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Risiko-Check für Erkrankungen

31.07.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-VerlagCAVE

Risiko-Check für Erkrankungen

von Anke Freitag, Eschborn

Chronische Erkrankungen, physiologische Zustände wie Schwangerschaft und Stillzeit und besondere Lebensumstände spielen eine bedeutende Rolle bei der Auswahl der Medikation für einen Patienten. Bei der Abgabe von Fertigarzneimitteln unterstützt CAVE die Apotheke in der Betreuung und Beratung der Patienten.

Neben Patientenmerkmalen wie Alter, Geschlecht und Allergien spielen Erkrankungen bei der Überprüfung der Medikationen eines Patienten eine besonders wichtige Rolle. In Deutschland rechnet man jährlich mit schätzungsweise 25 000 Todesfällen durch unerwünschte Arzneimittelreaktionen und 500 000 schweren arzneimittelbedingten Zwischenfällen, von denen zwischen 50 und 80 Prozent vermieden werden könnten. Zum Teil beruhen diese unerwünschten Arzneimittelreaktionen auf nicht beachteten Wechselwirkungen, Gegenanzeigen oder fehlerhaften Dosierungen.

Das CAVE-Teilmodul Erkrankung umfasst alle über die Allergien hinausgehenden Ausschlusskriterien beziehungsweise Einschränkungen zur Anwendung von Fertigarzneimitteln, die in unmittelbarem Zusammenhang zu Erkrankungen oder anderen besonderen Zuständen des Patienten stehen. Hier werden individuelle Besonderheiten zusammengefasst, die bei der Auswahl von Fertigarzneimitteln zu beachten sind. Den größten Anteil haben chronische Erkrankungen; aus diesem Grund erhielt dieses Teilmodul den Namen "Erkrankung". Berücksichtigt werden Erkrankungen, Krankheitsbilder sowie Zustände, die in der Regel dauerhaft oder für eine längere Zeit beim Patienten auftreten. Nicht darunter fallen die Symptome von chronischen Erkrankungen wie Hypoglykämie und Bronchospasmus oder Laborbefunde wie Hyperkaliämie oder Hypoproteinämie. Hier sollte die zugrundeliegende Erkrankung in der Patientendatei hinterlegt werden.

Die Patientenmerkmale werden im Folgenden als MIV bezeichnet. MIV steht für "Medikationsrelevante Individualparameter". Dabei kann es sich grundsätzlich um alle Begriffe handeln, die mit Prophylaxe, Diagnostik oder Therapie, deren Ursachen oder Folgen im Zusammenhang stehen. Bei den Fertigarzneimittels werden diese Ausschlusskriterien im Rahmen dieses Teilmoduls als "Gegenanzeigen" bezeichnet.

Die MIV können im Teilmodul Erkrankung folgende Bereiche betreffen:

  • chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Herzinsuffizienz),
  • Krankheitsbilder wie Niereninsuffizienz oder Leberfunktionsstörung),
  • besondere physiologische Zustände, wie zum Beispiel Schwangerschaft und Stillzeit,
  • Lebensabschnitte mit besonderen (patho-)physiologischen Zuständen (zum Beispiel geriatrische Patienten oder Frauen im gebärfähigen Alter),
  • besondere Lebensumstände (zum Beispiel Kontaktlinsenträger, Leistungssportler oder Raucher),
  • Behandlungen (zum Beispiel Desensibilisierung, Herzschrittmacher).

Codierung der Patienten-MIV

Um zu prüfen, ob Gegenanzeigen eines Fertigarzneimittels für einen Patienten relevant sind, müssen die zutreffenden MIV-Codes in der Patientendokumentation gespeichert sein. Zur Auswahl der in die Patientendokumentation aufzunehmenden MIV steht eine Auswahlliste mit zwei Hierarchieebenen, Haupt- und Folgebegriffen, zur Verfügung. Die MIV-Auswahlliste enthält circa 180 Begriffe. Da in der Apotheke in der Regel der Patient nach seinen Merkmalen befragt werden muss, werden für die Codierung weitestgehend die Hauptbegriffe der Liste genügen. Wenn eine ärztlich definierte Diagnose vorliegt, ist eine weitere Spezifizierung einer Erkrankung möglich und es können auch Folgebegriffe zur Verschlüsselung verwendet werden. In diesem Fall kann beim CAVE-Check noch gezielter geprüft werden.

