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DAC 2005 ist erschienen

18.07.2005
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DAC 2005 ist erschienen

von Karsten Albert, Eschborn

In dieser Woche wird der Deutsche Arzneimittel-Codex 2005 an die Apotheken ausgeliefert. Damit setzt die Kommission Deutscher Arzneimittel-Codex die Revision aller Monographien des DAC fort, die nach der Veröffentlichung des Europäischen Arzneibuches, 4. Ausgabe, und seiner acht Nachträge erforderlich geworden ist.

Am 1. Dezember 2002 trat die Ph. Eur. 4.00 in Kraft. Sie ist vor allem durch die Einführung zahlreicher Neuerungen im Abschnitt »Allgemeine Vorschriften« gekennzeichnet. Die neuen Rahmenmonographien gelten auch für den DAC und beeinflussen somit seinen gesamten Inhalt.

Ph. Eur. als Vorbild

Die »Allgemeinen Monographien« der Ph. Eur. 4.00 und ihrer Nachträge 4.01 bis 4.08 enthalten weit reichende Anforderungen, die auf alle Stoffe und Zubereitungen der jeweils beschriebenen Gruppe, zum Beispiel »Substanzen zur pharmazeutischen Verwendung«, »Fermentationsprodukte« oder »Pflanzliche Drogen«, anzuwenden sind. Für die Qualitätsbewertung von Ausgangsstoffen sind diese Monographien relevant und zu beachten. Angesichts der steigenden Anzahl der »Allgemeinen Monographien« werden diese in den einzelnen Monographien der Ph. Eur. nicht mehr durch Querverweise in Kraft gesetzt, sondern durch eine Fußzeile auf jeder Seite. Dort wird auf die generelle Gültigkeit der »Allgemeinen Vorschriften« und auf eine tabellarische Zusammenstellung auf Seite B des Europäischen Arzneibuches verwiesen.

Die wichtigste Rahmenmonographie ist die Vorschrift »Substanzen zur pharmazeutischen Verwendung« (Ph. Eur. 4.06) mit strengen Anforderungen an die Prüfung auf verwandte Substanzen in organischen Arzneistoffen synthetischen Ursprungs. Aus Gründen der Arzneimittelsicherheit müssen organische Verunreinigungen, die in Wirkstoffen zur oralen Anwendung am Menschen in einer täglichen Dosis von bis zu 2 g in einer Konzentration von mehr als 0,1 Prozent vorhanden sind, identifiziert und ab 0,15 Prozent toxikologisch qualifiziert sein. Bei Wirkstoffen, deren tägliche Dosis 2 g überschreitet, betragen die Grenzen jeweils 0,05 Prozent. Für hoch wirksame Verunreinigungen gelten noch geringere Grenzwerte.

Die Forderungen gehen zurück auf die »International Conference on Harmonization« (ICH) und werden stets dem aktuellen Stand der Erkenntnisse angepasst. Von großer Bedeutung ist auch die Allgemeine Vorschrift »Lösungsmittel-Rückstände« (5.4), die für Wirkstoffe, Hilfsstoffe und Arzneimittel Grenzwerte festlegt.

Weitere Anforderungen an Einzelmonographien ergeben sich aus der Allgemeinen Methode »Chromatographische Trennmethoden« (2.2.46). Besonders die Angaben zur Systemeignung wirken sich unmittelbar auf die chromatographischen Reinheitsprüfungen und Gehaltsbestimmungen aus. Oftmals wird der Ersatz dünnschichtchromatographischer Prüfungen durch die Hochdruckflüssigkeitschromatographie oder die Gaschromatographie notwendig. Die DAC-Kommission ist diesen Entwicklungen gefolgt und hat mit dem DAC 2005 die Monographien mit den Anfangsbuchstaben N bis Z den neuen Erfordernissen angepasst. Außerdem wurden die Anlagen »Angaben zur Lagerung«, »Schmelztemperaturtabelle« und »Brechungsindextabelle« sowie drei weitere Arzneistoff-Monographien aktualisiert.

