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Ein neues Modul zur ABDA-Datenbank

30.08.1999
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-PharmazieGovi-VerlagCAVE

Ein neues Modul zur ABDA-Datenbank

von Gabriele Pflugmann, Eschborn

Cave bedeutet eigentlich Vorsicht und beinhaltet zugleich eine Warnung. Der bekannte lateinische Terminus wurde bewusst für ein innovatives Modul zur ABDA-Datenbank gewählt. Mit CAVE kann der Apotheker bei der Arzneimittelauswahl auf patientenindividuelle Risiken prüfen.

Neben der herkömmlichen und unverzichtbaren Beratung in der öffentlichen Apotheke wird seit etwa zwei Jahren auch in Deutschland Pharmazeutische Betreuung praktiziert. Bei dieser therapiebegleitenden Beratung stehen Steigerung der Lebensqualität und Mitarbeit des Patienten neben der eigentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes im Vordergrund jeder Therapie. Der Patient wird durch die Neuausrichtung der Arzneimitteltherapie zu einer wichtigen Zielgröße, an der sich in jedem Fall die Medikamentenauswahl orientieren muss.

In den letzten beiden Jahren hat ABDATA hierzu ein neues Konzept entwickelt. Das Datenmodul CAVE unterstützt die Apotheke in ihrem Bemühen um stärkere Patientenorientierung und wird als Ergänzung zur ABDA-Datenbank angeboten.

Check, Anzeige oder Recherche

Im Brennpunkt des CAVE-Moduls steht der CAVE-Check, dass heißt die Prüfung und visuelle Darstellung patientenindividueller Arzneimittelrisiken.

Der CAVE-Check geht von der Situation aus, dass nach Rücksprache mit dem Patienten wichtige Merkmale wie dauerhafte Erkrankungen, Geburtsdatum und Allergien in einer Patientendatei im Apothekencomputer gespeichert werden. Von Vorteil ist hierbei eine Kunden- oder Patientenkarte, die der Kunde bei jedem Besuch in der Apotheke mitbringt.

Bei einer Rezeptbelieferung oder Fertigarzneimittelabgabe im Zuge der Selbstmedikation kann nun mit Hilfe der Patientenkarte beziehungsweise den Daten in der Patientendatei jederzeit auf individuelle Arzneimittelrisiken dieses Patienten geprüft werden. Der Abgleich zwischen den Daten der ausgewählten Medikation und der Patientendokumentation wird nahezu ohne Zeitverlust am Kassenterminal durchgeführt.

Der CAVE-Check wird nach einem einfachen Grundprinzip durchgeführt. Findet man einen Risikoeintrag beim Fertigarzneimittel auch in der Patientendokumentation, führt dies in jedem Fall zu einer CAVE-Meldung ("Treffer").

Ein Regelwerk legt exakt fest, wie die Datenbestände abzuprüfen sind und unter welchen Bedingungen Treffer resultieren. Stößt der Prüflauf auf einen Treffer, so wird auf dem Bildschirm eine Warnung für den Anwender erstellt, die auf den gefundenen Sachverhalt hinweist.

Zuerst erhält der Anwender in einer Übersicht Kurzinformationen zu den gefundenen Ergebnissen sowie eine Bewertung zu den möglichen Risiken. Im nächsten Schritt werden detaillierte Informationen zu den Ergebnissen gegeben. Knapp gefasste Texte erklären die weiteren Zusammenhänge und/oder schlagen Maßnahmen vor.

CAVE-Check

Der "CAVE-Check" ist eine effiziente und sinnvolle Möglichkeit, den Datenbestand des CAVE-Moduls zu nutzen. Er setzt allerdings den Einsatz einer Patientendatei voraus und verlangt die kontinuierliche Pflege der Patientendaten. Alternativ kann eine Patientenchipkarte, wie zum Beispiel die A-Card im Testgebiet Neuwied, eingesetzt werden.

CAVE-Anzeige

Eine weitere Möglichkeit, die CAVE-Daten zu verwenden, ist die "CAVE-Anzeige" zum Fertigarzneimittel. Zu jedem Fertigarzneimittel sind codierte Informationen zu Gegenanzeigen, Allergien und Alterbeschränkungen vorhanden, die beim Abverkauf angezeigt werden können, ohne dass Patientendaten eingesetzt werden müssen. Diese Möglichkeit ist gedacht für Apotheken mit hohem Anteil an Laufkundschaft oder für solche, die derzeit noch keine Patientendateien einsetzen wollen.

Mit Hilfe der CAVE-Anzeige zum Fertigarzneimittel kann der Anwender selbst Gegenanzeigen überprüfen oder beim Kunden nachfragen.

