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Qualitätssicherung von Ausgangsstoffen

20.08.2001
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Qualitätssicherung von Ausgangsstoffen

von Michael Ihrig, Syed Laik Ali und Hans-Peter Deigner, Eschborn

Während der Hauptversammlung der deutschen Apotheker in Köln wurde ein Antrag der Landesapothekerkammer Brandenburg zur Qualitätssicherung von Ausgangsstoffen eingebracht. Zum Arbeitsauftrag an das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) werden die nachfolgenden Informationen gegeben und Vorschläge zur Umsetzung unterbreitet.

Der Antrag in Köln lautete wie folgt: "Die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker fordert die Hersteller und Vertreiber von Rezeptur-Ausgangsstoffen für die Apotheke auf, ihr Qualitätsmanagement offen zu legen und somit die pharmazeutische wie die rechtliche Richtigkeit ihrer Prüfzertifikate zu gewährleisten. Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker wird beauftragt, ein standardisiertes Prüfzertifikat zu erarbeiten und stichprobenartig die Richtigkeit der Reinheitszertifikate zu überprüfen".

Regulatorische Vorgaben

Die Paragraphen 6 und 11 der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) regeln die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Qualität der Ausgangsstoffe. Danach darf der Apotheker auch Arzneimittel und Ausgangsstoffe mit Prüfzertifikaten beziehen. In der Apotheke ist jedoch mindestens die Identität des Arzneimittels oder Ausgangsstoffs festzustellen. Die Verantwortung für die ordnungsgemäße Qualität verbleibt trotz Prüfzertifikat beim Apothekenleiter.

Nach § 6 Absatz 3 Satz 1 kann die Prüfung der Arzneimittel beziehungsweise Ausgangsstoffe in einem Betrieb, für den eine Erlaubnis nach § 13 des Arzneimittelgesetzes oder nach § 1 Absatz 2 in Verbindung mit § 2 des Gesetzes über das Apothekenwesen erteilt ist, oder durch einen Sachverständigen im Sinne des § 65 Absatz 4 des Arzneimittelgesetzes erfolgen.

Das ZL hat nach Anfragen an zahlreiche Unternehmen in der PZ Listen publiziert, die darstellen, welche Firmen formal valide Prüfzertifikate gemäß ApBetrO ausstellen (1, 2). Die Aufstellungen werden regelmäßig aktualisiert und ergänzt.

Anforderungen an Prüfzertifikate

Nach § 6 muss auf dem Prüfzertifikat unter Angabe der Charge sowie des Datums und den Ergebnissen der Prüfung bescheinigt werden, dass das Arzneimittel nach den anerkannten pharmazeutischen Regeln geprüft worden ist und die erforderliche Qualität aufweist. Der Ausschuss "Arzneimittel-, Apotheken- und Gefahrstoffwesen" der Arbeitsgemeinschaft der Leitenden Medizinalbeamten der Länder hat hierzu nähere Erläuterungen gegeben, die im übrigen in der Leitlinie zur Qualitätssicherung der Bundesapothekerkammer (5) "Prüfung und Lagerung der Ausgangsstoffe" aufgenommen worden sind.

Erforderliche Angaben sind:

  • Bezeichnung des Arzneimittels beziehungsweise des Ausgangsstoffes nach Arzneibuch oder einem anderen im Synonymverzeichnis angegebenen Namen beziehungsweise mit seiner INN-Bezeichnung
  • Chargenbezeichnung
  • Hersteller
  • die angewandte Prüfvorschrift
  • Prüfergebnisse und Angabe der erforderlichen Qualität (Akzeptanzkriterien)
  • Datum der Prüfung
  • Name des für die Prüfung Verantwortlichen
  • Angabe, ob das Prüfprotokoll von einem nach §§ 6 und 11 ApBetrO autorisierten Prüfungsverantwortlichen ausgestellt worden ist, zum Beispiel von einem Kontrolleiter nach § 15 AMG oder Sachverständigem nach § 65 Absatz 4 des Arzneimittelgesetzes
  • zusammenfassende Bescheinigung, dass Arzneimittel oder Ausgangsstoff nach den anerkannten pharmazeutischen Regeln geprüft worden sind, das Prüfzertifikat alle Prüfkriterien enthält, die zum Nachweis der erforderlichen Qualität notwendig sind, und die erforderliche Qualität gegeben ist

Das ZL schlägt die Vorgabe eines standardisierten Prüfzertifikats vor. Dabei sollte der Hersteller von Ausgangsstoffen durch das ZL auditiert werden, im Einvernehmen mit dem jeweiligen pharmazeutischen Unternehmen. Zudem sollten relevante auf dem Markt verfügbare Ausgangsstoffe stichprobenweise analytisch kontrolliert werden, um die in den Zertifikaten angegeben Ergebnisse zu prüfen.

