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Johanniskraut bessert Problemhaut

20.09.2004
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Johanniskraut bessert Problemhaut

von Ulrike Heinrich und Hagen Tronnier, Witten

Dermatika mit Johanniskrautextrakt können Hautfeuchtigkeit, Oberflächenstruktur und transepidermalen Wasserverlust von trockener, empfindlicher oder atopischer Haut signifikant verbessern, so eine aktuelle Studie. Etwa 60 Prozent der Testpersonen beobachteten zusätzlich eine juckreizstillende Wirkung.

Immer mehr Personen stufen den eigenen Hautzustand als empfindlich ein. Nicht selten werden Unverträglichkeiten wie Rötung, Spannungsgefühl, Trockenheit oder Schuppung der Haut nach der Anwendung von Hautpflegeprodukten berichtet. In der Regel handelt es sich um objektiv erkennbare oder subjektiv empfundene irritative Intoleranzreaktionen, die unterschiedlich gut reproduzierbar sind. Gesicherte physikalisch-chemische Parameter, mit denen der Status einer empfindlichen Haut genau charakterisierbar würde, fehlen bisher allerdings noch. Die erhöhte somatische oder psychogene Reaktion auf exogene Noxen ist häufig anlagebedingt, kann aber auch erworben sein.

Zu besonders empfindlicher Haut neigen Personen mit atopischen Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis. In den westlichen Ländern leiden etwa 2,5 Prozent der Erwachsenen und 10 bis 15 Prozent der Kinder unter atopischer Dermatitis. Hierbei lösen eine überschießende Immunantwort und die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren und Zytokinen Entzündungen der Haut aus, die häufig von Rötungen und Juckreiz begleitet sind. Charakteristisch ist auch eine vermehrt trockene, raue und schuppige Hautoberfläche.

Auf die richtige Pflege achten

Bei der Hautpflege der empfindlichen, trockenen Haut sowie bei atopischen Hauterkrankungen sollten Betroffene auf alle extremen Maßnahmen verzichten. Vor allem stark durchblutungsfördernde Zusätze sowie Wirkstoffe, die ein hohes Irritationspotential aufweisen, sind hier zu meiden.

In der Entwicklung von Pflegeprodukten für besonders empfindliche Haut müssen daher Inhaltsstoffe mit geringem Irritationspotential ausgewählt und gegebenenfalls Wirkstoffe mit antiirritativem Effekt zugesetzt werden. Zudem können entsprechende Lipide im Präparat die Barrierefunktion der Haut stärken.

Eine regelmäßige Hautpflege, vor allem in den subakuten Erscheinungsphasen der atopischen Dermatitis, kann das Wohlbefinden der Patienten deutlich verbessern. Voraussetzung sind geeignete Rezepturen mit hoher Verträglichkeit, guter Pflegewirkung und geeigneten Wirkstoffen, vorzugsweise mit antiphlogistischer und juckreizstillender Wirkung.

Neue Studie zu Johanniskrautcreme

In klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Johanniskrautextrakt bei der subakuten atopischen Dermatitis gut wirksam ist (1). Gemessen anhand des SCORAD-Index (Severity scoring of atopic dermatitis) verbesserte die Behandlung mit Johanniskrautcreme Hautläsionen signifikant im Vergleich zur Placeborezeptur (2). Zudem wirkte das Verum antibakteriell, wofür Gerbstoffe, Flavonoide sowie Hyperforin verantwortlich sein dürften (3, 4).

In einer kürzlich beendeten Studie wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit sowie die kosmetische Akzeptanz einer Johanniskrautextrakt-haltigen Creme und Lotion (Bedan®, Lichtwer Pharma) zur Intensiv- beziehungsweise Basispflege bei Personen mit empfindlicher Haut oder mit atopischer Dermatitis untersucht. Insgesamt waren 117 Personen in die Studie aufgenommen.

An 50 Probanden prüften die Studienärzte die Hautverträglichkeit der beiden Rezepturen mit Hilfe eines Epikutantests. Dazu applizierten sie die Prüfpräparate unverdünnt und okklusiv auf den Rücken der Teilnehmer. Nach 48 Stunden entfernten sie die Testpflaster und protokollierten die aufgetretenen Hautreaktionen nach 48 sowie 72 Stunden. Bei keinem der Probanden traten Reaktionen auf, die auf irritative Wirkungen der Produkte hinwiesen.

Weitere 52 Probanden beteiligten sich an einem vierwöchigen Anwendungstest, wobei die Hälfte einmal täglich die Creme zur Intensivpflege an den Unterarminnenseiten auftrug. Die zweite Gruppe verwendete die Lotion als Basispflege einmal täglich nach dem Duschen.

Juckreiz gestillt

Nach vier Wochen beurteilten die Probanden mit Hilfe von Fragebögen galenische Parameter sowie die Wirksamkeit und vor allem die Verträglichkeit der Produkte. Darüber hinaus konnten sie persönliche subjektive Empfindungen anfügen.

Übereinstimmend zeichneten sich beide Produkte durch eine gute Akzeptanz bei allen 52 Probanden aus. Die galenischen Parameter beurteilten sie mit angenehm; leichte Abwertungen gab es bei der Beurteilung des Duftes, den einige als gewöhnungsbedürftig einstuften. Hier wurde allerdings bewusst auf zusätzliche Parfümierung verzichtet.