CAVE-Recherchen

Als dritte Funktion ermöglicht das CAVE-Modul umfangreiche Recherchen, insbesondere in Kombination mit der ABDA-Datenbank. Die Recherchemasken im Fertigarzneimittelteil werden um die Suchkriterien Indikationen, Gegenanzeigen, Allergien und Alter erweitert. So kann beispielsweise mit Hilfe der neuen Recherchemöglichkeiten für einen Patienten mit Wollwachsallergie eine cortisonhaltige Creme ohne Wollwachsgrundlage ausgewählt werden, oder es kann bei einer Orbital-Phlegmone ein cephalosporinhaltiges Fertigarzneimittel in einer für ein Kleinkind geeigneten Applikationsform recherchiert werden.

Die Dateninhalte von CAVE

Derzeit sind für das CAVE-Modul folgende Teilbereiche entwickelt worden oder im Aufbau:

  • Das Teilmodul "Allergie" prüft auf Allergien bei Anwendung eines Fertigarzneimittels oder einer Stoffverabreichung. Inhaltlich fallen darunter alle Arten von Stoffüberempfindlichkeiten, die sowohl immunologischer (allergischer) als auch pseudoallergischer Natur sein können. Das Modul unterscheidet zwischen dem Risiko einer Allergie und dem selteneren Risiko einer Kreuzallergie. Die Dateninhalte umfassen Wirk- und Hilfsstoffe sowie Arzneipflanzen und deren Zubereitungen.
  • Das Teilmodul "Befunde" ermöglicht die Berücksichtigung chronischer, individueller Erkrankungen oder Zustände (Befunde), die dazu führen können, dass ein konkretes Fertigarzneimittel entweder überhaupt nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen vom betreffenden Patienten angewendet werden darf. Patientenbefunde beinhalten Begriffe aus folgenden Bereichen: chronische Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz), nicht-medikamentöse Therapien (beispielsweise Dialyse, Strahlentherapie), pathologische Krankheitsbilder (zum Beispiel Niereninsuffizienz), besondere physiologische Zustände wie Schwangerschaft oder Stillzeit, Altersbereiche über 18 Jahre mit zu berücksichtigenden (patho-)physiologischen Zuständen (zum Beispiel geriatrische Patienten, Frauen im gebärfähigen Alter) und "life-style" – Lebensumfeld (beispielsweise Kontaktlinsenträger, Leistungssportler, Raucher).

Die Befunde werden dem Anwender in zwei Auswahllisten zur Verfügung gestellt. In der Liste für die "Eigenanamnese" sind überwiegend einfache Krankheitsbegriffe zusammengestellt, beispielsweise Herzinsuffizienz oder Glaukom. Die zweite Liste umfasst alle medizinischen Begriffe, die als Befunde zur Verfügung stehen, also Herzinsuffizienz sowie weitere Differenzierungen der Herzinsuffizienz in NYHA I bis IV beziehungsweise Glaukom mit seinen Differenzierungen in Engwinkel- und Weitwinkelglaukom.

Die Befunde sind als dauerhaft (statisch) oder temporär in der Patientendatei gekennzeichnet. Dies ist wichtig, da später bei positiven Ergebnissen die Gültigkeit der Befunde mit temporärer Kennzeichnung gegebenenfalls nochmals zu überprüfen sind. So wird beispielsweise die Stillzeit immer als temporär eingetragen. Bei einem positiven Ergebnis beim CAVE-Check erhält der Anwender bei der Kennzeichnung temporär den Hinweis, beim Patienten nachzufragen, ob der Befund - hier die Stillzeit - noch gültig ist.

Weiterhin wird dem Anwender bei einem Treffer mitgeteilt, ob es sich bei dem Befund um ein Ausschlusskriterium ("keine Anwendung") oder nur um eine Anwendungsbeschränkung handelt. Im Falle einer Anwendungsbeschränkung informiert das CAVE-Modul im Text über Maßnahmen.

  • Das Teilmodul "Alter" warnt bei altersunzweckmäßiger Medikation beziehungsweise altersbezogener Einschränkung der Anwendung eines Fertigarzneimittels. Ausgehend von dem gespeicherten Geburtsdatum eines Patienten in der Patientendatei kann in diesem Teilmodul geprüft werden, ob das Fertigarzneimittel beim errechneten Patientenalter ohne Einschränkungen angewendet werden darf. Die CAVE-Meldungen werden ebenfalls differenzierend bewertet in "Keine Anwendung" und "Anwendungsbeschränkung". Darüber hinaus werden altersunzweckmäßige Wirkstärken oder Darreichungsformen im Hinblick auf das Patientenalter erkannt. In diesem Fall erfolgt die Meldung "Atypische Medikation" bei "Lebensalter".
  • Im Teilmodul "Geschlecht" werden nur dann Treffer produziert, wenn geschlechtsspezifische Anwendungsgebiete des Fertigarzneimittels nicht zum dokumentierten Patientengeschlecht passen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Apothekenalltag

