seien viele Fragen offen, die gemeinsam gelöst werden sollten. Europa bietet hier eine Chance.

Den ausführlichen Bericht vom Meraner Pharmacon lesen Sie in der nächsten Ausgabe der PZ.

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