Auch das Hautgefühl beschrieben die Studienteilnehmer als angenehm, darüber hinaus stellten sie glättende, feuchtigkeitsspendende und fettende Wirkungen fest. Zusätzlich beobachteten rund 60 Prozent der Probanden eine juckreizstillende Wirkung. Nebenwirkungen traten bei keinem der Teilnehmenden auf.

Haut wird feuchter und glatter

Um die Wirksamkeit hinsichtlich feuchtigkeitsspendender, pflegender und glättender Effekte festzustellen, wurden zusätzlich an 15 Probanden die Parameter Hautfeuchtigkeit, transepidermaler Wasserverlust (TEWL) und Oberflächenstruktur der Haut mittels SELS-Verfahren (Surface Evaluation of Living Skin) gemessen. Dazu wurden beide Prüfpräparate mit einem unbehandelten Testfeld jeweils an den Unterarminnenseiten der Probanden verglichen (5 - 8). Während sich die Kontrollareale im Verlauf der vierwöchigen Studie nicht nennenswert veränderten, verbesserten sich die oben genannten Parameter in den behandelten Arealen der Unterarminnenseiten deutlich.

Unter der Johanniskrautcreme stieg die Hautfeuchtigkeit um 15 Prozent gegenüber den Ausgangswerten, unter der Lotion um 21 Prozent. Gleichzeitig sank der transepidermale Wasserverlust bei Verwendung der Creme um 30 Prozent (von 9,4 auf 6,7 g/hm2) beziehungsweise um 20 Prozent (von 9,0 auf 7,1 g/hm2) unter der Lotion. Alle Änderungen waren statistisch signifikant (p ≤ 0.01).

Zur der Beurteilung der Hautoberflächenstruktur unterscheidet das SELS-Verfahren die Parameter Hautrauhigkeit, Schuppigkeit, Glätte und Faltigkeit. Unter einer Verbesserung der Oberflächenstruktur versteht man daher eine weniger raue und schuppige sowie leicht glattere Haut, Falten werden hingegen in der Regel nur wenig beeinflusst.

Deutlich und statistisch signifikant (p ≤ 0,05) verbesserte das Verum die Hautrauhigkeit und Schuppigkeit, wobei sich die raue Hautoberfläche um 15 bis 20 Prozent verringerte und die Schuppigkeit um 65 Prozent. Hautglätte und Faltigkeit änderten sich erwartungsgemäß wenig.

 

Fazit Eine wirkungsvolle Hautpflege hat für die wachsende Anzahl von Personen mit trockener, empfindlicher Haut wie auch für Patienten mit atopischer Dermatitis eine große Bedeutung. Sie kann Trockenheit, Juckreiz, Rauhigkeit und Rötungen deutlich vermindern und gleichzeitig ein besseres Hautgefühl hervorrufen. Dabei sollten Pflegerezepturen gut wirksam und verträglich sein und gleichzeitig eine gute kosmetische Akzeptanz erzielen.

Die hier geprüften Rezepturen mit einem lipophilen Johanniskrautextrakt als Creme für die Intensivpflege beziehungsweise als Lotion für die Basispflege konnten diesen Ansprüchen gerecht werden. So verbesserten die Präparate die Hautfeuchtigkeit, den transepidermalen Wasserverlust und die Oberflächenstruktur der Haut signifikant. Darüber hinaus beschrieben die Studienteilnehmer das Hautgefühl als angenehm und gaben zu rund 60 Prozent einen juckreizstillenden Effekt an. Nebenwirkungen in Form von Reizungen oder Rötungen wurden bei keinem der 117 teilnehmenden Probanden mit trockener, empfindlicher Haut oder atopischer Dermatitis beobachtet. Somit eignen sich beide Produkte zur wirksamen und verträglichen Hautpflege.

 

Literatur

  1. Schempp, C. M., et al., Behandlung der subakuten atopischen Dermatitis mit Johanniskraut-Creme. Hautarzt 54 (2003) 248-253.
  2. European Task force on Atopic Dermatitis, Severity Scoring of Atopic Dermatitis: The SCORAD Index. Consensus Report of the European Task force on Atopic Dermatitis. Dermatology 186 (1993) 23-31.
  3. Gurevich, A. l., et al., Hyperforin, an antibiotic from Hypericum perforatum. L. Antibiotiki 16 (1971) 510-513.
  4. Schempp, C. M., et al., Johanniskraut (Hypericum perforatum L.) – eine Pflanze mit Relevanz für die Dermatologie. Hautarzt 53 (2002) 316-32.
  5. Heinrich, U., Wirksamkeitsprüfungen von Dermokosmetika. Dt. Dermatologe 6 (2003) 469-470.
  6. Tronnier, H., Empfindliche Haut. Kosmetische Medizin 19.4 (1998) 208-213.
  7. Tronnier, H., Bildanalytische Testverfahren an der menschlichen Haut. Akt. Dermatologie 26 (2000) 200-206.
  8. Tronnier, H., Dermatologische Prüfungen zur Sicherheitsbewertung von Kosmetika. Kosmetische Medizin 22 (2001) 4-11.

 

Anschrift der Verfasser:
PD Dr. Ulrike Heinrich, Professor Dr. Hagen Tronnier
Institut für experimentelle Dermatologie
Universität Witten/Herdecke
Alfred-Herrhausen-Straße 44 (FEZ)
58455 Witten

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