Umbenennung von Monographien

Gegenüber dem DAC 2004 haben sich bei fünf Monographien die Bezeichnungen geändert:

 

DAC 2004DAC 2005 17α-Estradiol Alfatradiol Natriumdibunat Natriumbutylnaphthalinsulfonat Süße Orangenblüten Süßorangenblüten Dalmatinisches Salbeiöl Dalmatinische Salbeiöle Salicylsäure-Verreibung 50 Prozent Salicylsäure-Verreibungen 50 Prozent

  

Besondere Bedeutung für die Arzneimittelsicherheit hat die Umbenennung von 17α-Estradiol in Alfatradiol. Dadurch soll das wenig Estrogen-wirksame 17α-Epimer vom β-konfigurierten Estrogen Estradiol-Hemihydrat (Ph. Eur.) eindeutig zu unterscheiden sein.

  

Streichung von Monographien

Zwölf Monographien des DAC 2004 wurden gestrichen:

  • Raffiniertes Distelöl
  • Reinstes Natriumhydroxid
  • Natriumselenit-Pentahydrat
  • Verflüssigtes Phenol
  • Podophyllin
  • Podophyllwurzelstock
  • Polysorbat 40
  • Raffiniertes Rinderfußöl
  • Sulfalen
  • Terpinhydrat
  • Trifluperidolhydrochlorid
  • Vogelknöterichkraut

Die Ausgangsstoffe »Raffiniertes Distelöl«, »Natriumselenit-Pentahydrat«, »Polysorbat 40« und »Vogelknöterichkraut« sind nun im Europäischen Arzneibuch beschrieben. Sollen sie in den Verkehr gebracht werden, so sind die in den jeweiligen amtlichen Bekanntmachungen zum Europäischen Arzneibuch vorgeschriebenen Gültigkeitstermine zu beachten. Es wird empfohlen, zur Kontrolle der Prüfzertifikate die genannten DAC-Monographien mit entsprechender Kennzeichnung bis zum 1. März 2006 getrennt aufzubewahren.

Die Kommission Deutscher Arzneimittel-Codex hat beschlossen, die Monographie »Podophyllin« einschließlich der Ausgangsdroge »Podophyllwurzelstock« zurückzuziehen, weil das Harz aus der Stammpflanze Podophyllum peltatum L. nicht mehr verfügbar ist. Die Vorschrift »Raffiniertes Rinderfußöl« musste entfallen, da nach Informationen der Hersteller die geforderte pharmazeutische Qualität nicht mehr gewährleistet werden kann. Die restlichen Monographien haben an Bedeutung verloren und wurden daher gestrichen.

Neue Monographien

In den DAC 2005 wurden die Monographien Ethylhexylglycerol, Kaliumaluminiumsilikat, Methylthioniniumchlorid-Hydrat nicht zur parenteralen Anwendung, Raffiniertes Sonnenblumenöl, ölsäurereich, Uridin und Indischer Weihrauch neu aufgenommen. Für die Herstellung von Rezepturarzneimitteln sind die Vorschriften Methylthioniniumchlorid-Hydrat nicht zur parenteralen Anwendung und Uridin besonders wichtig. Mit der Monographie Indischer Weihrauch wird die Qualität der Droge unseres Wissens erstmals in einem Arzneibuch normiert.

 

Danksagung Die Kommission Deutscher Arzneimittel-Codex dankt allen, die durch Anregungen, Kritik oder Musterlieferungen am Entstehen der Monographien beteiligt waren und hofft, dass sich die neuen Vorschriften in der Praxis bewähren werden. Verbesserungshinweise zum bestehenden DAC oder Vorschläge für neue Monographien nimmt das Zentrale Prüflaboratorium gerne entgegen.

 

Anschrift des Verfassers
Dr. Karsten Albert
Deutscher Arzneimittel-Codex
Zentrales Prüflaboratorium
Carl-Mannich-Straße 20
65760 Eschborn
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