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Pharmazie

26.07.1999
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-PharmazieGovi-VerlagARZNEIMITTELINFORMATION

Vom Anbieter bis zur Nutzung
in der Apotheke

von Halmut Renz, Bremen

Moderne Medien helfen bei der Klärung mancher Frage zu Arzneimitteln. Auf welche Informationssysteme kann der Apotheker rasch zugreifen, und wo findet er valide Daten und Antworten auf spezielle Fachfragen?

Die Fachgruppe Arzneimittelinformation und Apothekenpraxis der APV veranstaltete Ende Juni zusammen mit der Apothekerkammer Niedersachsen ein Weiterbildungsseminar, das den aktuellen Stand der Informationsangebote für Apotheker aufzeigte und bewertete. Apotheker Dr. Jens Andreas Münch aus Magdeburg gab einen Überblick über die große Vielfalt der Informationsquellen - Printmedien, elektronische Offline- und Online-Medien - und sensibilisierte für deren Qualitätskriterien und Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Schwerpunkt der Weiterbildung lag bei den elektronischen Medien, deren Einsatz die Teilnehmer an praktischen Beispielen erproben konnten.

Gewaltige Datenmengen zu finden

Literaturdatenbanken wie Medline, Embase und Pharminfo bieten ausschließlich Abstracts wissenschaftlicher Originalarbeiten aus Pharmazie und Medizin. Bei teilweise erheblichen Kosten (Beispiel 4000 DM für Medline mit etwa 400000 Zitaten per anno) erhält man Zugang zu einer gewaltigen Datenmenge, die Apotheker jedoch eher selten nutzen werden.

Bei den Faktendatenbanken, zu denen die ABDA-, Drugdex- und Scholz-Datenbank zählen, sind die Informationen arzneimittelbezogen aufbereitet. Auch hier können erhebliche Kosten entstehen: Drugdex liefert für etwa 5000 DM/anno sehr umfangreiches pharmakologisches Wissen.

In der Apothekenpraxis haben sich computergestützte Arzneimittelinformationssysteme durchgesetzt, die in bestehende Warenwirtschaftssysteme integriert und deutlich preiswerter sind. Etwa 75 Prozent aller EDV-Nutzer arbeiten mit der ABDA-Datenbank, die zunächst als standardisierter Datenbestand an die Anbieter von Warenwirtschaftssystemen geliefert und von diesen in die jeweilige Software eingearbeitet wird. Über das Leistungsprofil der ABDA-Datenbank informierte Dr. Dorothee Helmecke (siehe Titelbeitrag in PZ 24/99).

Online-Medien genau prüfen

Weniger geeignet für den Einsatz im Apothekenalltag sind Informationen über Online-Medien. Diese bieten zwar den Vorteil der Aktualität und daß nur bei Nutzung gezahlt werden muß. Dem stehen aber gravierende Nachteile gegenüber: Die spezielle gesuchte Information ist in der Fülle der Angebote schwer und meist nur mit hohem Zeitaufwand zu finden. Ferner muß man die Zuverlässigkeit der Quelle genau prüfen. Oft sind die Informationen durch Werbeaussagen geprägt.

Als Informationsmanager der Hoffmann-La-Roche AG referierte Hans H. Baethke über Informationserstellung, -aufbereitung und -weitergabe in der Verantwortung des Pharmaunternehmers. Mit der Einführung des Informationsbeauftragten in der 5. AMG-Novelle trug der Gesetzgeber der Bedeutung der Arzneimittelinformation besonders Rechnung. Der Beauftragte sammelt und bewertet Meldungen über Arzneimittelrisiken und leitet notwendige Maßnahmen ein. Für die Zulassung nach dem europäischen CPMP-Verfahren (Comittee for Proprietary Medicinal Products) werden die in der chemischen und medizinischen Forschung, Pharmakologie, Toxikologie und klinischen Prüfung erhaltenen Daten zur SPC (Summary of Product Characteristics) verdichtet, aus der später die Fachinformationen erstellt werden.

Informationsprodukte, für die im wesentlichen der Vertriebsleiter verantwortlich ist, sind Packungsbeilage und Fachinformation. Kenntnisse über Arzneimittel in Form einer Datenbank zur Verfügung zu stellen, ist Aufgabe der IFA (Informationsstelle für Arzneispezialitäten), die zu gleichen Teilen von der pharmazeutischen Industrie, dem pharmazeutischen Großhandel und der Apothekerschaft getragen wird. Im Auftrag der IFA führt ABDATA die pharmazeutische Prüfung durch, bei der die Artikel hinsichtlich der arznei- und sozialrechtlichen Angaben und auf Apothekenüblichkeit geprüft werden.

Für eine optimale Beratung von Patienten und Fachkreisen empfahl Dietmar Wolz, Kempten, aus eigener Erfahrung als EDV-Anwender in der öffentlichen Apotheke den Zugang zu Arzneimittelinformationen über Datenbanken, die mit dem Artikelstamm verknüpft sind. Die nicht verknüpften Stand-alone-Versionen enthalten zwar auch alle erforderlichen Daten, sind aber nicht so praxisgerecht einsetzbar. Auch Wolz betonte, daß die aus dem Internet gewonnenen Informationen kritisch selektiert werden müssen, bevor sie als gültige Auskunft an Patienten oder Fachkreise weitergeleitet werden. Top

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