Das CAVE-Modul kann aufgrund seiner konzeptionellen Entwicklung als automatischer Risikocheck während jedes Abverkaufsvorganges im Hintergrund eingesetzt werden. Bei der Rezeptbelieferung wie auch im Handverkauf ist es sinnvoll, nach dem Zusammenstellen der Medikation und dem Abscannen der Artikel den CAVE-Check durchzuführen. Dabei ist für die Apotheken von großem Vorteil, dass nahezu 70 Prozent aller Kunden eine Stammapotheke haben. In diesen Stammapotheken werden in der Regel Rezepte verschiedener Ärzte eingelöst sowie auch die Einkäufe für die Selbsttherapie getätigt. Damit hat die Apotheke einen wesentlich weiteren Blickwinkel auf die Medikation als der Arzt. Gleichzeitig beinhaltet es aber auch die Chance, Informationen eines Patienten über chronische Beschwerden und gesundheitliche Probleme zu bündeln und in einer Patientendokumentation zu speichern.

Darüber hinaus erleben Apotheken einen anderen Teil des Patienten als ihn der Arzt erlebt. Stammkunden teilen oft ganz persönliche Dinge und Erfahrungen aus ihrem Lebensumfeld mit. Lässt man all diese Informationen in eine Patientendatei einfließen, so kann sinnvoll und erfolgversprechend eine Arzneimittelrisiko-Kontrolle durchgeführt werden. Der CAVE-Check erkennt vielfältige versteckte Risiken unter anderem bei Multimorbiden, die verschiedene Fachärzte konsultieren, sowie bei Rauchern oder Allergikern.

Ganz anders sieht es im Bereich der Selbstmedikation aus. Hier steht die Apotheke in der Pflicht, dass sie beraten und aufklären muss. Dabei ist es in der Praxis häufig sehr zeitaufwendig, die Risiken eines Fertigarzneimittels bezogen auf die konkreten Merkmale und Vorerkrankungen des Patienten richtig zu bewerten. Der CAVE-Check ist hier eine hervorragende Möglichkeit, ausgewählte OTC-Präparate auf Risiken hin zu prüfen. Die Apotheke steigert durch den CAVE-Check die Arzneimittelsicherheit ihrer Kundschaft und gewinnt an Beratungskompetenz, einem wichtigen Aspekt der Kundenbindung.

Im Servicebereich der Gesundheitsberatung ist das CAVE-Modul ein ganz besonderer Gewinn für das Kollektiv der Allergiker. Gerade hier wird die Apotheke von Kunden aufgesucht, um im Bereich der Körperpflege und Kosmetik informiert und beraten zu werden. Bei der Auswahl eines geeigneten Produktes fällt es aber zunehmend schwerer, die Angaben des Allergikerpasses und die Deklaration der Kosmetika nach der INCI-Nomenklatur (International Nomenclature of cosmetic ingredients) auf Übereinstimmung zu überprüfen und ein Allergierisiko auszuschließen. Mit Hilfe des CAVE-Moduls überprüfen Sie die Kosmetikprodukte oder deren Inhaltsstoffe auf die in der Patientendatei dokumentierten Allergien und erhalten in Sekundenschnelle ein sicheres Ergebnis.

Wichtiges Werkzeug in der Pharmazeutischen Betreuung

Auch für die Pharmazeutische Betreuung ist das CAVE-Modul ein fundamentales Werkzeug, wenn es darum geht, arzneimittelbezogene Probleme aufzudecken. Für die Medikation unberücksichtigte Patientenbefunde, unerkannte Allergierisiken oder für das Lebensalter unzweckmäßige Applikationsformen – all das wird durch das CAVE-Modul aufgedeckt. Insbesondere dann, wenn es darum geht, einzelne Patientenkollektive in der Selbstmedikation intensiv pharmazeutisch zu betreuen, ist das CAVE-Modul eine große Unterstützung.

Die Apotheken haben ihr Aufgabenfeld in den letzten Jahren wesentlich erweitert. Das gewachsene Informationsbedürfnis der Patienten wurde als besondere Dienstleistungsmöglichkeit der Apotheke erkannt. Im Vordergrund der pharmazeutischen Tätigkeit steht damit heute die Beratung der Patienten bei der fachgerechten Abstimmung mit ärztlichen Verordnungen und bei der Auswahl rezeptfreier Arzneimittel. Apothekerinnen und Apotheker als Spezialisten für Arzneimittelfragen und Gesundheitsprobleme werden dabei durch ein ausgereiftes Informations- und Check-System unterstützt.

Bereits auf der Expopharm 1999 in Leipzig werden Apothekensoftwarehäuser erste Umsetzungen des CAVE-Moduls zeigen. Das Modul Allergie ist seit 1998 auf dem Markt verfügbar.

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Gabriele Pflugmann,
Carl-Mannich- Straße 26,
65760 Eschborn
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