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Ein Vorbild

01.05.2000
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-PharmazieGovi-VerlagPZ-KOMMENTAR

Ein Vorbild

von Dr.Hartmut Morck Chefredakteur

Internationale Kongresse eignen sich hervorragend dazu, Vergleiche zu ziehen; so auch der 1. Weltkongress der Pharmazeutischen Wissenschaften in San Francisco. Vergleicht man rein numerisch, schneidet die deutsche pharmazeutische Forschung schlecht ab. Nur wenige deutsche Wissenschaftler meldeten Poster und Vorträge an. Der Kongress wurde dominiert von Amerikanern und Japanern. Natürlich liegt San Francisco nicht gerade vor der Haustür und ist sicher teurer als ein Kongress in Frankfurt, Berlin oder München. Trotzdem, es hätte sich gelohnt, zu hören, zu beobachten, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Dabei ist für mich sehr deutlich geworden, dass Deutschland offensichtlich Gefahr läuft, ein Entwicklungsland in Sachen Forschung zu werden. Andere Länder wie die USA und auch Japan haben längst den globalen Forschungswettbewerb angenommen und sind bereit, sowohl von staatlicher, privater als auch industrieller Seite, oft auch in Kooperationen, ohne bürokratische Hürden mehr Geld für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Das gilt insbesondere für das Gebiet der Genentschlüsslung, da man sich dadurch auch eine gezieltere Therapie erhofft, mit dem Fernziel, Krankheiten schon vor dem Ausbruch behandeln zu können. In Deutschland dagegen wurden gerade die Gelder für das Programm zur Entschlüsslung des humanen Genoms durch das zuständige Ministerium gekürzt.

Ein anderer Aspekt dieses Kongresses legte einen weiteren Unterschied offen: Während in Deutschland noch häufig die Meinung vertreten wird, die wissenschaftlichen Probleme der Pharmazie können nur von Pharmazeuten gelöst werden, denkt man in den USA längst multidisziplinär. Unter dem Dach der „Pharmaceutical Sciences„ treffen sich Pharmazeuten, Molekular- und Humanbiologen, Chemiker, Informatiker und Mediziner ohne Berührungsängste und Vorurteile. Alle haben das gemeinsame Ziel, die Herausforderung der Zukunft, die kausale Heilung einer Krankheit, anzunehmen. Deshalb fand in San Francisco kein Kongress der Pharmazeuten , sondern ein Kongress der Pharmazeutischen Wissenschaften statt, wie der wissenschaftliche Leiter des Kongresses, Professor Dr. Leslie Z. Benet, nachdrücklich betonte. Ein Kongress, der für alle offen war, die bereit sind, sich der Herausforderung der Zukunft zu stellen. Ein Vorbild für Deutschland.Top

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