Zu jeder MIV-Codierung ist ein Status mit dem Wert "statisch" oder "temporär" vorbelegt. Eine Abänderung ist möglich und teilweise auch notwendig, da sich der Status ändern kann. Der MIV "Diabetes mellitus Typ 1" ist zum Beispiel mit dem Krankheitsstatus "statisch" vorbelegt. Liegt bei einer Patientin ein vorübergehender Diabetes vom Typ 1 während einer Schwangerschaft vor, sollte das Kennzeichen in diesem Fall in "temporär" abgeändert werden. Bei der Kennzeichnung "temporär" muss der codierte MIV bei einer CAVE-Meldung auf Gültigkeit überprüft werden.

CAVE-Check "Erkrankung"

Bei der Abgabe von Fertigarzneimitteln kann mit Hilfe von CAVE anhand der in der Patientendatei hinterlegten MIV überprüft werden, ob eine Anwendungsbeschränkung des Fertigarzneimittels für den Patienten zutrifft. Während der Prüfung werden die beim Fertigarzneimittel hinterlegten Gegenanzeigen mit den Patienten-MIV abgeglichen. Der Datenabgleich erfolgt unter Einbeziehung einer Verknüpfungstabelle zwischen Fertigarzneimittel-Gegenanzeigen und MIV, um entsprechende Transformationen von Gegenanzeigen in MIV zu berücksichtigen. Die einem Treffer zugrundeliegende Verknüpfung zwischen Gegenanzeigen bestimmter Fertigarzneimittel und einer Patienten-MIV wird mit dem Check-Ergebnis angezeigt.

Transformation Gegenanzeige in MIV

Weshalb muss eine Transformation von Fertigarzneimittel-Gegenanzeigen in MIV durchgeführt werden? In der Arzneimittel-Datenbank sind beim Fertigarzneimittel als Risiken die Gegenanzeigen hinterlegt, auf Patientenseite sind die entsprechenden Erkrankungen dokumentiert. Häufig sind aber die beim Fertigarzneimittel genannten Gegenanzeigen (zum Beispiel obstruktive Atemwegserkrankung, respiratorische Azidose) begrifflich nicht mit dem MIV des Patienten (zum Beispiel Asthma bronchiale) identisch. Es muss also eine entsprechende Verbindung zwischen den Begriffen vorgenommen werden. Aus diesem Grund wird eine Beziehung zwischen den Gegenanzeigen und den entsprechenden Patienten-MIV mit Hilfe einer Verknüpfungstabelle hergestellt. Neben der eigentlichen CAVE-Meldung wird in einer Detailinformation der zugrundeliegende inhaltliche Zusammenhang zwischen der Gegenanzeige des Fertigarzneimittels und der Patienten-MIV näher erläutert. Die Überführung der Fertigarzneimittel-Gegenanzeigen in MIV ermöglicht erst den CAVE-Check.

CAVE-Warnhinweise

Liegt eine Anwendungsbeschränkung bezüglich einer Patienten-MIV vor, erscheinen verschiedene Warnhinweise auf dem Bildschirm:

Erscheint der Hinweis "Keine Anwendung", verbietet sich eine Abgabe des Fertigarzneimittels bei der angezeigten Fertigarzneimittel-Gegenanzeige. Das Arzneimittel sollte nur dann für die Therapie in Betracht gezogen werden, wenn eine lebensbedrohliche Indikation vorliegt, die eine Anwendung zwingend erfordert und Alternativen nicht vorhanden oder verfügbar sind oder das Risiko der Anwendung durch engmaschige Überwachung oder sonstige besondere Bedingungen in der Klinik begrenzt oder kontrolliert werden kann.

