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Olanzapin erhöht Diabetesrisiko

05.08.2002
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Olanzapin erhöht Diabetesrisiko

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Patienten, die regelmäßig das Psychopharmakon Olanzapin einnehmen, erkranken signifikant häufiger an einem Typ-2-Diabetes. Das ermittelten Wissenschaftler, die die Daten von knapp 20.000 Schizophrenie-Patienten durchsuchten.

Ende der 80er-Jahre kamen einige Antipsychotika mit neuen Wirkmechanismen auf den Markt. Die Arzneistoffe sind mittlerweile in der Behandlung der Schizophrenie akzeptiert und weit verbreitet. Hauptvorteil der neueren Antipsychotika ist ihr geringeres Potenzial für extrapyramidale Nebenwirkungen. Dafür müssen andere Nebenwirkungen wie eine Gewichtszunahme, Änderungen im Glukosemetabolismus, erhöhte Cholesterol- und Lipidwerte sowie kardiale Nebenwirkungen in Kauf genommen werden. Unter Umständen können diese metabolischen Effekte eine ähnlich gravierendes Ausmaß annehmen wie die extrapyramidalen Effekte.

Der Zusammenhang zwischen einer Therapie mit Olanzapin und dem Auftreten eines Diabetes ist bemerkenswert. Die meisten bislang publizierten Daten sind allerdings Fallberichte, die eine Zunahme eines Diabetes mellitus oder einer Hyperglykämie während der Therapie mit Olanzapin dokumentieren. Keine Berichte gibt es für Risperidon, einen Arzneistoff mit ähnlicher Indikation.

Wissenschaftler durchforsteten jetzt in einer populationsbasierten Fallstudie die Daten der in Großbritannien gegründeten allgemeinen Praxisforschungs-Datenbank, um das Diabetesrisiko von Patienten mit Schizophrenie quantitativ zu bestimmen. Hierzu erfasste das Team die Daten von insgesamt 19 637 Patienten mit Schizophrenie aus den Jahren 1987 bis 2000. 451 Patienten mit neu entstandenem Diabetes wurden mit 2696 Kontrollpersonen verglichen.

Patienten, die Olanzapin einnahmen, erkrankten um den Faktor 5,8 häufiger an Diabetes als Personen, die keine Antipsychotika einnahmen. Gegenüber Betroffenen, die konventionelle Antipsychotika erhielten, war der Faktor um 4,2 erhöht. Patienten, die Risperidon einnahmen, wiesen ebenfalls ein erhöhtes Risiko auf, das jedoch nicht signifikant war (Faktor 2,2 beziehungsweise 1,6).

Fazit: Die Anwendung von Olanzapin ist mit einem klinisch bedeutsamen, erhöhten Diabetesrisiko korreliert.

Quelle: Coro, C. E., et al. BMJ 325 (2002) 243 - 247.

 

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