Im Prüfzertifikat sollte gegebenenfalls ein Eintrag zu finden sein, dass der Hersteller vom ZL auditiert ist. Sofern pharmazeutische Regeln für die Prüfung im Arzneibuch enthalten sind, müssen diese angewendet werden. Allerdings dürfen auch alternative Verfahren verwendet werden, sofern diese zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Wenn im Arzneibuch entsprechende Angaben fehlen, so ist gemäß den Arzneimittelprüfrichtlinien nach § 26 des Arzneimittelgesetzes auf andere Vorschriftensammlungen zurückzugreifen, und zwar in der Rangfolge auf das Arzneibuch eines der Mitgliedstaaten der Europäischen Union, ein Arzneibuch anderer Staaten, wie zum Beispiel den USA (USP), sonstige Monographiewerke, wie den DAC oder mit Einschränkungen auch ältere Arzneibücher. Sind auch in diesen anderen Vorschriftensammlungen keine Angaben zu dem jeweiligen Arzneimittel enthalten, so müssen im Einzelfall eigene Prüfvorschriften entwickelt werden. Deren Übereinstimmung mit den anerkannten Regeln der pharmazeutischen Wissenschaft muss gewährleistet sein.

Falls die Spezifikation und die anzulegende Prüfvorschrift nicht in Apotheken zugänglichen Standardwerken zu finden sind, wird der Zertifikatersteller verpflichtet, die Prüfverfahren und Prüfkriterien bekannt zu geben. Eine pauschale Angabe des Prüfergebnisses, zum Beispiel "Die Qualität entspricht dem Arzneibuch" genügt auch bei Bezugnahme auf die Pharmakopoe nicht.

In einer ersten Phase sollten Hersteller auditiert werden, die nach einer Umfrage des ZL vom Juli 2000 einem Audit vom Grundsatz her zugestimmt haben. Aus den Untersuchungen für die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker ergibt sich ein breites Spektrum von Anhaltspunkten und Vorschlägen für die stichprobenweise Überprüfung marktrelevanter Ausgangsstoffe.

 

Vorschlag für ein standardisiertes Prüfzertifikat

Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller:
Anschrift:
Tel./Fax:

Prüfzertifikat
gemäß § 6 und § 11 ApBetrO

  Bezeichnung:  Chargenbezeichnung: Prüfvorschrift: Prüfdatum: Verwendbar bis: Nachprüfdatum:  

Spezifikation Prüfkriterium/Prüfverfahren Akzeptanzkriterium  Prüfergebnis ............... ............... ...............  

"Es wird bescheinigt, dass das Arzneimittel/der Ausgangsstoff nach den anerkannten pharmazeutischen Regeln geprüft worden ist, alle Prüfkriterien einbezogen worden sind, die zum Nachweis der erforderlichen pharmazeutischen Qualität notwendig sind, und dass die erforderliche pharmazeutische Qualität gegeben ist.

Für die Firma ......... ist eine Erlaubnis nach § 13 AMG erteilt. (Der Unterzeichner ist vereidigter Gegenprobensachverständiger nach § 65 Abs. 4 AMG beim [Regierungspräsidium...]). (Für den Betrieb ... ist eine Erlaubnis nach § 1 Abs. 2 ApBetrO in Verbindung mit § 2 ApoG erteilt.)

  Datum 

  Unterschrift Funktion

 

Literatur:

  1. Ali, S. L., Ihrig, M., Ausgangsstoffe und valide Analysenzertifikate, Pharm. Ztg. 25 (2000) 2054.
  2. Ali, S. L., Ihrig, M., Ausgangsstoffe und valide Analysenzertifikate, Pharm. Ztg. 30 (2001) 2630
  3. Arzneimittelgesetz in der gültigen Fassung
  4. Apothekenbetriebsordnung in der gültigen Fassung
  5. BAK-Leitlinie "Prüfung und Lagerung der Ausgangsstoffe", Pharm. Ztg. 28 (2000) 131.

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