Erscheint der Hinweis "Anwendungsbeschränkung", darf das Fertigarzneimittel nur beschränkt oder unter besonderen Voraussetzungen eingesetzt werden. Dies sind beispielsweise Vorsichtsmaßnahmen wie Patienten- und/oder Therapiekontrollen, strengste Indikationsstellung, besondere Nutzen-Risiko-Abwägung oder Dosisreduktion.

Zusätzlich kann ein erläuternder Text zur Gegenanzeige des Fertigarzneimittels angezeigt werden. Hier wird beschrieben, warum das Fertigarzneimittel zum Beispiel bei der entsprechenden Gegenanzeige nicht zur Anwendung geeignet ist. Weiterhin enthält der Text Angaben zu eventuell erforderlichen Maßnahmen oder Dosisreduktionen.

Anzeige der Gegenanzeigen

Apotheken, die derzeit noch keine Patientendaten erfassen oder einen hohen Anteil an Laufkundschaft haben, können sich die beim Fertigarzneimittel codierten Gegenanzeigen zusammen mit den erläuternden Texten anzeigen lassen. Weiterhin wird an dieser Stelle die Beziehung zwischen der Gegenanzeige und den MIV aufgezeigt. Bei dieser Betrachtungsweise muss allerdings berücksichtigt werden, dass nur die Gegenanzeigen beim Fertigarzneimittel codiert sind, die im Zusammenhang mit den MIV von Relevanz sind. Weitere Gegenanzeigen und zusätzliche Informationen können den Fertigarzneimittel-Texten der ABDA-Datenbank entnommen werden.

CAVE-Recherche

Unter Zuhilfenahme von CAVE können die Recherchemöglichkeiten im Fertigarzneimittel-Modul der ABDA-Datenbank um das Kriterium "Erkrankung" erweitert werden. Bei der Suche nach bestimmten Fertigarzneimitteln können somit bestimmte Patienten-MIV ausgeschlossen werden. Fragestellungen wie ein geeignetes Analgetikum für einen Asthmatiker oder aber ein Acetylcystein-Präparat, das bei Phenylketonurie gegeben werden kann, können gelöst werden. Eine solche Recherche ist ohne einen Zugriff auf eine Patientendokumentation möglich.

Nutzen für die Apotheke

CAVE lässt sich ideal in die Kassenfunktion der Apothekensoftware integrieren. Liegen entsprechend codierte Patientendaten wie Alter, Allergien und Erkrankungen vor, können mit CAVE automatisch die Patientenmerkmale gegen die potenziellen Arzneimittelrisiken abgeprüft werden. Im Falle eines individuellen Risikos wird ein Hinweis auf den Bildschirm ausgegeben. CAVE ermöglicht so eine patientenindividuelle Beratung zur geplanten Medikation. Durch den Einsatz des CAVE-Moduls wird die Arzneimitteltherapie für den Patienten optimiert und die individuelle Arzneimittelsicherheit erhöht. Dies führt zu einer effizienten Patientenbetreuung und trägt wesentlich zur Festigung der Kundenbindung an die Apotheke bei.

Die Daten für alle vier CAVE-Teilmodule "Geschlecht", "Alter", "Allergie" und "Erkrankung" werden seit April 2000 von ABDATA an die Apotheken-Softwarehäuser ausgeliefert. Die Daten werden monatlich aktualisiert. Einzelne Softwarehäuser liefern bereits CAVE an ihre Kunden aus. Im Bereich der pharmazeutischen Betreuung stellt CAVE einen wesentlichen Baustein zur EDV-technischen Unterstützung der Apotheken dar. Für Fragen zu Umsetzungen und Terminen können sich die Apotheken direkt an ihr Systemhaus wenden. Von ABDATA werden ab September 2000 spezielle Schulungen zum Beispiel während den Pharmacon-Kongressen und Symposien zur Pharmazeutischen Betreuung angeboten.

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Anke Freitag,
ABDATA Pharma-Daten-Service,
Carl-Mannich-Straße 26,
65760 Eschborn
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